Vielleicht liegt es daran, dass der Autor fast genau mein Jahrgang ist (ein Jahr jünger), aber er spricht mir sehr oft aus der Seele, unsere Seherfahrungen ähneln sich, und man fühlt sich in vielem zurückversetzt in die Zeit der ersten Horrorseherfahrungen. Mein Anfang war ziemlich ähnlich ("Mumien! Monstren! Mutationen!, "Der phantastische Film", Videotheken...daher auch mein eigenes, aus Zeitgründen länger schon nicht mehr bedientes, aber noch nicht für tot erklärtes Blog "Das phantastische Filmmagazin" etc).Ohne akademischen Anmerkungsapparat und wunderbar einfach geschrieben. Nichts stört den Lesefluss. Nichts? Wäre da nicht diese heute nun wirklich nicht mehr nötige veraltete, und laut Duden auch falsche Schreibweise mit dem "ß". Das reißt einen (oder besser: mich) ständig aus dem Geschehen. Gefühlte 100 Jahre nach der Rechtschreibreform Worte wie "daß", "klatschnaß", "Schluß" lesen zu müssen, ist kein Vergnügen. Eine Zeitlang mag das ja noch Sinn ergeben haben, als eine Art Protest. Aber dann "muß" aber auch mal irgendwann gut sein. Es ist ja nicht jeder so bewandert in Rechtschreibung, und wenn Schüler sich das Buch in der Beziehung zum Vorbild nehmen und genauso schreiben, hagelt es rote Tinte und schlechte Noten. Warum macht man das heute noch? Man setzt sich doch nur dem Verdacht aus, sorry, ein reaktionär-konservatives Weltbild zu besitzen und sich Änderungen sturköpfig zu widersetzen. Sorry, Verlag und oder Autor, das verstehe ich leider nicht, durchaus auch im Sinn von "kein Verständnis". Ist für mich genauso, als wenn man heute noch Waren in D-Mark auszeichnet. Manche Sachen sind Geschichte.Zurück zum Buch: Bis auf das aggressive "ß" sehr zügig und gut zu lesen, guter, zum Teil salopper Schreibstil, teils wie gesprochen ("keinen Tacken besser"), das gefällt mir schon. Ich lese es parallel von vorne bis hinten (hab es ca. ein Drittel durch), aber immer wieder auch blätternd. Da praktisch auf jeder Seite Fotos der Videocover bzw DVD/Bluray-Cover abgebildet sind, kann man gut zwanglos durchblättern und bleibt bei den Filmen hängen, die einen interessieren.Dass bei so einem Buch viele gute Filme kaum Erwähnung finden, liegt in der Natur der Sache. Dass in dem Titelregister auf den ersten Blick Argento-Flme wie Tenebrae, Phenomena und selbst Suspiria, einer der besten Horrorfilme überhaupt, kaum auftauchen, schockiert mich schon ein wenig. Auch Rattengott und einige andere, die mich interessieren, sind nicht vorhanden.Nahezu eine Sünde ist für mich die billig aussehende Buchgestaltung, mit weißer Schrift auf Pkw-Blau sieht es für mich irgendwie aus wie ein Schulbuch für Siebtklässler. Daran ändert auch der aus der Ferne kaum wahrnehmbare "Totenkopfstempel" nichts. Ein Buch, das ich (im Moment) fast täglich in die Hand nehme und dem ich gerne einen Ehrenplatz auf einem meiner DVD-Regale, die mit allerlei Figuren atmosphärisch aufgewertet sind, zukommen lassen würde, sieht aus wie.... Also ins Regal passt es definitiv nicht. Ich stelle es neben die blauen, grünen und gelben Duden, selbst wenn ich Angst haben muss, dass es dort auch Streit entfachen könnte wegen der ß-Problematik.Normal gäbe ich 3,5 Sterne: Abzug wegen Rechtschreibung (nicht aus Prinzip, sondern wegen individuell gestörtem Lesefluß ;-) wegen liebloser Buchcover-Gestaltung und des Fehlens einiger wichtiger Filme (laut Register, vielleicht tauchen sie ja noch auf oder wurden vergessen? Runde aber gerne auf vier Sterne auf! Schon eigenartig, dass die Rezension des Bruders die gleiche veraltete ß-Schreibung benutzt. Seid ihr ein Verein? :-))EDIT: Nun hab ich das Buch fast ganz gelesen, und man kann sich an die veraltete Rechtschreibung gewöhnen. Abgesehen davon, habe ich lange kein Filmbuch mehr gesehen, das so fehlerarm und gut lektoriert war. Außerdem macht es einen Riesenspaß, und einige Formulierungen und Bilder des Autors sind wirklich lustig. Also, warum nicht? Ich gebe nun doch (gerne) 5 Sterne.