Im vorliegenden Buch hat die Autorin die Handlung von Klagenfurt in das ihr offensichtlich ebenso vertraute Grado verlegt. Wie beiden vorigen Büchern vermeidet Nagels die sattem bekannten Klischees der "Regionalkrimis" sondern entführt uns in ein Grade abseits der Touristenströme. Wieder treffen wir auf ein fein gesponnenes Netzwerk sehr unterschiedlicher Personen und lernen deren Sorgen,Träume und Sehnsüchte kennen. Wir erfahren viel über das alltägliche Leben in der Kleinstadt am Meer. Gerade das macht die Lektüre, des sprachlich feinen und formal grandiosen Buchs für uns "TouristInnen" so reizvoll.Die Story kommt ganz gemächlich daher - im ersten Drittel gibt es noch nicht einmal eine Leiche. Dann aber baut sich Suspense vom Feinsten in bester Hitchcock Manier auf und spätestens jetzt kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.Das ist sehr,sehr gut gemacht. Die Autorin hat sich offensichtlich von allen Einschränkungen des Genres befreit und spielt souverän ihre Stärken aus. Fazit: Wer einen blutrünstigen Thriller mit monströsen Figuren sucht wird hier nicht bedient. Wer aber die Bücher von Partricia Highsmith oder Barbara Vine liebt liegt hier genau richtig - Leseempfehlung! !!"
Der Krimi startet mit einem Prolog, in dem ein drogenabhängiges Pärchen ein kleines Postamt überfällt. Dann reist man aber erst einmal ins verregnete Grado und lernt dort die Hauptdarsteller kennen. Angelina Maria, eine zeitweise geistig, verwirrte ältere Frau, die von Dämonen verfolgt wird und jeden Abend ihrer Nixe beim Schwimmen zusieht. Auch Francesca, die sich gerade von ihrem Mann getrennt hat und an einer mysteriösen Krankheit leiden muss, sieht abends scheinbar Meerjungfrauen. Als Angelina Maria beobachtet haben will, dass ihre Nixe ertrunken sein soll, kommt Kommissarin Maddalena auf den Plan. Auch sie hat ihr Päckchen mit dem Tod ihres Vaters und einer zerbrochenen Beziehung zu tragen. Da die neue Kommissarin ihren Kollegen noch beweisen muss, dass sie ihren Mann stehen kann, findet wohl auch Angelina Maria Gehör und Maddalena schickt ihre Männer auf die Suche nach der ertrunkenen Frau. Als dann noch eine Frau spurlos verschwindet hat sie alle Hände voll zu tun.Der Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Toll finde ich auch, wie anschaulich alles beschreiben wird. Trotzdem hatte ich anfangs Probleme mich in die Geschichte einzufinden. Man darf einen nach dem anderen kennenlernen und scheinbar haben alle psychische Probleme. Besonders mit diesen seltsamen Nixen und Geistwesen konnte ich anfangs nicht viel anfangen. Auch war es mir fast ein wenig viel an enttäuschter Liebe und ein zu wenig an eigentlichem Kriminalfall. Aber Grado im Regen entwickelt sich und zwar so richtig. Auch wenn der Täter recht schnell ausgemacht zu sein scheint, fiebert man als Leser immer mehr mit. Wird die verschwundene Frau überleben? Was hat es mit den verschiedenen Charakteren, die ja alle irgendwie zusammenhängen auf sich? Stückchenweise werden deren Lebensgeschichten erzählt, die sich erst ganz zum Schluss zu einem perfekt ausgeklügelten Gesamtbild fügen und allem einen Sinn geben.Die Charaktere werden ausführlich und gelungen beschrieben. Ich denke das Hauptgewicht des Krimis liegt auch eindeutig mehr auf den Charakterdarstellungen, als auf dem eigentlichen Kriminalfall. Man erfährt viel über Angelina Maria und ihr Leben. Wenn man am Ende alles weiß, ist wohl auch verständlich, warum sie von Dämonen verfolgt wird. Anfangs konnte ich mit ihren Phantasien allerdings nicht so viel anfangen. Auch Franziskas Verhalten konnte ich nicht immer nachvollziehen. Sie merkt deutlich, dass sie krank ist und trinkt dafür aber eindeutig zu viel. Aber die ständigen Seitensprünge ihres Ehemanns Tomaso und die Angst vor einer gefährlichen Krankheit haben sie wohl zermürbt. Was die Frauen an diesem unverschämten Tomaso finden, konnte ich überhaupt nicht verstehen, aber auch die Kommissarin Maddalena hat ihre Ehe für diesen Typen in den Sand gesetzt. Von Anfang an richtig sympathisch fand ich aber Stefano, den Betreiber einer kleinen Bar, der heimlich in Franziska verliebt ist und ihr auch ein richtiger guter Freund ist. Richtig ins Herz geschlossen habe ich Laura, das elfjährige Mädchen, das morgens vor der Schule schon immer die Brötchen austrägt, weil sie aus armen Verhältnissen stammt und ihre Eltern unterstützen will. Auch die Nebendarsteller sind gut gezeichnet, ganz besonders die unverschämte Schwiegermutter von Franziska.Das Cover und der Titel machen schon deutlich, dass Grado im Moment von Regen beherrscht wird. Teilweise schon etwas deprimierend wirken die sehr anschaulich beschriebenen starken Regenfälle und Unwetter. Ein Wetter, das zur Verfassung der Darsteller nur zu perfekt passt. Aber auch der Ort an sich mit Stand, Bars und Restaurants wird toll beschrieben und sobald der Fall aufgelöst ist, geht in dem tollen Urlaubsort ja auch die Sonne wieder aus.Alles in allem ein Krimi, der mich im Nachhinein gesehen wirklich sehr gut unterhalten hat, da ich aber mit dem Anfang so meine Problemchen hatte, reicht es bei mir nicht mehr für 5 Sterne.
Recht guter Plot, flüssig geschrieben und auch durchaus spannend, allerdings auch manche eher langatmige Passage. Insgesamt durchaus lesenswert aber auch wieder nicht der Superkrimi, den man unbedingt gelesen haben muss.