Die Autorinnen schaffen es auf sympathische, kompetente und fachlich fundiert Weise eine Einführung in diese spannende erstaunlich wirksame Methode zu geben. Unbedingt empfehlenswert für Einsteiger und Fortgeschrittene, sowie Interessierte, die den Blick mal über den Horizont schweifen lassen wollen.
Ich hatte mir bei der Bestellung des Buches eine Einführung in die Praxis der Neurointegrativen Medizin (NM) erwartet: wie funktioniert sie, wie wird sie durchgeführt?Hier einige Auszüge.„Gesundheitliche Beschwerden … entstehen meist aufgrund einer fehlerhaften Verarbeitung von Reizen aus der Umwelt.“ (S.11)„Leben ist dynamisch und nichts ist so sicher wie Veränderung.“ (S.12)„Das Nervensystem verbindet alle Körpersysteme … die über Regelkreise miteinander koordiniert und reguliert werden.“„Unser Organismus ist ein hochkomplexes Körper-Geist-Netzwerk, welches in Symbiose mit Viren, Bakterien und Parasiten lebt.“ (S.14).„Der Körper ist mehr als die Bestandteile, aus denen er zusammengesetzt ist.“ (S.15)„Unser Körper verfügt über eine ihm eigene Intelligenz.“ (S.17)„Zellen kommunizieren mittels mechanischer, chemischer, thermischer, elektrischer und elektromagnetischer Energie, über Vibrationen und Schwingungen.“ (S.18).Ich bezeichne derlei als hochgestochenes Geschwafel.So geht es weiter und weiter und weiter mit nichtssagenden Nullinformationen, Seite für Seite.Die Autorinnen möchten offenbar ihrem staunenden Publikum die Wunder der Biologie vor Augen führen, anstatt sie über NM zu unterrichten. Wieder und wieder finden sie heraus, dass verschiedene Körpersysteme zusammenspielen. Nun, das weiß jeder.Tatsächlich ist ihr eigenes Verständnis der Biologie mit unterirdisch noch gelobt. Eineiige Zwillinge haben nicht dasselbe Genom? Die jahrzehntelange Suche nach Krebsgenen ist bis auf wenige Ausnahmen ergebnislos geblieben (S.60)? Seit über zwanzig Jahren ist eine dreistellige Zahl von Proto-Onkogenen und Tumosuppressorgenen bekannt.Unterwegs lassen sie sich aus über traditionelle chinesische Medizin („Der Energiefluss in den Meridianen stellt die Verbindung zwischen den fünf Elementen dar, die auch als Wandlungsphasen verstanden werden, da sich die Elemente jeweils in ein anderes Element verwandeln“, Yin und Yang („...sind voneinander abhängig und füreinander verantwortlich und steuern sich gegenseitig wie Tag und Nacht...“), die 12 Hauptmeridiane usw. Eine praktische Verbindung zur NM wird nicht hergestellt: Diese Abschnitte sind nichtssagende Seitenfüller.Worüber man allerdings überhaupt nichts erfährt, ist die Praxis der NM.Lediglich auf Seite 48 gibt es einen Hauch von Praxis, wo ich dachte, nun könnte es endlich spannend werden: der Muskelfunktionstest. Man liest: „Sie liegen entspannt auf der Untersuchungsliege. Gewöhnlich wird der Muskelfunktionstest am ausgestreckten Arm durchgeführt, der senkrecht nach oben gestreckt wird. … Der Therapeut steht an der Seite der Liege und nimmt mit seiner … Hand Kontakt kurz unterhalb Ihres Handgelenks auf. Dann drückt die Hand Ihren Arm mit einem leichten … ansteigenden Druck nach unten. Dabei werden Sie aufgefordert, den Arm gegen den Widerstand stabil in der Position zu halten. … Je nach Beschwerdebild werden nun mit der Hand des Therapeuten … Berührungsreize an gezielten Stellen des Körpers … gesetzt. Wenn Sie der Stimulus stresst, wird ihr Arm schwach.“Das ist interessant. Darüber hätte ich gern mehr, viel mehr erfahren. An welchen Körperstellen werden die Berührungsreize gesetzt? Was bedeutet es, wenn dann der Arm schwach wird? Wie ist die nachfolgende Therapie, wenn Schwachpunkte gefunden wurden? Wo liegt der Unterschied zwischen NM und Kinesiologie, wo ein ähnlicher Muskeltest lange bekannt ist?Es kommt nichts dergleichen.Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich nicht glauben, wie promovierte Autoren, eine davon mit Professorentitel, so einen Haufen Flachheiten abgeben können. Einem Schüler würde ich für eine so lausige Abiturarbeit eine Fünf geben, Thema verfehlt, danke, setzen.Blaue Tonne.