Die jüdischen Evangelien: Die Geschichte des jüdischen Christus (Judentum – Christentum – Islam)
Judentum EAN 9783956500985

Die jüdischen Evangelien: Die Geschichte des jüdischen Christus (Judentum – Christentum – Islam)

Hersteller: Ergon Verlag  ·  MPN: 1244750
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Judentum
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Produktbeschreibung

Mit seinem bahnbrechenden Buch "Die jüdischen Evangelien. Die Geschichte des jüdischen Christus" unternimmt der renommierte Talmudgelehrte und Religionssoziologe Daniel Boyarin (University of California/Berkeley) eine Zeitreise zu den gemeinsamen Wurzeln heutiger religiöser Identitäten des rabbinischen Judentums und des Christentums - wegweisend für den interreligiösen Dialog, die Forschung und interessierte Leser. Ausgehend vom Schlüsseltext Daniel 7 mit seiner doppelten Gottheit entfaltet Boyarin mittels einer textnahen Auslegung (close reading) die Vorstellung des menschlichen und göttliche

Bewertungen & Erfahrungen

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Fleischer, Christoph 04.10.2023 amazon.de
Diese Übersetzung des Buches „The Jewish Gospel, The Story of the Jewish Christ“ (New York, 2012) passt sehr gut in die Reihe „Judentum – Christentum – Islam“, in der sie als Band 12 erschienen ist, eines gemeinsamen Projekts der Evangelischen Akademie zu Berlin und der Gemeinde der Berliner Hugenotten (vg. S. 153). Von Daniel Boyarin aus Berkeley, USA, liegt bereits das Buch „Abgrenzungen, Die Aufspaltung des Judäo-Christentums“ in deutscher Übersetzung vor. Daniel Boyarin ist einer der wichtigsten rabbinischen Gelehrten der Gegenwart, so Jack Miles im Vorwort. Boyarins Ziel des Buches, das er als „Jesusbuch“ angelegt hat, ist die gegenseitige Akzeptanz zwischen Judentum und Christentum.Zu dieser Akzeptanz gehören seitens der Christinnen und Christen die explizite Wahrnehmung jüdischer Anteile der Botschaft Jesu wie eine Klarstellung zu angeblichen Gesetzesbotschaft Jesu, wie für die jüdische Religion die Vorstellung, dass die Aussagen Jesu über sich selbst als Menschensohn oder als Sohn Gottes dem Judentum der Antike keinesfalls fremd waren. Zur gründlichen Recherche stehen nicht nur die Texte des Alten Testaments zur Verfügung, sondern auch die Schriften des Judentums aus hellenistisch-römischer Zeit wie die Bücher Henoch und den 4. Esra, genauso wie einige erst kürzlich entdeckte Textfragmente aus Qumran.Durch seine gründliche Kenntnis des Judentums in Palästina zur Zeit Jesu gelangt er zu einer besonderen Würdigung der Gegnerschaft Jesu gegenüber dem Pharisäertum. Demnach steht Jesus eher in der Tradition der Thoraobservanz als das Pharisäertum, das neue und aus seiner Sicht übertriebene Gedanken in das Judentum einführte. Für mich war es neu, dass die Kategorien Rein-Unrein mit den biblischen Speisegeboten nichts zu tun haben, sondern eher für andere Situationen galten wie z. B. Berührung der Leichen, Umgang mit Körperflüssigkeiten u. ä.. Jesus lehnt in der Überlieferung des Markusevangeliums die Übertragung der Kategorien Rein-Unrein auf den Umgang mit den Speiseregeln ab. Die Regeln für koschere Speisen sollen seiner Meinung nach von dieser Bestimmung unbeeinflusst bleiben. Die Konsequenz dieser Beobachtung ist schon, dass der traditionelle Vorwurf der Gesetzlichkeit zumindest von Jesus her unangemessen ist, da er die Beachtung des Gesetzes nicht ablehnte, sondern nur deren Erweiterung.Noch drastischer ist die Deutung Boyarins, die auf der These von den in der Bibel vorkommenden zwei Göttern zurückgeht. Auch hierin ist wieder eine entscheidende Weichenstellung völlig anders als in der christlichen Theologie, und dabei so banal, dass darauf eigentlich jeder Christ und jede Christin kommen müsste. Es handelt sich insgesamt um eine Auslegungsgeschichte von Daniel 7. Dort, wo vom „Menschensohn“ die Rede ist, ist keinesfalls vom Menschen des Messias die Rede, sondern von einer Gestalt des biblischen Gottes in junger, menschlicher Gestalt. Hieraus wird dann auch deutlich, wieso der Vorwurf der Gotteslästerung des Kajaphas tatsächlich trifft, wenn Jesus sich mit einem Zitat aus Daniel 7 vor dem Hohen Rat als Menschensohn bezeichnet (siehe Markus 14,61).Wer sich hingegen als Sohn Gottes bezeichnet, spricht von sich selbst als einem Menschen in der Tradition der davidischen Könige als vom Gesalbten nach der Tradition von 1. Samuel 10,1 und Psalm 2,2. Dieser Ausdruck hat allenfalls eine politische Bedeutung, ist aber keinesfalls eine Gotteslästerung. Boyarin zeigt hingegen an verschiedenen Stellen aus den og. Schriften, dass es durchaus etliche Quellenzitate des jüdischen Schrifttums gibt, die diese Gestalt eines Messias vorher gesagt haben, in welcher der göttliche Menschensohn und der menschliche Davidssohn zusammenfließen. Boyarin stellt fest, dass er in dieser Hinsicht Berührungspunkte mit der sogenannten Bewegung der messianischen Juden sieht, sich aber doch nicht mit diesen vollends identifizieren kann. Er betont nicht nur das Messianische an den Schriften des Neuen Testaments, was Christinnen und Christen weniger überraschen würde, sondern stellt sogar fest, dass aus seiner Sicht, selbst die Evangelien den fruchtbaren Boden der jüdisch-biblischen Botschaft nicht verlassen. Die Texte darin, die später antijudaistisch gedeutet werden, sind Zeugnisse innerjüdischer Konflikte.Sogar die Passionsgeschichte Jesu gehört in die messianische Tradition des Judentums hinein. Die Bezugnahme auf die Gottesknechtsgestalt und dessen stellvertretendes Leiden in Jesaja 53 können ganz klar auf den jüdischen Messias bezogen werden.Es ist gut zu hören, dass das Kapitel 2 „Der Menschensohn in 1. Henoch und 4. Esra: Andere jüdische Messiasse im 1. Jahrhundert“ als Vorabdruck in der Berliner Theologischen Zeitschrift erschienen ist (BThZ 31 [2014], S. 41-63).
matze-bw 04.10.2023 amazon.de
Lehrreich, inspirierend, lesbar und lesenswert! Ein wichtiges Buch.Allerdings ersetzt es nicht die Notwendigkeit der Neuauflage von Daniel Boyarins "Abgrenzungen"!
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