„Kein Bett in der Nacht“ fiel mir bei Recherchen zum Thema Obdachlosigkeit im Bereich Bilderbuch ins Auge. Ich bin mit meiner 5 Jährigen Tochter in den vergangenen Monaten öfters in Köln unterwegs gewesen, und nicht selten sahen wir in den Morgenstunden, kurz vor Ladenöffnung, Obdachlose Ihre Habseligkeiten zusammen packen. Ich glaube meine Erklärungen waren gar nicht mal schlecht. Trotzdem wollte ich gerne eine passende , altersgerechte Lektüre zu dem Thema im Bücherschrank wissen .Schon die ersten Sätze des Buches konnten mich überzeugen. Denn klar und ohne viel Schnörkel wird hier auf den Begriff Obdachlosigkeit eingegangen.„ Obdachlose sind Menschen, die aus finanziellen und / oder sozialen Gründen keinen festen Wohnsitz haben und deshalb auf der Straße oder in einem improvisierten Unterschlupf lesen. Ich bin überhaupt kein Fan davon Kindern das Leben schön zu reden. Aber kindgerecht sollten die Umstände und Widrigkeiten des Lebens schon erklärt werden, vor allem wenn Kinder (wie meine Tochter) ganz gezielt danach fragen. Daher fand ich den Einstieg in das Buch sehr gelungen.Erzählt wird dieses Buches von einem Erwachsenen, der sich selber aber daran erinnert was er über die Obdachlosen in Kindheitstagen dachte. So wird ganz unbewusst ein Bogen geschlagen zu den Lesern die nun selber dieses Buch in Händen halten.Und was ich besonders gelungen fand : Das Kind wird aktiv und beschließt jedes Jahr zu Weihnachten Sachen für die Obdachlosen zu sammeln und zu spenden. Dabei lernt es den ein oder anderen Obdachlosen und dessen Geschichte kennen .Die jungen Leser erfahren so, dass es vielerlei Gründe für die Obdachlosigkeit gibt, welche Bedürfnisse und Wünsche sie haben und das man sich nicht scheuen sollte mit diesen Menschen zu reden. Denn ein guter Zuhörer, der sich nicht scheut Fragen zu stellen ist diesen Menschen , die oft sehr einsam sind, sehr willkommen. Die Kinder werden in dieser Geschichte ermutigt Fragen zu stellen und Ihre kindlichen Ansichten zu bewahren, bis ins Erwachsenenalter, denn die kindlichen Ideale und Vorstellungen sind oftmals gar nicht so verkehrt in der Welt der Erwachsenen.Ihr seht also, in diesem Buch geht es umso viel mehr als einfach nur um das Thema „Obdachlosigkeit“. Überraschend und unerwartet hat dieses Bilderbuch so viele Facetten.„Die Illustrationen von Catia Vidinhas haben meiner 5 Jährigen Tochter übrigens so gut gefallen, dass sie sich zu dem Satz hinreißen ließ, dass die Illustratorin aber sehr gut zeichnen könnte.Das hat sie so klar und deutlich bisher bei noch keinem Bilderbuch geäußert. Mir haben die Illustrationen, die überwiegend in Blautönen gehalten sind auch sehr gut gefallen. Die kühlen Blauvariationen habe ich als überaus passend zum Thema empfunden. Denn ohne schützende Vier Wände sind die Protagonisten dieses Buches vor allem einem ausgesetzt : den Naturgewalten wie Wind, Nässe und Kälte.
„Kein Bett in der Nacht“ - schon allein der Buchtitel löst Mitgefühl aus. Die meisten von uns schlafen nachts wie selbstverständlich in ihren Betten. Da scheint es uns unvorstellbar, keinen sicheren, warmen Platz zum Schlafen zu haben!Einfühlsam erzählt das Buch davon, dass es aber eben diese Menschen gibt, die auf der Straße leben und dass diese häufig traurig sind.Das Buch beschreibt, dass es verschiedene Gründe geben kann, warum wir Menschen traurig sein können. Etwa wenn eine uns nahestehende Person stirbt, oder wenn wir unsere Arbeit verlieren.Damit geht das Buch auf Inhalte ein, die eher zu den Tabuthemen zählen. Und doch sind diese so wichtig, um z. B. das wertzuschätzen, was wir haben und um Verständnis, Empathie oder Toleranz anderen Menschen und deren Lebenssituationen gegenüber zu entwickeln.Im Buch wird erklärt, dass wenn jemand obdachlos ist, dieser Mensch kein Zuhause hat, keinen Rückzugsort, kein Bett und draußen meistens den verschiedenen Wetterbedingungen ausgesetzt ist. So sind Obdachlose häufig an Bahnhöfen oder unter Brücken anzutreffen und oft sind sie allein und haben niemanden.Gefehlt hat mir der Aspekt, wie Menschen, die nichts haben, an Essen gelangen.Und was kann man eigentlich tun, um Menschen, die auf der Straße leben, zu helfen?Der Protagonist im Buch beschließt nach einer Übereinkunft mit seinen Eltern, ab sofort jedes Jahr an Weihnachten wohltätige Einrichtungen aufzusuchen, Lebensmittel und Kleidung zu spenden und an die Obdachlosen zu verteilen.Viele freuen sich, wenn man sich mit ihnen unterhält. Denn es sind normale Menschen wie du und ich. Und jeder hat seine eigene Geschichte…Die Texte sind einfühlsam und überwiegend für Kinder verständlich geschrieben. Zwar empfand ich den ersten Textabschnitt mit der Definition von Obdachlosen eher an Erwachsene gerichtet, doch das wird im Buch anschließend noch kindgerecht erläutert. Lediglich die spätere Erklärung, dass sich unsere Ideale mit der Zeit verändern, war mir für die Zielgruppe nicht verständlich genug geschrieben.Ansonsten kann ich mich dem Verlag mit einer Altersempfehlung für Kinder ab 4 Jahren, anschließen.Die Farben der Illustrationen sind vor allem in Blau- und Grautönen gehalten, was gekonnt die Kälte und Nässe ohne Dach über dem Kopf widerspiegelt. Gleichzeitig drücken die Farben und Bilder Stille und Einsamkeit aus.Die Illustrationen zeigen viele Häuser und Menschen. Aus den Schornsteinen steigt Rauch auf, die Menschen dort sitzen vermutlich im Warmen und Trockenen.Besonders bewegend finde ich das Bild eines Obdachlosen, der statt einem Herz in der Brust ein Haus hat. Oder auch die Illustration, die Menschen in bunter Kleidung mit Regenschirmen durch den Regen marschierend zeigt, und daneben einen Mann mit grauem Mantel und langem Bart, der sich mit einem Stück Pappe versucht vor dem Regen zu schützen. Sehr eindrücklich!Das Thema „Obdachlosigkeit“ findet man nicht häufig in Bilderbüchern. Daher finde ich es sehr gut, dass die Thematik hier aufgegriffen wird.Gerade um Kinder zum ersten Mal damit in Berührung zu bringen, oder nachdem diese vielleicht auf einen Obdachlosen aufmerksam geworden sind, eignet sich das Buch meiner Meinung nach recht gut. Da es weniger ins Detail geht, kann ich mir vorstellen, dass bei Kindern anschließend viele Fragen aufkommen werden und es zu einem regen Austausch mit dem Erwachsenen kommen wird. Diese Gelegenheit sollte man unbedingt nutzen!FAZIT: Ein eindrückliches Bilderbuch in Wort und Bild, das sich gut dazu eignet, um Kinder das erste Mal mit dem wichtigen Thema „Obdachlosigkeit“ in Berührung zu bringen und um danach noch weiter mit ihnen darüber zu reden. Das Buch kann u. a. dazu beitragen, dass man sich für andere Leute einsetzen möchte und dass man Verständnis, Empathie und Toleranz anderen Menschen und deren Lebenssituationen gegenüber entwickelt. Eine Empfehlung und 4/5 Sterne!
Obwohl ich das Thema für sehr wichtig halte hat mich dieses Buch sehr enttäuscht. Die Sprache ist nicht kindgerecht und auch die Geschichte selbst ist nicht gut aufbereitet.Die Geschichte ist nicht aus der Sicht von Obdachlosen geschrieben, sondern aus der Sicht eines Kindes. Der Ton des Buches ist belehrend. Es ist definitiv kein Buch, das man ein zweites Mal lesen würde.