Ich habe mir die CDs gekauft, weil es mir um die digitale Aufnahme der Rede von David Hilbert (Wir müssen wissen, wir werden wissen!) ging, die übrigen Zeitdokumente (Reden von Planck, Einstein, Bohr, Heisenberg, Pauli, Meitner, Hahn, Schrödinger, Dellbrück, Crick und Watson) waren für mich in erster Line, ein willkommenes gern anzuhörendes Bonusmaterial, ebenso betrachtete ich vor dem Kauf die Erläuterungen von Ernst Peter Fischer!Nachdem ich angefangen habe die CDs zu hören, habe ich mich regelmäßig geärgert, wenn ich unterbrechen musste, daErnst Peter Fischer es versteht in einem angenehmen Plauderton, die Entwicklung der Naturwissenschaft, mit ihren Auswirkung auf die gesellschaftliche Entwicklung von der Zeit David Hilberts (1900) bis heute zu erzählen, und die Zusammenhänge zu erläutern. Angenehm war, dass er den Spannungsbogen aufrecht erhielt.Ich kann hier Herrn Fischer nur recht geben, es wird leider viel zu wenig, darüber berichtet:- Warum die wissenschaftliche Entwicklung so war.- Was die Triebfedern der Wissenschaft waren und sind.Rückblickend betrachtet, wären mir die Vorlesungen in der theoretischen Physik (Quantenmechanik) vielleicht leichter gefallen, wenn mir die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Naturwissenschaft klarer gewesen wären.Ich kann diese CDs nur jedem nahelegen,- der einen Überblick über die naturwissenschaftliche Entwicklung haben möchte,- der ausser den Formelwerken einen Zusammenhang zur Gesellschaft sucht, und nicht die Zeit hat, sich selber durch Biografien, Schriftwechsel und der gleichen zu arbeiten.Die CDs zeigen auch, was es heißen kann Wissenschaftler zu sein. Sie können sicherlich bei der Überlegung helfen, ob man Physik oder Mathematik studieren soll, sie werden bejahend unterstützen.
Wie man von Peter Fischer erfährt, beginnt Naturwissenschaft erst im 20. Jahrhundert wissenschaftlich zu werden. Parallel dazu sind Stimmen aus eben der Zeit zu hören, wo die Technik dazu vorhanden war und die Erfahrung sich auch noch an die Anfänge erinnern kann. So hört man Stimmen der Wissenschaftler wie sie die Ideen ihrer Zeit vor dem Hintergrund der Geschichte der Öffentlichkeit vorstellen. Deren Beiträge sind kurz, vermitteln aber das Wesentliche, neue an der Erkenntnis. Interessant sind nicht eigentlich die Erwähnung findenden Inhalte, die nun seit Jahrzenten bekannt und ausgearbeitet, sondern die Art und Weise, wie Denkansätze präsentiert wurden. Man wird zum Zeitzeugen und spürt den historischen Flair einer Idee von Weltrang. Der Zuhörer wird zum Zeitgenossen berühmt gewordener Wissenschaftler und erlebt das Spezifische der geschichtlichen Erkenntnis, die genaueren Funktionszusammenhänge der Natur, nach Einführung durch den Sprecher in die jeweilige Ära. Dadurch erübrigt sich vieles nachsinnen über das gelesene Wort. Der gesprochene Vortrag nimmt dem Leser die Interpretation der in Büchern geschriebenen Sätze ab. Und das führt zu neuen Fragestellungen. Je länger und öfter man sich die Geschichten anhört, um so offensichtlicher wird die Unzulänglichkeit der Rede über die Eigenschaften der Materie. Es werden Ansichten gegenübergestellt die sich widersprechen, aber in verbaler Form, keine der anderen überlegen ist. Vermutlich ein Mangel der Sprache an Darstellungsvermögen überhaupt. Die weiteren Fortschritte werden dann nur im Experiment gemacht. Sprache vermittelt die wissenschaftliche Praxis bis zu dem Punkt wo Sprache im Subjekt den Eindruck des Absoluten erreicht, der im Experiment bestätigt werden muß, um existenzielle Gültigkeit zu erlangen. Von solchen Begebenheiten erzählt Peter Fischer und berichtet interessanterweise auch von persönlichen Auseinandersetzungen bekannter Wissenschaftler unter und miteinander, wo man sehr gut nachvollziehen kann wie die jeweilige Idee konkret in die Welt kam, mit den bereits erwähnten Erkenntnisschranken die ein rein auditives Verständnis der Naturwissenschaft immer begrenzt. Bisweilen ist es auch ärgerlich dass der Referent immer wieder durch die Denkmaschen der Sprache schlüpft, wenn es dem Gegenstand nicht angemessen möglich ist den Kern einer Sache durch Betrachtung seiner sprachlichen Beschaffenheit bis zur Deckungsgleichheit mit dem eigenen Denken in Einklang zu bringen. Wie sagte der englischsprachige Alan Turing, Gewissheit ist unwissenschaftlich. Chemie ist, wenn es stinkt und kracht.Wer zu einem fundamentaleren Verständnis der Naturwissenschaft vordringen will kommt um eigene Experimente mit der Materie nicht umhin. Für die Selbstaneignung der Theorien im Kontext ihrer Zeit sind diese Hörbücher ideal.