„Das große Buch vom Vogelzug“ ist – die Untertreibung des Jahres. Auf 370 Seiten mit sage und schreibe 640 (!) Karten und Grafiken und oben drauf noch mit vielen Fotografien (darunter sehr schöne Vogelbilder) lässt dieses Sachbuch auch nicht eine Frage dieses komplexen Themas unbeantwortet. Der Autor Franz Bairlein bringt die beindruckende Faktenfülle seiner „umfassenden Gesamtdarstellung“ immer wieder auf den Punkt: bestens sortiert, klar, logisch und verständlich aufbereitet. Das ist keinesfalls nur ein Buch für Fachleute. Jeder, der neugierig ist, sich für die Natur und ihre Vielfalt, für die Vögel und ihre (Über-)Lebensstrategien interessiert, wird fasziniert sein. Allein die kleinen, übersichtlichen Karten mit den transkontinentalen Zugwegen mitteleuropäischer Störche, Fischadler, Brachvögel, Seeschwalben, Kuckucke, Mauersegler, Rauchschwalben, Laubsänger oder Steinschmätzer sind geradezu aufregend. Man kann es kaum fassen, dass nicht nur große Vögel, sondern auch zehn Gramm leichte Fitislaubsänger im Herbst von hier bis ins südliche Afrika fliegen, dort überwintern und im Frühjahr pünktlich und punktgenau wieder in ihrem vorjährigen Brutrevier landen. Zu den globalen Spitzenleistungen zählt die 90 000 km lange Zugstrecke der Küstenseeschwalben oder der zehntägige Nonstopflug von Pfuhlschnepfen quer über den Pazifik.Um die innovativen Dimensionen der modernen Zugvogelforschung zu begreifen, muss man sich vor Augen führen, dass Naturkundler noch vor 200 Jahren von der Überwinterung unserer Schwalben im Schlamm von Seen und Teichen überzeugt waren. Das Phänomen des Vogelzuges wurde selbst vom berühmten Linné bezweifelt. Erst die Vogelberingung seit dem frühen 20. Jahrhundert zeigte immer mehr, was Zugvögel so alles leisten. Tausende von begeisterten Ehrenamtlern, inzwischen heißen sie citizen scientists, haben das möglich gemacht. Heute können wir viele Vogelwanderungen live am Computer miterleben, weil einige Individuen kleine Sender tragen, die ständig den Standort melden (Satelliten-Telemetrie; ICARUS). Die Fortschritte von der einfachen Beobachtung durch einige wenige Enthusiasten bis hin zu internationalen Netzwerken voller hightech und unter Anwendung modernster Labormethoden sind gewaltig.In 20 Kapiteln werden die Phänomene des Vogelzugs bei uns in Deutschland wie auf globaler Ebene vorgestellt, seine Formen und Muster. Es geht weiter mit der inneren Steuerung, der räumlichen Orientierung, der Energetik sowie den Anpassungen von Stoffwechsel und Körperform (Morphologie). Die Rolle von Raststationen und ökologischen Barrieren (Gebirge, Wüsten, Meere) wird ebenso erklärt wie die Frage, was die Vögel denn in ihrem Winterquartier machen. Es geht um Wetterphänomene und Klimawandel, um Gefährdung und Schutz von Zugvögeln und „Reisekrankheiten“, auf dem Zug erworbene Parasiten und Viren. Am Schluß kommt die Frage der Fragen, warum denn überhaupt der ganze Aufwand des Vogelzuges nötig ist, also wie sich der Vogelzug entwickelt hat.Man kann sagen, dass jede Art, ja jedes Individuum seine eigene Strategie hat, charakterisiert durch große Dynamik. Zugstrategien haben sich über tausende von Jahren entwickelt und können sich innerhalb weniger Generationen ändern. Ohne derartige Flexibilität könnten viele Vogelarten gar nicht existieren. Ein ungeahntes Beispiel: Die vormals bei uns ausgestorbenen und wieder neu angesiedelten Waldrappe sind Zugvögel. Da sie die Zugstrecke von Bayern nach Mittelitalien nicht kennen, hat man sie mit Ultraleichtflugzeugen dahin geführt. Inzwischen schaffen sie es allein. – Einen kompetenteren Autor als Franz Bairlein gibt es nicht: Fast 50 Jahre Vogelzugforschung, dreißig Jahre Leiter der Vogelwarte Helgoland und des Instituts für Vogelforschung, langjähriger Präsident sowohl der deutschen als auch der internationalen Ornithologen-Gesellschaft. Sein Fachwissen ist unübertreffbar. Ein Glücksfall für uns Leser! Vielleicht sollten wir uns zukünftig an den griechischen Dichter Aristophanes halten, der schon vor 2500 Jahren (!) riet: „Richte Dein Handeln nach dem Flug der Vögel.“ Wer ihnen noch ein „Spatzenhirn“ unterstellt, sollte schleunigst dieses Buch lesen.Karl Schulze-Hagen
Vorbemerkung: Ich habe das Buch kostenlos vom Verlag für eine Rezension auf amazon bekommen.Das hier ist aber meine unabhängige und persönliche Meinung. Gefälligkeitsrezensionen mache ich prinzipiell nicht.Vogelzug hat sowohl die Wissenschaft als auch viele Laien schon seit langem fasziniert. Mittlerweile ist vieles gut erforscht und es gibt viele gute Bücher zu dem Thema von einfachen Einführungen bis zu sehr dicken Fachbüchern (z.B. die von Ian Newton zum Thema).Jetzt hat der Aula Verlag ein umfangreiches Buch auf dem aktuellen Stand der Forschung vorgelegt. Der Titel klingt etwas seltsam und eher nach einem Kochbuch aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Der Inhalt ist das beste was in deutscher Sprache zum Thema geschrieben wurde. Auch auf Englisch ist mir keine derart aktuelle und umfangreiche Übersicht bekannt (Ian Newton’s Bücher sind schon einige Jahre alt, aber immer noch unbedingt empfehlenswert).Das Buch behandelt alles Themenbereiche zum Thema Vogelzug. Es gibt einen guten Überblick über die Methoden der Forschung (ohne den Laien zu überfordern) und behandelt dann alles von Navigation über Energiebilanz, Zugstrategien bis hin zu Klimawandel und Schutz der Zugvögel.Im ganzen Buch findet man nicht nur gute Fotos sondern vor allem sehr viel und sehr gut gemachte Grafiken die das im Text erklärte sehr gut veranschaulichen. Der Text selbst enthält keine Quellenhinweise aber jede Grafik hat einen Quellenhinweis. So hat man am Ende dann doch ein umfangreiches Literaturverzeichnis falls man einiges noch weiter nachlesen möchte.Viele Beispiele behandeln Vogelarten aus Europa und deren Zug nach Afrika oder Südeuropa. Es werden auch aber der Vogelzug in anderen Regionen wie Nordamerika, Südamerika oder Asien behandelt sowie der Vogelzug innerhalb der Tropen.Erfreulich ist dass aktuelle Themen wie Klimawandel und Vogelschutz ausführlich behandelt werden. Der Schutz von Zugvögeln wie Dorngrasmücke, Rotschenkel oder Wespenbussard entscheidet sich nicht nur in den Brutgebieten sondern auch in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten. Ein tiefgehendes Verständnis der Zugbiologie der jeweiligen Arten ist essentiell. Hier finden Vogelschützer viele Infos und es wird klar wie wichtig auch in Mitteleuropa Trittsteine für Zugvögel sind und der Naturschutz auch für bei uns überwinternde Arten (z.B. Prachttaucher, Rauhfußbussard oder Raubwürger).Der Schreibstil des Buchs ist sehr angenehm und man hat auch als Laie (z.B. als Hobby Vogelbeobachter) nie ein Problem das ganze nachzuvollziehen.Fazit:Zusammenfassend kann man sagen, dass hier eines der besten Bücher zum Thema Vogelzug entstanden ist. Wer sich ernsthaft für das Thema interessiert, sollte sich dieses Buch unbedingt zulegen.
Moin, ich habe bisher in dem Buch geschmökert und finde es unglaublich toll! Heute wollte ich zum ersten Mal etwas nachschlagen, und siehe da; Die Seiten der Registers sind falsch geschnitten, sodass teilweise die Seitenangaben und teilweise die Suchworte nicht lesbar sind . Bei den Abbildungsquellen sind die seiten zu Teil 5 cm schmaler als die anderen Seiten, sodass auch hier ein Teil des Textes fehlt. Zum Nachschlagen ist das Buch völlig unbrauchbar. - Leider merke ich das erst jetzt, nachdem die Rückgabefrist 10 Tage verstrichen ist. Kann ich das Buch trotzdem noch umtauschen?