Jenseits der üblichen Horrorszenarien klärt Jörg Roesler auf über die Geschichte des kleineren deutschen Staates. Sie wird erstens erzählt als Geschichte der Herrschaft der SED. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Gruppierungen, vom Autor als Konservative bzw. Reformer charakterisiert. Dies ist gleichzeitig die Geschichte der Sicherung der Stabilität eines in seiner Existenz ökonomisch und politisch wiederholt gefährdeten Staates. Zweitens wird die Geschichte der DDR als Geschichte der sowjetisch-ostdeutschen Beziehungen erzählt. Es ist die Geschichte von Moskaus »ungeliebtem Kind«, einer durch d as Scheitern der sowjetischen Deutschlandpolitik zustande gekommenen Minimallösung, eines schließlich lästig werdenden Vorpostens. Drittens wird die Geschichte der DDR erzählt als Geschichte der Beziehungen zur Bundesrepublik. Sie endet mit der Vereinnahmung des kleineren durch den größeren, sich als stabiler und potenter erweisenden deutschen Staates.
Bewertungen & Erfahrungen
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Redaktion12.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Eine unglaublich spannende und tiefgehende Geschichtserzählung, die die Geschichte der DDR auf eine faszinierende Weise beleuchtet. Jörg Roeslers Darstellung ist sehr anschaulich und fesselnd.
Redaktion12.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Eine wirklich faszinierende und tiefgehende Darstellung der Geschichte der DDR, die weit über die üblichen Erzählungen hinausgeht. Jörg Roesler schafft es, ein komplexes Thema sehr anschaulich und spannend zu vermitteln.
Der 1940 geborene Roesler legt mit diesem, in der Reihe „Basiswissen“ von papyrossa erschienenen Buch einen Überblick über die Wirtschaftsgeschichte der DDR vor. Jene, so Roesler, existierte immerhin von 1945 bis 1990, also länger als Weimarer Republik und Nationalsozialismus zusammen. Der vielen Literatur zur DDR noch ein weiteres Werk hinzuzufügen, hält Roesler für angebracht, denn was die DDR einzigartig mache, sei, dass erstmals versucht wurde, den ausgetretenen Pfad kapitalistischen Wirtschaftens zu verlassen, um zu einer neuen, gerechteren Gesellschaft zu gelangen, die als Sozialismus bezeichnet wurde. Der Autor geht chronologisch vor, versucht, „unvoreingenommen“ zu schreiben und zu argumentieren. Er erzählt in 17 Kapiteln vor allem wirtschaftliche Sachverhalte, andere aus Kultur, Politik oder Ökologie werden als aus der Ökonomie abgeleitet definiert. Insofern ist der Titel des Buches etwas irreführend. In den letzten drei Kapiteln macht er dann seine persönlichen Auffassungen zur DDR deutlicher.Roesler erzählt die Geschichte anhand des Narrativ des Konflikts von Reformern und Konservativen. Diese bilden in den Apparaten der DDR jeweils eigene Strömungen aus, die sich bekämpfen. Die Reformer versuchen mehr lokale Autonomie und Wettbewerb einzuführen, um dadurch zu mehr Planungswahrheit und wirtschaftlicher Effektivität zu kommen. Waren in bestimmten Phasen, immer auch mitdeterminiert durch globale Prozesse im befreundeten Ausland oder im Westen, die einen im Vorteil, waren es in anderen Phasen die anderen. Das Problem der SED war, dass sie sich für die Ökonomie zuständig erklärte. Als Folge wurden ihr von den EinwohnerInnen die ökonomischen Probleme, die nicht in den Griff zu bekommen waren (der berühmte 1 MB-Chip!) zur Last gelegt: Die DDR hinkte im Vergleich zum Weltmarkt immer weiter hinterher, die Arbeitsproduktivität war meist nur halb so hoch wie in der BRD. Zweitens verstießen viele Maßnahmen, etwa zur Behebung des Devisenmangels, gegen das gerade von der SED erhobene fundamentale Credo der innergesellschaftlichen Gleichheit. Die von Honecker, auf dem Höhepunkt der DDR anfangs der 1970er Jahre, propagierte Erhöhung der Subventionen für den privaten Konsum – bei gleichzeitiger Integration der DDR in den Weltmarkt – führte zu einer steigenden Verschuldung, die später wiederum nur einer der Gründe für das Ende der DDR werden sollte.Es macht wenig Sinn, die Geschichte der DDR von ihrem Ausgang her zu erzählen, denn dieser war den Handelnden ja seinerzeit nicht bekannt, schreibt Roesler. Das ist richtig. Erklärt werden muss aber schon, wie ein unter sozialistischen Vorzeichen angetretenes Regime kulturell so konservativ, wenn nicht altersstarrsinnig und zweitens ökonomisch so wenig erfolgreich werden konnte. Diese Frage, beziehungsweise die Antwort darauf, hat Auswirkungen auf eine sozialistische Utopiediskussion heute. Schon allein deswegen ist die Beschäftigung mit der Geschichte und Geschichtsschreibung der DDR wichtig. Roesler hat dazu einen Beitrag geleistet, wenn auch nicht ganz klar wird, wer eigentlich die Zielgruppe für einen solchen Band sein soll.Bernd Hüttner
Der Autor vertritt mit guten Argumenten die Ansicht, dass die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstrang der Geschichte der DDR gewesen sei. Behauptung gegen inneren Protest, gegen Abwanderung und später gegen die Übernahme durch den großen Bruder BRD - in allen Fällen waren wirtschaftliche Fehlentwicklungen maßgeblicher Auslöser von Entwicklungen, die immer wieder die DDR als eigenen Staat in Frage stellten.Der Ausgangspunkt nach 1945 für die SED, die 1946 aus einer Vereinigung von KPD (treibend) und SPD (widerstrebend) hervorgegangen war, war eine sozialistische Entwicklung, die eine gleiche und gerechte Sozialordnung vorsah und privatkapitalistisches Vermögen zumindest in großem Stil unmöglich machen sollte.Rösler, Jahrgang 1941 und renommierter Wirtschaftshistoriker, zeigt die verschiedenen wirtschaftlichen Konzepte auf, die sich innerhalb der SED entwickelten und mal zur Geltung kommen konnten, mal auf den Schreibtisch als Wirkungsstätte beschränkt blieben. Die politischen Entwicklungen, von denen die DDR betroffen war, waren immer voller schneller Wendungen. Das gilt für ihr westliches Ausland und noch stärker für Entwicklungen in der Sowjetunion, aber auch in Polen und anderen sozialistischen Nachbarländern.Das Büchlein ist in gut 20 Kapitel unterteilt, wobei die letzten drei Kapitel um Bilanz und Diskussion bemüht sind. Die Kapitelüberschriften geben die Aussage des Kapitels schon zu erkennen. Zum Beispiel zum Kapitel 13: Geschmückt mit fremden Federn: Die erfolgreichen Jahre der Ära Honnecker (1971 - 1975).In Summe eine gelungene, preiswerte, kurze Übersicht. Ein gut gegliedertes Literaturverzeichnis weist den Weg zu vertiefter Lektüre. Ein solcher Abriss kann nicht viel mehr sein als der Einstieg zum umfassenderen Lesen. Auch wenn das Objekt der Darstellung schon historisch ist, scheinen doch interessante Auseinandersetzung die Geschichte der DDR geprägt zu haben. Vieles ist erst heute rekonstruierbar.
Das Buch geht ohne Verklärung oder Verteufelung an die Geschichte der DDR ran.Es bewahrt Objektivität ohne in irgend ein Lager zu fallen.Nüchtern und gut.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.