Ein sehr schönes Buch, was zum geradezu zum Träumen einläd. Tolle Bilder und wirklich schöne Geschichte. Für unser verträumtes Kind, genau das richtige.
Stellt euch vor, es gäbe keine Langeweile mehr. Man bräuchte nur eine der bunten Wolken zu berühren und schon hätte man eine großartige Idee. So einfach ist es im Land der Wolken. Nur Henry bekommt davon Kopfschmerzen. Er liegt lieber auf der Wiese, beobachtet die anderen, tut nichts und macht sich dadurch zum Sonderling. Welchen Wert hat schließlich das Nichtstun?Im Land der Wolken gibt es keine Langeweile, denn der Himmel steckt voller Ideen. Man braucht nur eine von ihnen zu berühren und schon hat man einen Einfall. Während alle Kinder von Wolke zu Wolke springen, sitzt Henry auf dem Boden und beobachtet sie. Er bekommt immer Kopfschmerzen von den Wolken. Bald beginnen die Erwachsenen sich über ihn zu wundern und halten ihn für seltsam oder sogar krank. Henry glaubt auch bald dran und fühlt sich sehr einsam. Eines Tages zieht eine neue Familie nebenan ein. Die Tochter Sara ist bei allen Kindern sofort beliebt – besonders bei Lukas, dem König der Wolken.Doch Sara interessiert sich für Henry, legt sich neben ihn auf die Wiese und fragt ihn, was er da tut. „Nichts“, ist seine verblüffende Antwort, die er selber nicht erklären kann und Sara beschließt, mit ihm gemeinsam nichts zu tun. Bald gesellen sich auch die anderen Kinder dazu und nehmen Henry in ihre Mitte, während die Wolken langsam verblassen.Die Botschaft des Bilderbuches ist tiefgreifend und aktuell. Nicht nur im Land der Wolken werden Ideen und Unterhaltung wie auf einem Silbertablett serviert, auch in der Gegenwart werden Kinder durch Fernsehen, Internet, Konsolen und einer Vielzahl an Spielsachen dauernd mit Reizen überflutet. Langeweile ist ein scheinbar unerträglicher Zustand und muss schnellstmöglich durch neue Angebote beseitigt werden. Worin liegt aber der Wert der Langeweile und des Nichtstuns grade in einer fortschrittsorientierten Gesellschaft wie unserer? Diese philosophische Frage wird durch die Geschichte aufgeworfen. Sie beschreibt, dass Nichtstuer, die nicht stets von Wolke zu Wolke springen, kritisch betrachtet und ausgeschlossen werden. Erst als sich die anderen darauf einlassen, erkennen sie, dass auch Nichtstun einen Sinn hat. Durch die Langeweile gibt man sich seinen Gedanken hin, kann zweckfrei mit anderen Menschen in Verbindung treten und schließlich selber eigene Ideen entwickeln.Die Gestaltung des Buches unterstützt die Erzählung durch farbintensive Bilder. Mit zarten Linien wurden Figuren und Umräume skizziert, die von den großen bunten Aquarellwolken überlagert werden. Diese sind sehr kräftig, füllen die Hintergründe und vermitteln einen von der Realität entrückten Eindruck. Die Figuren werden in den Vordergrund gesetzt und herangezoomt. Sie kennzeichnen sich durch verniedlichte Proportionen und Gesichtszüge. Zum Ende des Buches ziehen sich die Farbflächen zurück und geben die Figuren und ihre Farbigkeit preis.Die Sprache der Geschichte ist einfach, aber doch sehr lyrisch, wie der Schlusssatz zeigt: „Die Luft flimmert wie eine ferne Erinnerung. Für einen Moment vergessen alle Kinder die bunten Wolken und sie nehmen Henry in ihre Mitte."Das Bilderbuch eignet sich für Kinder durch seine besondere Ästhetik. Die Farben und Figuren sind sehr ansprechend gestaltet und laden zum längeren Betrachten ein. Die Geschichte ist verständlich und bietet Raum für philosophische Gespräche und weiterführende Gedanken.Weitere Rezenionen unter [...]