Gute Geschichten sind Geschichten, die ohne einen riesigen Überbau auskommen und mit Hilfe konfliktträchtiger Themen, wie Angst, Verrat, Hass, Liebe und Schuld, einen Spannungsbogen aufbauen. Und das ist bei Max Claros Rausholer der Fall. Ein prall mit Action gefüllter Geheimdienstthriller, der uns in die 70er Jahre führt. Neben der erklärenden Beschreibung der damaligen kulturellen Verhältnisse in Ländern wie Vietnam, Türkei, Iran, Afghanistan und USA bleibt Zeit für die Schilderung spektakulärer, aber in Vergessenheit geratener Ereignisse der Zeitgeschichte, verpackt in spannende Geheimdienstaktionen.Wer kennt noch das legendäre, geheime Ausbildungslager des US-Verteidungsministeriums „The Farm“ in Virginia oder das berüchtigte, illegale MK-Ultra Projekt der CIA?(Ken Kesey verarbeitete seine Erfahrungen als Testperson im MK-Ultra Projekt in dem 1962 erschienenen Buch „Einer flog über das Kuckucksnest“)Wir erfahren von den Pentagon Papers, der investigativen Recherche der US-Kriegsvorbereitungen in Vietnam, aufgedeckt durch die New York Times und die Washington Post und bekommen nebenbei als Buchtipp eine Literaturnobelpreisträgerin von 1938 präsentiert.Der Protagonist des Buches, der rastlose Michael Miller erlebt als Medical Specialist den Irrsinn des Vietnamkriegs und sieht die grausamen Folgen auf dem Hospitalschiff Helgoland, dem damaligen deutschen Beitrag zum Vietnamkrieg, das Schiff der letzten Hoffnung.(Tipp: „Nur leichte Kämpfe im Raum Da Nang“ 1970 Dokumetarfilm auf youtube von Hans-Dieter Grabe/Carl-Franz Hutterer – Grimme Preis 1970)Die teils absurden Situationen des Medical Specialist Miller in Kriegshandlungen mit dem Vietcong, der dann bei seiner Desertation vor dem US-Militär mehrere waghalsige Identitätswechsel vollzog bis hin zum bestens ausgebildeten CIA-Agenten, erinnern an die berühmte Kriegssatire Catch 22 von Joseph Heller. So wie Hellers Yossarian ist Max Claros Michael Miller ein Mensch, der nicht passiv im Inneren seines Alltags verharrt, sondern sich dem Risiko stellt. Das wirkt immer halsbrecherisch, ist aber enorm spannend. Und so folgt ein Abenteuer auf das nächste. Kriegsdienstverweigerung in Deutschland und Fluchthelfer in Zügen und in Hubschraubern, auf waghalsiger Mission in amerikanischen Diensten, in Osteuropa und im Iran. Und alles läuft auf das große Finale zu, einer unglaublichen Rettungsaktion im Auftrag des Bundesnachrichtendienst und des Außenministeriums im revolutionären Iran des Jahres 1979. Mehr sei hier nicht verraten.Dieser nachdenkliche, sympathische und furchtlose Münchner Held und Lebemann - der sein Geheimdiensthandwerk professionell beherrschte – kann keine Fiktion sein. Die in großen Teilen autobiographische Story ist bis ins Detail hervorragend recherchiert und dargestellt. Die Zusammenhänge werden schlüssig erklärt. Man spürt, dass dies alles einen wahren Kern hat, wie bei Michaels Millers tatsächlich existierendem Freund Barry Meeker, dem ein bayrisches Lokalblatt vor kurzem sogar einen Erinnerungsartikel gewidmet hat.Diese Actiongeschichte ist nicht nur ein spannend und rasant geschriebener Text, sondern macht Lust sich in die Stränge der Zeitgeschichte zu vertiefen (Vietnamkrieg, Iranische Revolution), bisher nicht gekannte Literatur (Pearl S. Buck, Hermann Hesse, Ken Kesey) und Musik zu entdecken (Amon Düül II – Phallus Dei, Deep Purple – Machine Head), besondere Orte zu besuchen (Via Balbi in Genua) und einfach einzutauchen in das München der 70er Jahre.Michael Miller zitiert Lao-Tse: „Wenn dir das, was du tust, wirklich Spaß macht, brauchst du keinen einzigen Tag im Leben arbeiten.“ Anscheinend hat Max Claros Michael Miller noch keinen einzigen Tag in seinem Leben gearbeitet.Es hat Spass gemacht Michael Miller auf seiner Zeitreise zu begleiten.