Lieber Joshua Tree,Als „Alter“ SF Fan der schon seit Jugendzeiten von SF fasziniert ist, möchte ich Ihnen ein Lob aussprechen!Toller Plot, der einen immer tiefer in seinen Bann zieht. Man kann eigentlich garnicht aufhören zu lesen. Wenn ein Roman das erreicht, dann hat er meines Erachtens schon seinen daseinszweck erfüllt.Bitte weiter so!
*Spoiler enthalten*Es empfiehlt sich, diesen Band 2 direkt im Anschluss an Band 1 zu lesen, sodass alle Details präsent sind. Liest sich nicht so locker-leicht wie andere Romane von Joshua Tree. Man muss sich gut konzentrieren, insbesondere wenn man zwischen Filios Erlebnissen auf dem Mars in zwei verschiedenen Zeiten hin- und herwechselt. Wendungen (Wer ist Freund? Wer ist Feind?) mag ich grundsätzlich, hier sind sie jedoch so zahlreich und teils überraschend, dass es anstrengend und (auch in Sachen Timing) ein bisschen unglaubwürdig wurde. Möglicherweise wurden Plot und Auflösung während des Schreibprozesses geändert. Bedauerlicherweise kann ich mich zwei bis drei Wochen nach dem Lesen nicht mehr an die ganzen Verwicklungen erinnern.Die Fokussierung finde ich im Auftaktband der Dilogie besser gelöst. Gefühlt hätte sich Joshua Tree ein paar Tage Zeit mehr nehmen sollen, um auszuschmücken und zu verdeutlichen oder um zu kürzen. So mochte ich die Detailverliebtheit in futuristischen Belangen, die diesmal weniger präsent ist. Demgegenüber sind viele Beschreibungen ausschweifend geraten, ohne die Handlung voranzubringen (einzelne Handgriffe, sich wiederholende Wanderungen in dunklen Gängen, etc.).Es kommt Atmosphäre auf, die Bedrohungslage und die Furcht sind über weite Strecken gut greifbar. Es gibt ein paar tolle Schockmomente.Gestört hat mich, dass milliardenschwere Expeditionen schlampig vorbereitet sind und eigentlich hochintelligente Astronauten dumm und planlos agieren. Ich habe beispielsweise gedacht, ich spinne, als Filio - zum zweiten Mal auf dem Mars - spontan, ohne irgendeine Vorbereitung, Rücksprache und Aufzeichnung das Transportmittel unwiederbringlich demontiert und im weiteren Verlauf auf gut Glück herumläuft und -sucht. Joshua, mach’s dir leicht, und erfinde im Zweifel irgendwelche neumodischen, coolen Diagnosegeräte, die den Anschein erwecken, die Profis wüssten, was sie tun! :-)Auch wenn es nicht in allen Szenen zum Ernst der Lage gepasst hat und mir ein paar Gags aus der Ganymed-Reihe bekannt vorkamen, habe ich Freude gehabt an den neckischen Frotzeleien zwischen Kollegen. Ich kam nie auf die Idee, den Roman abzubrechen. Mein Highlight ist das Hortat-Kapitel, das - obendrein zum lobenswerten Personenverzeichns und klassischen Glossar - sogar ein eigenes Glossar (Kapitel 38.1) erhalten hat. Hier zeigt sich wohl, dass ich eher in der Science-Fiction als im Mystery-Thriller heimisch bin.Das Ende gestaltet sich zufriedenstellend und Joshua-Tree-typisch, sodass ich drei Sterne mit Tendenz zu vier Sternen vergebe und gern in weitere seiner Werke reinlese.