Leben ohne Psychopharmaka - geht das? Und wenn ja, wie? Nicht wenige psychoseerfahrene Nutzer von Neuroleptika haben den Wunsch, ihre Medikamente zu reduzieren. Tatsächlich könnten viele ihre Medikation nicht nur reduzieren, sondern sogar ganz absetzen und mit weniger oder ohne Psychopharmaka deutlich besser leben. Das Buch liefert Antworten auf die Frage: Wie funktionieren die Reduktion von Psychopharmaka und eine erfolgreiche Recovery? Vor dem Hintergrund eigener Erfahrung sowie aus der Begleitung als Angehöriger und Profi beschreiben die Autoren, wie dieses Vorhaben gelingen kann. Schlimme, Scholz und Seroka berichten auch von den Anstrengungen, Herausforderungen und Rückschlägen - eine Garantie für ein Gelingen kann es nicht geben. Mit viel Akribie haben die Autoren aus ihren langjährigen Erfahrungen und mit Bezug auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse alltagstaugliche Regeln für einen nachhaltigen Reduktions- und Genesungsprozess abgeleitet.
Bewertungen & Erfahrungen
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion22.07.2026
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Dieses Buch bietet unglaublich wertvolle und inspirierende Informationen zur Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen; es ist eine exzellente Ressource für alle, die diesen Weg erkunden. Ich empfehle es wärmstens an jeden, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt.
Das Buch zeigt einen Weg auf, wie es gelingen kann, Neuroleptika abzusetzen. Außerdem ist es hilfreich, um das Umfeld mit ins Boot zu holen, da es einem Argumente an die Hand gibt, warum es wichtig ist, Neuroleptika abzusetzen. Mir hat es geholfen, die Methode hat funktioniert. Ich benötige keine Neuroleptika mehr, nehme nur noch ab und zu ein Schlafmittel bei Bedarf und bin inzwischen vollständig genesen.Die Dopaminhypothese, dass ein überaktives Dopaminsystem der Erkrankung zugrunde liegt, ist nicht korrekt. Psychische Krisen führen in die Psychose, danach kommt es zu biochemischen Veränderungen im Gehirn. Daher sollten Neuroleptika nur im Akutfall genommen werden, um die Symptome zu behandeln, heilen können sie nicht. Vielmehr geht es darum, die Lebensumstände, die in die Krise geführt haben, zu verändern oder eine Therapie zu machen. Über die gesamte Lebensspanne hinweg ist es möglich, weniger vulnerabel und resilienter zu werden und neue Bewältigungsmechanismen zu erlernen.Auch empfehlenswert: "Chemie für die Seele" von Josef Zehentbauer. Das Buch weist in die gleiche Richtung und zeigt auf, wie gefährlich Neuroleptika als Langzeitmedikation sind.
Es ist ein heißes Eisen, das der Psychiater Jann E. Schlimme, die Psychiatrie-Erfahrene Thelke Scholz und die Angehörige Renate Seroka mit dem Buch „Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen“ angefasst haben. Ehrlich gesagt haben sie sich die Finger dabei nicht verbrannt. Denn sie schaffen es, die umstrittene Praxis der Medikamentenreduktion sachlich und differenziert zu diskutieren. Ein entscheidender Moment ist sicher der trialogische Charakter des Buchs. Damit hat das Buch einen Alleinstellungscharakter, den es in der Beschäftigung mit der psychiatrischen Versorgung im Allgemeinen und mit der psychopharmakologischen Behandlung im Besonderen kaum gibt.Seroka, Scholz und Schlimme wägen oft die im Raum gestellten Fragen ab. So blenden sie nicht aus, dass Neuroleptika spürbare positive Wirkungen während der Psychose haben. Eine erwünschte Wirkung eines Neuroleptikums sei das Abblenden oder Distanzieren vom aufdringlichen Zuviel der Bedeutungsvielfalt in der Psychose (S. 48). Negativ sei es, „dass die allermeisten Neuroleptika an einer ganzen Vielzahl von Rezeptoren Blockaden verursachen“ (S. 52). Manche dieser Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, verschlechterte Zucker-und Fettstoffwechsellage) seien von erheblicher Relevanz. Sie beeinträchtigten nicht nur das aktuelle Wohlbefinden, sondern trügen auch zu einer verkürzten Lebenserwartung bei (S. 52).Das Tragende des Buchs von Seroka, Scholz und Schlimme ist die Subjektivität, die sich durch die bald 300 Seiten hindurchzieht. Die diskursoffene Leserin verliert den Glauben an die Heilkraft psychopharmakologischer Interventionen, die letztendlich begrenzt bleiben. Vielmehr erarbeiten Seroka, Scholz und Schlimme im Trialog Möglichkeiten eines gelingenden Prozesses zum Reduzieren oder vollständigen Ausschleichen von Psychopharmaka.Dies erscheint nötig, führt ein Wunsch eines betroffenen und psychopharmakologisch behandelten Menschen doch oft zu Gräben zwischen ihm bzw. ihr und dem sozialen Umfeld. So geben die drei einen wichtigen Rat: „Deshalb appellieren wir nicht nur an die Betroffenen, sondern auch an Angehörige und Freunde, sich über die psychische Störung, den Genesungsprozess und die Medikamentenreduktion gründlich zu informieren und an ihren eigenen Ängsten und Vorbehalten zu arbeiten, um den Betroffenen die bestmögliche Unterstützung zu bieten“ (S.83).Die Reduktion und das Absetzen von Medikamenten bedeutet für Seroka, Scholz und Schlimme die Suche nach einem individuellen Weg. Damit verbunden ist für die Betroffenen eine hohe Aufmerksamkeit für die Reduktionsgeschwindigkeit („kleine und langsame Dosisschritte“). An einen Reduktionsprozess müsse mit Geduld herangegangen werden. Es gelte, sich Zeit zu nehmen und Zeit zu lassen (S. 93). Das Psychose-Erleben beschreiben Seroka, Scholz und Schlimme als eine sehr persönliche Erfahrung. Diese Erfahrung sei sehr persönlich und bedürfe der Verständigung. Therapeutische Erzählräume seien Proberäume für den Alltag (S. 101).Mit dem Buch „Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen“ setzt ein unverzichtbares Zeichen, das die betroffenen Menschen ernstnimmt. Es fordert letztendlich ein, sich beispielsweise als professionell Tätiger nicht nur auf die Rolle zurückzuziehen, ein ärztliches Rezept auszustellen. Es verlangt, sich mit der Person zu beschäftigen, die einem begegnet. Mehr noch: Es zeigt auf, dass das Erleben einer Psychose mehr als ein biologischer Defekt ist. Mit dieser Einsicht im Sinn braucht man auch keine Schutzhandschuhe, wenn man das heiße Eisen anfasst.
‚Das Leitmotiv der ärztlichen Profis sollte lauten: Wer ansetzt, muss auch wissen, wie er oder sie absetzt!‘ (Seite 83)‚Langfristig plombieren die Neuroleptika die betreffende Person oftmals derart, dass sie von ihren eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Wünschen abgeschnitten ist und eigene Belastungsgrenzen, Ängste und Sehnsüchte nicht adäquat wahrnehmen kann.‘ (Seite 27)Jann E. Schlimme (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie), Thelke Scholz (Expertin durch Erfahrung) und Renate Seroka (Angehörige) bieten in ihrem Buch ‚Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen‘ Informationen zum Genesungsprozess und zu Psychopharmaka, benennen die Herausforderungen, denen man sich beim Reduzieren stellen muss, beschreiben detailliert den Reduktionsprozess, stellen bedeutungsdosierte Sozialräume und Abschalttechniken vor und gehen schließlich darauf ein, wie es nach dem Absetzen weitergeht bzw. warum man manchmal nicht vom letzten Krümel der Medikamente loskommt.Den Autoren gelingt meiner Meinung nach ein Kunststück, denn das Buch ist für Profis, für Betroffene, für Angehörige und Freunde gleichermaßen geeignet, bietet jedem genau das richtige Maß an Informationen, leitet an, erklärt und erlaubt zudem Einblicke in pharmakologische Details, die so detailliert sind, dass Profis dazulernen, die aber auch so verständlich sind, dass Laien Zusammenhänge verstehen.Besonders gelungen fand ich, wie hoffnungsvoll die Autoren davon schreiben, dass es möglich ist, ohne Psychopharmaka (oder lediglich mit einer Minimaldosis) zu leben, ohne dass sie dem Leser das Gefühl vermitteln, dass das Ganze problemlos durchführbar ist und keinerlei Gefahren birgt. Im Gegenteil: Die Autoren weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig ein langsames Vorgehen ist, wie schwer es ist, den letzten kleinen Krümel abzusetzen, dass eine große Gefahr für Rebound-Psychosen besteht, so dass die Betroffenen immer wieder dazu angehalten werden, auf sich und ihre Absetzsymptome zu achten und abhängig davon die Dosis zu reduzieren, vorerst beizubehalten oder gegebenenfalls wieder leicht zu erhöhen.Das Buch erklärt sehr genau, wie reduziert und abgesetzt werden sollte, was man beachten muss, welche Symptome auftreten können, wie man auf Rebound-Psychosen reagiert, welche Strategien und Alternativen es gibt. Damit bietet es echte Hilfe beim Reduzieren sowie Hoffnung auf ein Leben ohne Antipsychotika und auf Genesung.Ich habe beim Lesen sehr viel gelernt, nicht nur über den Reduktionsprozess an sich, sondern auch über alternative Behandlungsmöglichkeiten von Psychosen und das Neurotransmittersystem. Dabei ist das Buch bisweilen ein wenig repetitiv, was ich aber nicht als störend, sondern als sehr hilfreich empfunden habe, weil wichtige Inhalte so besser verinnerlicht werden können.Ich empfehle ‚Medikamentenreduktion und Genesung von Psychosen‘ mit Nachdruck und hoffe, dass das Buch viele Leser findet. Ich selbst wünschte, es hätte ein solches Buch bereits vor 20 Jahren gegeben, denn dann hätte ich im persönlichen und im professionellen Umfeld viele Dinge anders beurteilt und anders empfohlen.‚Frei von Medikamenten zu sein dreht also nicht die Lebensgeschichte zurück [...]. Andererseits ändert sich dennoch viel. Dies betrifft nicht nur den simplen Umstand, dass die tägliche Erinnerung an die Medikamenteneinnahme wegfällt. Vielmehr fällt auch die ständige Erinnerung an die eigene psychische Störung weg.‘ (Seite 208)
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.