Raben vor Noah (Edition Europastraße: E40)
Historische Romane EAN 9783948259105

Raben vor Noah (Edition Europastraße: E40)

Hersteller: Friedrich Mauke Kg  ·  MPN: 5212275
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Friedrich Mauke KG
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9783948259105
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Historische Romane
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Produktbeschreibung

In dem Dorf, versteckt in den armenischen Bergen, gab es keine Kirchtürme, keine Gräber und auch keine Mauern oder Zäune, die einem Menschenleben Grenzen setzten. Die Bewohner huschten hier wie Eidechsen von einem Steinhaufen zum nächsten, besser verborgen als unterirdische Quellen. Niemand wusste von der Existenz dieses Ortes. Sogar die Zeit fürchtete sich davor, ihn zu betreten. Zuwachs brachten dem Dorf nicht die Geburten, sondern die Fahrten Haruths in die Welt. Stets fand er einen Mensch, der vor der Ausweglosigkeit stand: vor dem Gesetz, den Türken, der Ehefrau oder sich selbst. Auch Nac

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Dr. Tessa Hofmann 25.11.2024 amazon.de
"Raben vor Noah" ist der erste Beitrag eines Autors aus der Republik Armenien zum osmanischen Genozid. In der Prosa armenischstämmiger Autoren der US-amerikanischen und französischen Diaspora ist dieses Thema in Gestalt von Familien- und Reiseromanen seit den 1980er Jahren sehr oft behandelt worden; selbst in der türkischsprachigen Prosa hat es sich seit Fethiye Çetins Memoir Anneannem (2004) etabliert. In Deutschland trugen Katerina Poladjan (2019), Laura Cwiertnia (2022) und zuletzt Marc Sinan zu dieser Gattung bei.Was macht S. Harutyunyan anders als ihre Kollegen in der Diaspora? Ihre nicht nur literaturhistorisch bedeutsamste Neuerung besteht darin, dass sie den Genozid an West-Armeniern als doppelte Viktimisierung darstellt und somit die Schuld sowjetarmenischer Juristen und Polizeibeamter einbezieht. Die in der Stalinzeit begangenen Verbrechen betrafen vor allem Geistliche und ihre Familien sowie Intellektuelle, die als Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich in den Südkaukasus geflohen waren. Sie wurden festgenommen, willkürlich verurteilt oder extralegal ermordet bzw. verbannt. Etwa 2.000 armenische Geistliche wurden deportiert und ermordet. In der Nacht auf den 14. Juni 1949 deportierten die südkaukasischen Ortsbehörden 13.200 vermeintliche „Daschnaken“ (i.d.R. „Repatrianten“) und „ehemals türkische Bürger“ (Westarmenier) in den Altaj („Daschnaken“) sowie die westsibirische Stadt Tomsk (Westarmenier).Als ausgezeichnete Kennerin ihres Landes, seiner Geschichte, Mythen und Gebräuche muss Harutyunyan nicht ihre Protagonisten auf Erkundungsreise in ein ihnen unvertrautes Land schicken, wie Poladjan oder Cwiertnia. "Raben vor Noah" schildert die Entstehung und das Schicksal eines Gebirgsdorfes in Harutyunyans Heimatregion am Sewansee, diesem „letzten Schluck von Gottes Zorn“. Es ist eine auf ihre Grundelemente beschränkte, raue und erhabene Hochgebirgslandschaft. Dort lässt sich 1894 der aus dem Osmanischen Reich geflüchtete Pertsch mit seinem kleinen Neffen Haruth in den Ruinen eines seit Jahrhunderten entvölkerten und in Vergessenheit geratenen Dorfes nieder. Herangewachsen, bringt Haruth auf geheimen, nur ihm bekannten Wegen weitere Verfolgte und Flüchtlinge in sein Dorf, als dessen Oberhaupt Haruth sowohl Recht spricht, als auch Urteile vollstreckt. „Zuwachs brachten dem Dorf nicht die Geburten, sondern Haruths Fahrten in die Welt. Stets fand er jemanden vor, der vor der Ausweglosigkeit stand, vor dem Gesetz, vor den Türken, vor der Ehefrau oder vor sich selbst auf der Flucht war.“ (58)Unter den 1915 aufgenommenen Flüchtlingen befindet sich Nachschun („die Schöne“): „Sie hatten die unberührte Sängerin des armenischen Klosters von Musch auf der ganzen Strecke von Wan nach Eriwan vergewaltigt, und als die Ankömmlinge das Dorf erreicht hatten, war der Bauch beachtlich groß.“ (S. 49)Kein Autor vor Harutjunjan hat die Auswirkungen der armenischen Auffassung von Schande und Ehre so treffend und ausführlich behandelt. Haruth, der bald Nachschuns Gönner und Beschützer wird, fordert von ihrem Vater Sarkis, entweder seine Tochter oder sich selbst zu töten, um die Schande zu tilgen. Die Dorfbewohner bitten für Sarkis um Gnade, aber Haruth vertreibt den alten Mann gnadenlos in die Wildnis. Die westarmenischen Flüchtlinge dagegen verstehen Haruths Haltung. Da sich die Dorfheilerin Satho weigert, die Zwillinge, die Nachschun erwartet, abzutreiben, wachsen Nachschuns Töchter Anahit und Astrik in einem Milieu des Misstrauens auf. Sie gelten als Türken und entwickeln sich den allgegenwärtigen Vorurteilen entsprechend zu zänkischen „Flittchen“.Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges holt die sowjetische Wirklichkeit das bis dahin abgeschiedene Dorf ein: Eine Gruppe deutscher Kriegsgefangener soll in dessen Nähe arbeiten. Ihre armenischen Bewacher stoßen zunächst auf Nachschuns „Grab“, das sie ihrer ermordeten Familie symbolisch errichtet hat. Nachschun wird nach Sibirien deportiert, weil sie sich „weigert“ offenzulegen, in welchem Verhältnis sie zum Vater ihrer Kinder steht. Haruth gerät zeittypisch in den Verdacht, ein türkischer Spion zu sein. Ob ihm die rechtzeitige Flucht gelingt, bleibt offen. Nachschuns Tochter Astrik lässt sich mit dem Gänseforscher Konrad (Lorenz?!) ein, dem einzigen Deutschen, der die Einstürze der Brücke überlebt, die er und seine Kameraden errichten sollten. Am Ende verlassen der Deutsche und die „Türkin“ gemeinsam das Dorf, dem sie stets fremd geblieben waren.Fazit: Eine ohne Sentimentalität oder Beschönigung am Beispiel von Einzelschicksalen erzählte Bestandsaufnahme der armenischen Gegenwartsgeschichte. Sehr lesenswert!
Arcadius 25.11.2024 amazon.de
Ein Dorf versteckt in den Bergen Armeniens, voll mit Flüchtlingen gebeugt von schrecklichen Erinnerungen, zusammengehalten von einem archaischen Recht vertreten vom Dorfvorsteher Haruth.Jedoch die Vertriebenen sind nicht nur Opfer, sie sind Menschen mit Leidenschaften und Fehlern, nur die harte Hand von Haruth verhütet das Schlimmste.Da ist Satho, die Heilerin bringt Kinder auf die Welt und treibt sie ab, bezahlt wird in Eiern und Alkohol.Die schöne Nachschun bringt die Kinder der türkischen Mörder ihrer Familie zur Welt, schon verflucht bevor sie das Licht erblicken.Doch das beschauliche Leben findet mit dem Eindringen der Kommunisten ein Ende, es gibt Verhöre, Klassenfeinde und Verbannung. Die Wüste der Russen ist Sibirien.Eine Novelle, ein Epos, eine Parabel, vieles trifft auf dieses Buch zu, sehr fesselnd allemal.
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