Währenddessen ich das Buch an zwei Abenden/ Nächten durchlas, kam mir ein Karl Foerster-Zitat in Erinnerung: „Wer Träume verwirklichen will, muss wacher sein und tiefer träumen als andere“. Das Buch gibt beeindruckend Einblick und Auskunft in und über Andreas Dresen, der in seinen Filmen aber auch als Person durch (zwischen)menschliche Töne Klang erzeugt. Schlicht und ergreifend. Gut. Und das inmitten eines Kulturbetriebes, dessen Protagonisten oft exaltiert, egozentrisch marktkonform die Rampensau mimen. Wer sich nicht dem Mainstream anwanzt, sollte sich gefälligst skandalträchtig in Szene setzen, so die Devise vieler Akteure. All diesen vermeintlich unersetzlichen Ödlingen will man zurufen: Hey steckt mal einen Finger in euer Champagnerglas, aber wundert euch nicht, wenn kein Loch zurückbleibt, wenn ihr ihn wieder rauszieht!Über den Filmemacher sind Unmengen Lobeshymnen gesungen worden, die Kritiker kritisieren ihn wenig, viele heben ihn sogar auf den Olymp, auf dem er sich wahrscheinlich scheu umsehen würde und sich verloren vorkäme. Zahlreiche seiner Filme waren Erfolge, vermutlich dennoch nicht die großen Wert schöpfenden Blockbuster. Wer in Dresens „Halt auf freier Strecke“ gebannt in der Kino-Höhle (bzw. –Hölle) gesessen hat und im Publikum die vielen netzhäutigen Feuchtgebiete sah, weiß um die Kraft vom Großen Kino. Selten hallte ein Film so nach wie dieser. Dieses Gespür für Themen aus dem Alltag, Charaktere, die einem bekannt vorkommen, das Crescendo in der Dramaturgie und all das gepaart mit einer Einfachheit, nötigt höchsten Respekt ab.Das Buch ist voll von Klugsinn, zitablen Passagen, rührenden Momenten, nicht zuletzt auch dem Interviewer geschuldet, der es versteht, keinen Sand ins Gedankengetriebe seines Gesprächspartners zu streuen, vielmehr lädt er mit seinen Fragen geschickt „Schütt-Gut“ ab, aus dem offenherzige, gescheite Antworten entstehen: „Ich verstand die Welt nicht mehr. Aber wenn man die Welt nicht mehr versteht – manchmal ist sie da am schönsten.“ Die Äußerung ist bübischer Schalk und Weisheit gleichermaßen. Es ist ein Parlieren auf hohem Niveau, das wohltuend unakademisch wirkt. Dresen ist sehr beredt, ernsthaft, heiter, erzählt vom Weinen und Lachen, der Leser empfindet ihn ganz ohne Allüren, in sympathischer Bescheidenheit, obwohl ihm sicher die roten Teppiche vorausrollen und die Schulterklopfer auf den Pelz rücken. Zweifelsfrei ein interessanter Bursche, auch ein großartiges Buch.Der Mensch und Regisseur Dresen scheint wirklich hellwach beim tiefen Träumen zu sein!
Einer meiner Lieblingsautoren, Hans-Dieter Schütt, den ich durch seine wunderbar wortgewandten Beiträge aus dem ND kenne und schätze und einer meiner Lieblingsfilmmacher, Andreas Dresen, dessen Themen und Charaktern ich mich sehr nah fühle, dessen bescheidene und natürliche Art ich sehr mag und dessen Filme ich liebe - zwei Grosse Männer in einem Buch....was für ein Genuss, was will man mehr erwarten von Lesevergnügen :) ! Egal wo man das Buch aufschlägt, es ist nie langweilig oder eitel - eine schöne Möglichkeit für alle Dresen-Fans, ihrem "Andi" näher zu kommen - eine schöne Möglichkeit für alle Fans von Hans-Dieter Schütt, immer was von ihm lesen zu können!