Schwingels Einführung zu Bourdieu, erstmals Mitte der neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschienen, war, soweit ich mich erinnere, die ersten Einführung zu Bourdieu in Buchform im deutschsprachigen Raum überhaupt. Die Tatsache, dass sie seit mehr als zwei Jahrzehnten aufgelegt wird, spricht in gewisser Weise für sich und hat mich im Zusammenhang meiner Lektüre von Bourdieus kürzlich erschienenen Vorlesungen über Manet bewogen, dieses Buch, das mir zur Studienzeit den Zugang zu Bourdieus sperrigen Texten eröffnet hat, erneut in die Hand zu nehmen. Die positive Erinnerung, die die Lektüre dieses Buches hinterlassen hatte, konnte ich nach längerer Bourdieu-Abstinenz bei erneuter Lektüre bestätigt finden.Der Autor gibt einen systematischen und, wie ich als Nicht-Soziologe finde, gut lesbaren Überblick über Bourdieus Konzepte und Begriffe und deren Bezug zu bekannten theoretischen Grundlagen der Soziologie und Philosophie. Die erneute (wenn auch nur kursorische) Lektüre hat bei mir altes Wissen schnell wieder aufgefrischt. Das Buch bietet dem geneigten Leser, der in die Gedankenwelt Bourdieus einsteigen oder sich dessen recht versteckte Systematik erarbeiten will, eine solide Basis für die weitere Beschäftigung mit seinem Werk. Selbst für relativ leicht zu lesende Texte Bourdieus, wie z.B. die Manet-Vorlesungen, kann die Einführung von Schwingel eine sinnvolle Ergänzung sein, da sie Bourdieus Theorien, die in seinen Vorlesungen aus den Jahren 1999-2000 nur am Rand erwähnt werden, systematischer erläutern als es dieser selbst im Rahmen dieser Vorlesungen tun kann.Ich hatte diesen Text bereits bei der ersten Lektüre während des Studiums tatsächlich als sehr hilfreich und, angesichts der Komplexität der vermittelten Materie, gut lesbar empfunden und verweise in diesem Zusammenhang auch auf die Rezensionen zu älteren Auflagen der Einführung, die Amazon entgegen dem sonst üblichen Rezensionenmischmasch an dieser Stelle nicht anbietet. Den neueren Kommentaren der vermutlich jüngeren Lesergeneration, die mich schließlich auch zu dieser Rezension veranlasst haben, muss ich entnehmen, dass Begriffe, die vor 20 Jahren noch zu keineswegs unüblichem humanistisch gebildetem Abiturientenvokabular gehörten, mittlerweile offensichtlich als zu schwierig empfunden werden und dass von einer Einführung in Bourdieu erwartet wird, dass sie, da Einführung, auch ‘for dummies’ geschrieben ist.Wenig tröstlich stimmt mich in diesem Zusammenhang Bourdieus Hinweis, dass die Soziologie immer noch eine “Zufluchtsdisziplin” ist, “wo die Anforderungen weniger hoch sind als in den anderen Fächern”. (Bourdieu, Manet, S.280 ).
Obwohl ich mich nicht gerade als soziologisches Nullum sehen muss, ist diese "Einführung" eher etwas für Voll-Soziologen. Mit diesem Buch ist kaum ein Einstieg in die Philosophie/Soziologie eines der großen französischen Intellektuellen möglich, zumal sich der Autor nicht die Mühe macht, Vokabeln wie perpetuieren, idiosynkratisch u.a. wenigstens in einer Hinführung zu einem Werk, das ohnehin mit einer speziellen Begriffswelt verbunden ist, ins Deutsche zu setzen. Mir erscheint dies - nicht nur in diesen Fällen - als Ausdruck einer intellektuellen Bequemlichkeit oder Unzulänglichkeit, deutsche Begriffe dafür zu finden, die es mit Sicherheit gibt.Für soziologische Kreise vermutlich ok. Darüberhinaus ungeeignet.