Anfang des Jahres habe ich euch den ersten Teil der Pages und Co Reihe vorgestellt. In "Pages & Co – Matilda und das Geheimnis der Buchwandler" von Anna James tauchte ich ein in eine fantastische Welt voller Magie und Bücher. Nun ist der zweite Teil der Reihe "Pages & Co – Matilda und das Verschwinden der Buchmagie" erschienen und es ging abenteuerlich weiter, diesmal ins Reich der Märchen.Die Autorin:Anna James arbeitete als Schulbibliothekarin, Literaturjournalistin und schrieb für einige Magazine und Zeitungen. Außerdem betreibt sie einen eigenen YouTube-Kanal "A Case of Books". Bei "Pages & Co – Matilda und das Geheimnis der Buchwandler" handelt es sich um ihr Kinderbuch-Debüt. Der dritte Teil der Reihe erscheint im Original, also in englischer Sprache, noch diesen Monat.Inhalt:„Matilda Pages ist eine Buchwandlerin. Sie kann sich in Bücher hineinlesen und so jede Geschichte und jedes Abenteuer selbst erleben.Doch ihre Fähigkeiten werden auf eine harte Probe gestellt. Denn in der britischen Underlibrary wird ein neuer Bibliotheksdirektor gewählt und dieser führt nichts Gutes im Schilde: Buchwandeln soll kontrolliert oder ganz verboten werden!Also reist Mathilda zusammen mit ihrem besten Freund Oskar nach Paris. Dort treffen sie auf die Buchhändlerin Gretchen Stein, die den beiden die mysteriöse Welt der Märchen eröffnet. Schnell finden sich die Freunde in verdrehten Geschichten wieder, in denen Charaktere verloren gehen oder einzelne Erzählungen einfach in einem schwarzen Nichts versinken.Nun liegt es an Mathilda und Oskar, das Verschwinden der Buchmagie aufzuhalten!“(Klappentext)Kritik und Fazit:Bereits das Cover des ersten Bandes der Reihe hat mir unheimlich gut gefallen. Und das Cover des Folgebandes steht diesem in nichts nach. Wieder können wir regelrecht in das Buch hineinschauen. Das Cover scheint sich aufzulösen, dahinter sehen wir Buchseiten und ganz in der Tiefe eine Stadt inklusive des Eifelturms, denn diesmal verschlägt es Tilly und Oskar nach Paris. Dass wir es diesmal nicht mehr mit Alice im Wunderland und Anne von Green Gable zu tun haben, sondern mit Märchen, sehen wir bereits jetzt deutlich. So findet sich auch Rotkäppchen sowie Hans aus dem Märchen Hans und die Bohneranke. Die Geschichten wachsen zudem aus dem Buch heraus.Die goldenen Elemente veredeln das Buch wieder und verleihen ihm einen märchenhaften Charakter. Das Lesebändchen darf natürlich auch nicht fehlen. Während Band eins hauptsächlich in Rot gehalten ist, haben wir nun einen schönen dunkelblauen dabei aber durchaus leuchtenden Band vor uns.Der Schreibstil ist wieder gewohnt flüssig und gut verständlich. Außerdem werden Elemente der Geschichte auch durch die Schrift unterstrichen, denn wieder geraten manche Wörter aus der Reihe und weisen auf eine besondere Buchmagie hin. Einige kleine und wenige große Illustrationen in schwarz und weiß stehen dem Text zur Seite und runden das Ganze ab.Auch der zweite Teil der Reihe las sich schnell, riss mich aber wieder nicht zu hundert Prozent mit. Erst im letzten Drittel fiel es mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Allerdings richtet sich das Buch ja auch an Kinder ab 10 Jahren, und da muss es ja nicht von einem Drama ins nächste übergehen. Vielmehr nimmt sich die Autorin die Zeit, die Gesellschaft der Buchwandler näher zu beleuchten.Ein wenig genervt war ich ehrlich gesagt aber von dem gedankenlosen Verhalten von Oskar und später auch Tilly. Sie bekommen klar von den Großeltern mitgeteilt, dass das Buchwandeln in Märchen gefährlich sein kann, vor allem wenn man bedenkt, dass Enoch Chalk, der Bösewicht aus Band 1, dort irgendwo sein Unwesen treibt. Dennoch begeben sie sich auf ein Abenteuer in jene Märchenwelt, meiner Meinung nach all zu leicht. Natürlich braucht es das, um die Handlung voranzutreiben, dennoch konnte ich das unbedarfte Handeln von meinem erwachsenen Standpunkt aus nicht wirklich nachvollziehen."Pages & Co – Matilda und das Verschwinden der Buchmagie" war wieder ein kurzweiliger schöner Kinderroman, der mir etwas besser als der erste gefallen hat. Wir tauchen hier noch tiefer in die Welt des Buchwandelns ein, und auch die Protagonisten bekommen weitere Tiefe. Dennoch bleibt es eine leichte Lektüre, für eher jüngere Leser die keinen allzu großen Spannungsbogen brauchen. Der Schluss macht nun wieder neugierig auf mehr und ich hoffe Teil drei erscheint auch bald in deutscher Sprache
Die magische Fortsetzung des erfolgreichen Erstlings der Autorin Anna James wurde von jungen Lesern mit Spannung erwartet. In wunderschöner Aufmachung präsentiert sich nun der zweite Band rund um die Protagonistin Matilda „Tilly“ Pages und ihren Freund Oskar. Die wenigen, aber märchenhaften Illustrationen im Buch unterstreichen das Grundthema des Buches, das sich diesmal rund um rätselhafte Vorgänge in der Märchenwelt dreht. Wie auch im Vorgängerband ist die Typografie in dieser Reihe am Ende mancher Kapitel extravagant angepasst an die inhaltlichen Geschehnisse, etwa wenn Tillys Welt aus den Fugen gerät und zugleich die gedruckten Wörter über die Seite purzeln.Inhaltlich schließt der zweite Band nahtlos an das Geschehen des ersten an, in dem die Direktorin der Underlibrary zurücktreten musste und nun ein neuer Direktor gewählt wird. Die Underlibrary hat die Aufgabe, die Bücher, in denen Buchwandler in die Geschichte einsteigen, zu überwachen. Auch Tilly ist eine Buchwandlerin, zudem eine halb literarische Figur, da ihr Vater aus einem Buch entstammt. Ihr Freund Oskar erfährt nebenbei, dass auch er ein Buchwandler ist. Mit dieser Fähigkeit können sie in eine Geschichte eintauchen, sie als real erleben und mit den Figuren in Kontakt treten. In Analogie zu mancher echten politischen Situation wird ein Mann an die Macht gewählt, der vor allem durch Manipulation und Show besticht, zudem einzig seine eigenen Interessen verfolgt. Ganz nebenbei wird den jungen Lesern hier vorgeführt, wie mit unzulänglichen Machthabern umzugehen ist: „Deshalb kann man nicht einfach sagen, Leute, die nicht für uns sind, sind automatisch gegen uns. (…) Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch ein paar gemeinsame Ziele haben.“ (S.64). Kurz vor Weihnachten fährt Oskar nun zu seinem Vater nach Paris und Tilly darf ihn begleiten. Dort treffen sie auf Oskars Großmutter, die offenbart, dass auch sie eine Buchwandlerin ist, sowie auf die Buchhändlerin Gretchen Stein, die die Kinder unorthodoxer Weise zu einer Reise in die Märchenwelt überredet.Hier setzt nun der Grundtenor der Geschichte ein, der dem geneigten Leser die Laune verdirbt: Durch den gesamten Plot zieht sich zum einen die Grundhaltung der Erwachsenen, die Kinder außen vor zu halten, sie nicht einzuweihen und über wichtige Dinge im Unklaren zu lassen. Tillys Großeltern beteuern, sich mit der ehemaligen Direktorin in den Kampf gegen den neuen Direktor zu begeben, verbieten Tilly aber jegliches Einmischen und im Verlauf des Buches wird in keinster Weise ein Fortschritt ihrer Bemühungen oder gar ein aktives Tun deutlich. Duckmäuserisches Abwarten auf den Sturz des Despoten kennt man von den Eliten jeglichen Staates, doch ist es nicht wirklich spannend, davon zu lesen. Zum anderen widersetzt sich Tilly natürlich all den Anordnungen ihrer Großeltern. Das rebellische Vorgehen könnte ja ganz spannend sein und heizt natürlich die Geschichte an – doch ist die Entscheidungsfindung mehrmals dermaßen naiv, lässt sich Tilly komplett uninformiert von den besorgten Grenzsetzungen ihrer Großeltern abbringen, dass man nur kopfschüttelnd zurückbleibt. Der pure Wunsch, etwas zu erleben, reicht bei einer Protagonistin, deren Mutter 11 Jahre lang in einem Buch gefangen gehalten und somit von Tilly getrennt wurde, einfach nicht aus als Motiv, um dem Leser glaubhaft zu vermitteln, dass alle Sorgen über Bord geworfen werden.Die Erlebnisse in der Märchenwelt, in der alles drunter und rüber geht, Prinzessinnen nicht geheiratet werden wollen, weinerliche Prinzen den Sinn des Lebens suchen und Rotkäppchen die Wölfe erschlagen, sind absolut amüsant und erfrischend. Doch die Dramatik, dass in den Märchen Löcher aus Nichts auftauchen, Figuren verschwinden und die Buchmagie abgesogen wird – alles auf Betreiben des neuen Direktors, wird von den Protagonisten ohne aktive Gegenwehr hingenommen.So endet auch das Buch absolut unbefriedigend mit einem Teilsieg des neuen Direktors und einer grüblerischen Tilly, die das Gefühl hat, etwas übersehen zu haben. Das war wohl als Cliffhanger zum dritten Teil gedacht, doch bleiben die Leser etwas ärgerlich zurück – denn soviel Lahmheit hätte man Tilly und ihren Großeltern nach dem fulminanten Start nun über 350 Seiten hinweg nicht zugetraut. Wahrscheinlich wird der dritte Band dann aber gelesen werden, in der Hoffnung auf eine spannungsgeladene Geschichte und ein verdientes Ende des Direktors mit geretteter Märchenwelt und glücklichem Happy End für die Underlibrary und Tilly. Es kann noch alles gut werden.