Als Psychotherapeutin kenne ich die Schwierigkeiten von Menschen mit solchen Erfahrungen, wie sie in diesem Buch dargestellt werden, über diese zu sprechen. Sexuelle Gewalt, besonders in der Kindheit, macht sprachlos - und das nicht nur allein durch das Sprechverbot durch die Täter. Es ist eine Sprachlosigkeit, die durch eine tiefe Fassungslosigkeit und Erschütterung entsteht. Der Leser dieses authentischen und aussergewöhnlich gut geschriebenen Buches kann einen Eindruck dieser Fassungslosigkeit durch seine eigene beim Lesen erhalten. Und das ist es, was dieses Buch ausmacht: Das Unsägliche, was dem Autor widerfahren ist, teilt sich unmittelbar dem Leser mit. Von daher ist es auch eine harte Kost - jedoch gemessen an dem, was passiert ist, immer noch eine leichte. Das Buch kommt ohne mahnenden Zeigefinger aus, den braucht es nicht. Es führt den Leser in Welten, die man sonst nicht betritt - es sei denn, man ist dort selber gewesen.Es gibt eine Grenze zwischen Menschen, die sexuelle Gewalt erleben mussten und denen, die das Glück hatten, davon verschont geblieben zu sein. Und trotzdem ist diese Welt der Gewalt allgegenwärtig. Den Menschen, denen es gelingt, über diese Welt zu sprechen, gebührt unsere Hochachtung und Dankbarkeit. Was wir tun können, ist, an ihrer Seite zu sein. Es ist die einzige Möglichkeit die oben beschriebene Grenze (etwas) aufzuheben, den Betroffenen in ihrer Einsamkeit zu begegnen und sie dadurch (etwas) aus ihr herauszuholen.Max Mehrick ist es gelungen, diese Grenze mit seinem Buch aufzuheben. Ein empfehlenswertes Buch, dem Autor sei Dank.