Der vorliegende Brief an den Vater gilt als Schlüssel zu Werk und Leben des Prager Dichters Franz Kafka. Anklage und Selbstanalyse zugleich, erzählt der Monolog nicht nur vom tyrannischen und übermächtigen Wesen des Vaters, sondern auch vom komplizierten Seelenleben des feinsinnigen Sohnes. Als kristallklares Psychogramm einer schmerzlichen Entfremdung besteht das einzigartige literarische Werk neben den analytischen Schriften Siegmund Freuds. Erreicht hat das erschütternde Schreiben seinen Adressaten wohl nie - es war vermutlich Kafkas Mutter, die eine beabsichtigte Aushändigung zu verhinde rn wußte.
Bewertungen & Erfahrungen
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Redaktion21.05.2026
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Dieser Brief ist eine tiefgründige und sehr persönliche Einblicke in die Gedankenwelt von Kafka und bietet einen spannenden Zugang zu seinem Werk. Obwohl er sehr aufschlussreich ist, empfinde ich die Darstellung als etwas dicht, was für manche Leser eine gewisse Konzentration erfordert.
Es ist erstaunlich wie ganz anders sich Werke von Autoren lesen, wenn man mal ihre jeweiligen Biografien hinzuzieht.Persönlicher Eindruck:Vornweg, ich bin auch ein Produkt von einem VERSAGER-VATER! Dieses Werk weißt mehr Parallelen zu meinem Leben auf, als meiner Seele zunächst verträglich war. Doch mein neugieriger Geist ließ mich immer weiter lesen. So sog ich die Formulierungen der exzellenten kafkanischen Diktion in mich hinein, wohlwissend, dass ich höchstpersönlich dieses Manifest Wort für Wort nicht nur schreiben hätte können, sondern vielleicht sogar hätte müssen. Zumindest in jüngeren Jahren meines Lebens! Denn Franz Kafka schrieb diesen Brief an seinen Vater mit 36 Jahren (hatte ihn aber nie! Abgeschickt). Und wie es der Zufall (ich glaube nicht an Zufälle) so wollte, las ich diesen Brief nun im Alter von 36 Jahren.Nun habe ich mit einer ähnlichen Vita doch etwas "geschafft", das Franz Kafka leider zeitlebens verwehrt wurde. Ich wurde selber Vater. Zweimal. Und durfte eine Frau heiraten, die auch nach zehn Jahre Ehe nichts an Verliebtheit, Vertrauen und Zärtlichkeit eingebüßt hat.Mein Charakter war und ist auch etwas rebellischer, als jener des Franz. Und obwohl ich anfangs auch um die Liebe meines Vater buhlte, was sich vor allem daran zeigte ihm alles Recht machen zu wollen, ausschließlich und nur seine Ansichten zu teilen, hart den Körper zu stählen (schließlich war er einmal bayerischer Boxmeister) usw. usf. schaffte ich es niemals, Anerkennung geschweige denn Liebe von ihm zu erfahren. Schnell wurde mir bewusst, dass man einem Tyrannen nie gefallen kann und dass ich ihm auf Gedeih und Verderb schutzlos ausgeliefert war. Er verurteilte alles an meiner Person und jeden, der mich trotz seiner Aversion gegen mich, mochte.Doch anstatt mich unter seinem Pantoffel zu stellen, erwachte die Rebellion in mir (noch bevor ich Star Wars zum ersten Mal gesehen hatte, die wiederum ja auch eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung darstellt). Ich drehte also den Spieß um und rückte mir folgende Philosophie zurecht:"Aus all deinen Fehlern, werde ich lernen. Nicht um über dich zu siegen, sondern um ein erfüllteres Leben zu führen."Alles, was er mir oder meinen Geschwistern oder meiner Mutter antat (davor hielten ja seine Paranoia auch nicht), war für mich lediglich ein Negativbeispiel - so also sollte man es nicht machen. Denn ich sah ja, wie er mit seinem Verhalten seine Ehe ruinierte, sah, wie er sich immer weiter isolierte (in Zeiten von Corona vielleicht gar keine so schlechte Idee), fühlte wie es ihn innerlich aufrieb, als meine Mutter, auch nachdem er uns verlassen hatte, den Glauben (an die Liebe) nicht verlor. Im Gegenteil. Nur du flüchtetest in die Arbeit und die Arbeit war das Einzige, was dir blieb, bis du in Rente gingst. Doch nun hat er keine Ablenkung mehr von seinem inneren Schmerzen, die er noch immer nicht überwunden hat, an dem Tag, als er sich gegen seine Kinder, seine Ehefrau, seine Familie entschied.Irgendwann lernte ich aus den wenigen Begegnungen mit Dir immer mehr über das Vatersein, wie es niemals sein sollte. Dein Ego saß in all den Jahrzehnten immer noch auf dem Thron, deine Meinung uns allen aufoktroyiert, und dennoch ohne Wirkung mehr. Denn in meinen Augen warst du fortan immer ein Kranker. Und so behandelte ich deine Worte auch, die immer verletzend waren. Als ein Symptom deiner Krankheit. Und dadurch lernte ich zu gesunden. Nun wohnt ein gesunder Geist in einem gesunden Körper.Daher habe ich Dir auch die Gelegenheit gegeben, Opa zu sein. Und du bist ein mittelmäßiger Opa, aber immerhin ein besserer Großvater, als jemals ein Vater. Und das finde ich toll.Schlusssatz.Ich liebe meine Kinder und ich liebe meine Frau. Für immer.Tipp:Da links verboten sind, kann ich nur so viel sagen: Die Suchmaschine spuckt sehr gute Ergebnisse aus bei den Schlagwörtern Analyse + Titel dieses Werks oder Zusammenfassung + Titel dieses Werks.UPDATE 4. September 2020: Mein Vater hat wohl meine Rezension gelesen, anders kann ich mir den Sinneswandel nicht erklären. Er hat sich von einem mittelmäßigen Opa zum einem echt guten Opa entwickelt und darüber hinaus haben wir uns ausgesprochen, unsere Gefühle und Erwartungen offengelegt und irgendwie hat es das Eis gebrochen. Wir haben zusammen seit dieser Rezension sehr viele schöne Momente erlebt. Und ich fühle mich von ihm verstanden, akzeptiert ja sogar geliebt. Ich gebe euch nur den Tipp: Was die innersten Gefühle angeht, sollten Sie nie unausgesprochen bleiben. Es wird ein Zeitfenster geben, wo es klappt. Vielleicht nicht gestern, vielleicht nicht morgen, aber in irgendeinem Jetzt und dann wird alles gut, was schlecht empfunden wurde.Ich wünsche jedem diese tolle Erfahrung.Euer J.D. Bennick
Nach über zwei Jahrzehnten gibt es mit der Veröffentlichung des Kampa Verlages Franz Kafkas "Brief and den Vater" wieder als Faksimile zu kaufen. Für alle, welche für Kafka ein tieferes Interesse mitbringen eine gute Gelegenheit den Text einmal im "Original" zu lesen. Es macht durchaus einen großen Unterschied ob man den Brief als gedruckten Text oder in der Handschrift liest. Man sieht nicht nur die "sterilen" Druckbuchstaben sondern Kafkas lebendige Schrift. Bemerkt Verschreibungen, Korrekturen, nachträgliche Einschübe mit Bleistift, verwischte Buchstaben etc.. Die Lektüre ist dadurch ein sinnliches Vergnügen. Kafkas Schrift ist sehr schöne und klar und eigentlich immer gut lesbar. Allerdings gibt es auch Stellen mit Verbesserungen, Überschreibungen, Bleistifteinschübe in kleinerer, undeutlicherer Schrift. In diesen Fällen ist die Transkription sehr willkommen.Leider, und hier setzt meine Kritik an, ist es schwierig, ja beinahe unmöglich eine bestimmte Stelle der Handschrift in der Transkription spontan zu finden. Eigentlich wäre es der einfachste Weg gewesen die Transkription dem Faksimile Seite für Seite gegenüberzustellen. Diese wird jedoch im Anschluss an das Faksimile als durchgehender Text angeboten. Da das Faksimile selbst keine Paginierung aufweist beruht die Orientierung alleine an Kafkas Nummerierung der Doppelblätter.Diese Nummerierung ist jedoch in der Transkription nicht angegeben. Lediglich ein dünner, senkrechter Strich im Text oder auch mitten in Wörtern markieren ein Seitenende. Leider hilft das nicht besonders, wenn man ein unlesbares Wort im Faksimile in der Transkription finden möchte.Ich habe deshalb vor der Lektüre systematisch, Seite für Seite alle Senkrechten Strich gesucht und am Blattrand mit Bleistift markiert. Dort wo Kafka ein Doppelblatt nummeriert hat habe ich die Nummerierung in die Transkription übertragen. Alle anderen Stellen haben ich dann mit Unterpunkten wie z.B. 1.1 und 1.2 etc. markiert. Auf diese Weise war es mir möglich bestimmte Textstellen einigermassen schnell in der Transkription wieder zu finden.Trotz der wenig anwenderfreundlichen Transkription habe ich fünf Sterne vergeben. Ich gebe zu das scheint ein Widerspruch zu sein. Die Sterne sind ausdrücklich nur für Kafkas Text und das sehr schöne Faksimile und nicht für das Layout des Verlags.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.