Philosophie der Maschine
Westliche Philosophie EAN 9783957574763

Philosophie der Maschine

Hersteller: Matthes & Seitz Verlag  ·  MPN: 1204521
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Produktfakten auf einen Blick

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Matthes & Seitz Verlag
EAN
9783957574763
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Kategorie
Westliche Philosophie
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Produktbeschreibung

Die Maschine ist die große Unbekannte des Denkens. Wen dies sonderbar anmutet, weil man ihr als Metapher überall begegnet, werfe einen Blick auf unser Bild von Gott : Nacheinander wurde er von der Kultur zum Theaterereignis, zum Uhrmacher und schließlich zum Programmierer umgeschult. Worin liegt der philosophische Nerv der Maschine, dieser großen Unbekannten des Denkens ? Ausgehend von der Rätselfrage des >deus ex machina Denken ohne Denker

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 2 vorliegenden Einzelbewertungen.

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S 03.06.2024 amazon.de
Der Autor verknüpft in einem äußerst dichten Text, der vieles in kurzen, aphoristischen Abschnitten bündelt, mehrere geschichtliche Transformationen miteinander, wie etwa die Metaphysik, die Aufklärung, die Geldwirtschaft, die Herrschaftsverhältnisse, die Digitalisierung unter dem Gesichtspunkt, dass sie dem Geist der Maschine gehorchen, der wiederum als Betrug an der Natur sichtbar gemacht wird. Die Dialektik der den Geist der Maschine entfaltenden Aufklärung, so zeigt Burckhardt, bringt es mit sich, dass dieser Betrug an der Natur, da er sich selbst als in der Natur gründend verkennt, ein Selbstbetrug ist, der sich selbst als solcher unkennntlich macht. Das alles ist äußerst erhellend. Es ist auch äußerst voraussetzungsreich. Vielleicht erfordert sein Verständnis daher umfangreiches Studium. Das sollte aber nicht Grund sein, das Buch einfach abzuwerten, weil man diese Mühe nicht auf sich zu nehmen bereit ist.
Peter Schlegel 03.06.2024 amazon.de
Zu: Philosophie der Maschine von Martin BurckhardtLaut Autor befinden wir uns zwischen den Zeiten, nur vergleichbar dem Wechsel vom Mittelalter zur Neuzeit einschließlich der enormen gesellschaftlichen Verwerfungen, die derartige Verschiebungen mit sich bringen. Ihm ist unzweifelhaft gewiss, dass die Zukunft der Digitalisierung gehört, während die ’sozialen Plastiken‘ – so bezeichnet er die politischen, sozialen und kulturellen Institutionen - noch tief in der Vergangenheit wurzeln. Zitat: “In Ermangelung besserer Alternativen strahlen sie in die Gegenwart fort, auf eine fahle, nachgerade gespenstische Weise. So schwindet die Bindungskraft der repräsentativen Demokratie, tritt uns der Leviathan (Anm.: Staat) nur noch als Schatten seiner selbst gegenüber, werden wir Zeugen, wie sich unsere kapitalistische Grundordnung auflöst. (…) Folglich ist man ständig versucht, das radikal Neue mit älteren Vorstellungen zu versöhnen – ein Versuch, der zum Untergang verdammt ist und nur bizarre Blüten und Mischformen hervorbringen kann.“ Dazu fallen mir spontan Begriffe ein wie: bedingungsloses Grundeinkommen, Gendersprech, Quotierungen etc., aber auch die Beschwörungen vergangener Größen wie, ’Brexit` oder ’Make America great again`. Er sieht uns, die Bewohner der Gegenwart, als Angehörige zweier historischer Geisteszustände, die sich als tektonische Platten unweigerlich voneinander lösen und auseinander treiben werden: auf der einen Platte die alte Welt der Repräsentation, in der gewählte Abgeordnete den ’Volkswillen’ repräsentieren und damit Gesetze legitimieren, dagegen hat sich die jüngere Kontinentalplatte längst der Simulation verschrieben. Vereinfacht ist damit gemeint: Herrschaft und Legitimation durch Algorithmen und digitale ’LIKES‘ und ’HATES‘.Als Motor und Ausgangspunkt dieses epochalen Prozesses identifiziert der Autor das europäische Alphabet. Das Alphabet hat es dem Menschen ermöglicht, mit Hilfe von wenigen abstrakten Zeichen Gedanken dauerhaft in die Welt zu setzen und dabei nicht nur das Vorhandene zu beschreiben, sondern auch das grenzenlos Mögliche. Weil es keine Hierarchie innerhalb der Schriftzeichen gibt, kann sich daraus die Vorstellung der allgemeinen Gleichheit der Menschen entwickeln. Zitat: ’Insofern die Typen des Alphabets gleichwertig nebeneinander stehen, ist es naheliegend, dass die Gesellschaftsformation demokratische Züge annimmt.‘Dieser Perspektivenwechsel führt aber dazu, die eigene Umwelt nicht mehr als Ausdruck göttlicher Wirkungen hinzunehmen, sondern sie selbst zu erfinden und zu gestalten. Musste die durch Götter geschaffene Wirklichkeit nicht hinterfragt werden, weil Götter eben Götter waren, entsteht in diesem geänderten Bewusstsein quasi als Kehrseite der Medaille die Notwendigkeit, nach den Ursprüngen der Welt und deren Sinn zu fragen. Nicht zuletzt auch deshalb, um die selbst geschaffenen Verhältnisse zu legitimieren. Da diese Frage aber naturgemäß bis heute nicht erklärt werden kann, entsteht ein explosives Gemisch, das die Maschine der gesellschaftlichen Entwicklung mit Treibstoff versorgte und auch weiterhin antreibt.Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen vollziehen sich nie abrupt. Selbst dann, wenn es so scheint, sind es meist lang andauernde Widersprüche, die sich in revolutionären Eruptionen entladen. So gesehen wollten sich die alten Götter auch nicht so ohne weiteres verdrängen lassen. Deshalb war es erst einmal notwendig, den menschengemachten Charakter der neuen Schöpfungen zu verschleiern und danach in einem längeren Prozess gänzlich unkenntlich zu machen. Beispielsweise hat sich der Buchstabe “A” in mehreren Wandlungen aus dem Bildzeichen für “Stier” abgeleitet. Seine Herkunft aus einer bäuerlichen Gesellschaft ist längst vergessen und verdrängt. Mit den digitalisierten Informationen wird ähnliches geschehen. Aus Buchstaben werden Nullen und Einsen, die wiederum verborgen werden in den Betriebssystemen einer zunehmend universalen Maschinenapparatur. Erst indem die Ursprünge verdrängt und vergessen werden, können auf der nächsten Abstraktionsebene neue Realitäten entstehen, kann sich die nächste Stufe voll entfalten – heftige Geburtswehen jedesmal inklusive.Verdrängungsprozesse haben aber, wie seit Freud bekannt ist, auch eine dunkle Seite. Fake News, Verschwörungstheorien, Realitätsverlust und digitale Blasenbildung sind einige Stichworte dazu.Das sind m. E. vereinfacht zusammengefasst die Kernaussagen. Das Buch enthält dazu eine Fülle interessanter Details, Querverbindungen und Herleitungen, die in nummerierten Unterkapiteln, ähnlich Karteikarten, präsentiert werden. Eine Fülle, die manchmal den ’roten Faden’ verblassen lässt. Dabei erschwert der außergewöhnlich reiche Wortschatz des Autors die Lesbarkeit ebenso wie der umfangreiche Anhang den Lesefluss hemmt. Dennoch möchte ich das Buch empfehlen. Ich bin überzeugt, dass Martin Burckhardt etwas Neues entdeckt hat, das hilft Vergangenheit und Gegenwart besser zu verstehen und das auch einen fundierten Blick nach vorne ermöglicht.Hat man sich einmal auf seine Sichtweise eingelassen, findet man auch im Alltag Bestätigung. Zum Beispiel in meiner heutigen Sonntagszeitung steht ein Artikel darüber, dass in modernen Häusern Bücherwände nicht mehr zeitgemäß sind und dem neuen Lebensgefühl widersprechen. Das macht nach Martin Burckhardt durchaus Sinn: Im Zeitalter der digitalen Information ist eine fest fixierte Information eine Gefahr, bzw. ein Hindernis, weil es die permanente Neu- und Umwertung der Realität behindert. Das gilt offenbar auch für mich. Habe ich doch schon vor einigen Jahren meine 26-bändige Mayers Enzyklopädie, deren Kauf ich mir vom Mund abgespart hatte, inzwischen in Kisten verstaut im hintersten Winkel meiner Garage untergebracht. Bei aller Liebe, ich habe den täglichen Anblick dieser wuchtigen, lederumhüllten Buchrücken nicht mehr ertragen. Trennen kann und will ich mich aber auch nicht davon – zumindest vorerst.
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