Das Buch wirft einen herrlichen Blick hinter die Kulissen der beliebtesten deutschen Sportart. Und wie es Lena Oberdorf bereits treffend gesagt hat: "Frauenfußball, Männerfußball. Es ist ein Fußball."Daher sollte man sich bei Vergleichen von Damen- und Herrensport, wie bereits mehrfach im Buch erwähnt, vor allem auf die finanzielle Komponente und die Wertschätzung der Leistungen fokussieren.Insofern habe ich wenig Verständnis für pauschale Kritik am Frauenfußball und einsilbige Ansichten, in denen U15-Jungs wohl Frauen locker vom Platz fegen würden ... solche Rezensionen gab es jedenfalls hier bereits. Nach dieser Logik wäre jeder Wettkampf einer Leichtathletin, Tennisspielerin oder auch Beach-Volleyballerin nicht sehenswert und nicht wertzuschätzen, weil Männer schneller und kraftvoller auftreten.Daher sollte jeder Leser es einfach genießen, einen so tiefen Einblick aus Sicht einer Weltmeisterin und eines hochangesehenen Sportreporters zu bekommen. In vielen anderen Fußballbüchern geht es vor allem um Ratschläge von außen. Also wie hier und da etwas besser gemacht werden könnte. Weit entfernt vom rollenden Ball, abseits von schweißtreibenden Trainingseinheiten bis zum großen Titel und außerhalb der bunten und schwer einsehbaren Medienwelt.Also bitte, bitte legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Es darf auch geschmunzelt werden. Und zwischen den Zeilen wird ja deutlich, dass hier keineswegs der Männersport niedergemacht werden soll. Doch Missstände dürfen und müssen auch klar aufgezeigt werden. Es braucht dafür auch nicht immer den wissenschaftlichen Beleg. Es geht hier um das Wissen von Insidern der Branche, die humorvoll, wortgewandt und gerne auch mal frech über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichten dürfen.Die aktuell hohen TV-Einschaltquoten der Frauen-WM geben jedenfalls den beiden Protagonisten recht:Der Frauenfußball hat deutlich mehr Wertschätzung verdient als dies bisher der Fall war.
Gerade jetzt zur Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2023 ist das Buch mit dem provokanten Titel „Warum Frauen den besseren Fußball spielen“ ein echter Sympathie-Booster für den Mädchen- und Frauenfußball. Nia Künzer und Bernd Schmelzer verstehen es, ihre fußballbegeisterten Leser und Leserinnen auf eine erhellende Entwicklungsreise des Frauenfußballs und der dazugehörigen Organisationen zu schicken.Von historischen Meilensteinen wie der offiziellen Aufnahme des Frauenfußballs in den DFBbis hin zu einer „echten Revolution“ des Teams der USA rund um die Spielerin Megan Rapinoe (2021 wurde eine Vereinbarung mit dem nationalen Verband für gleiche Bezahlung zwischen Spieler und Spielerinnen bewirkt) ist alles dabei. Zwischendrin gibt es jede Menge spannende und amüsante Geschichten sowie einen Blick hinter die Kulissen der gewohnten TV-Übertragungen.Warum Frauen den besseren Fußball spielen? Damit ist sicher nicht gemeint, dass sie erfolgreicher und technisch besser sind als Männer. Wir alle haben schon besten Männerfußball gesehen. Vielmehr wird der Fußball als Ganzes angesprochen, mit seiner Ehrlichkeit und den verbindenden Werten:Frauen, die mit Herzblut und Freude spielenPersönlichkeiten, die zu sich selbst stehenRespektvolle Fans, von klein bis großFriedliche Atmosphäre.Schöne Spiele.Inwieweit Strukturen, Politik und Kommerz auch den Frauenfußball verändern werden, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall haben die Frauen Durchhaltevermögen, Leidenschaft und Selbstbewusstsein bewiesen.
Weniger der Sport selbst, sondern dessen Hintergründe und Entwicklung sind hier Thema!„Warum Frauen den besseren Fußball spielen“ ist der Titel dieser Klappenbroschur und er ist zugegebenermaßen etwas provokant formuliert, aber er weckt Interesse. Nia Künzer, Fußballerin, ehemalige Nationalspielerin, Kommentatorin und hier auch Autorin, sowie Bernd Schmelzer, Journalist, Kommentator und Sachbuchautor, erklären Fakten und Details, berichten von zurückliegenden Ereignissen, erzählen interessante Anekdoten und spielen sich in teils dialoggleichen Kommentaren die Bälle zu. ;-)Die Zustände zu Beginn des Frauenfußballs, ja, eigentlich des hartnäckigen Kampfs um denselben, von denen ich lese und die ich nur ansatzweise kannte, sind schier unfassbar. Und obwohl ich die Aussagen von Fußballspielern/-trainern wie Sepp Herberger und Berti Vogts oder von eigentlich angesehenen TV-Moderatoren wie Wim Thoelke kenne, bringen mich diese immer wieder auf die sprichwörtliche Palme.Eigentlich gefallen mir die detailliert herausgestellten Infos zu den Meilensteinen im Frauenfußball, zu Spielerinnen und Trainern, die Erklärungen zu teils politischen, teils sportlichen Hintergründen, zu Gremien und Entscheidungen etc. pp. gut, dieser thematische Umschwung bringt es aber leider mit sich, dass es hier nach anfänglich enthusiastischen und zum Titel passenden Inhalten schon bald nicht mehr um den “besseren Fußball“ geht, sondern schlicht und ergreifend um die Geschichte des Frauenfußballs.Dabei gehört es sicher zu einer fundierten Zukunftsplanung, den Status quo zu kennen, um darauf aufbauen, unbefriedigende Zustände ändern und für die Zukunft des Frauenfußballs das maximal Beste erreichen zu können, aber diese Themen dominieren das Buch allzu sehr: inhaltlich geht es leider nur noch peripher um den „besseren Fußball“.Auch wenn der eine oder andere Textabschnitt den Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Fußball – manchmal nur wie nebenbei – aufgreift, habe ich den Eindruck, dass es hier mehr um die Entwicklung der Hintergründe geht, um wirtschaftliche und vereinspolitische Aspekte und um den Vergleich vieler anderer Faktoren, aber weniger um die eigentliche Hauptsache, den Fußball.Der Blick auf das große Ganze, nämlich darauf, dass sich das Leben der (männlichen) Fußballer vor allem auf dem Platz abspielt, das der Frauen aber auch und mit Schwerpunkt daneben, in ihrem Privatleben, in Partnerschaften und mit Kindern, leitet den Fokus zumindest phasenweise auf das wesentliche Thema des Buches, nämlich auf die Tatsache, dass es um den Sport geht, nicht um das eigene Ego, dass es um das Spiel geht, um das Zusammenspiel im wahrsten Sinne des Wortes, um das gemeinsame Ziel.Bei den Frauen ist der Fußball Teil des Lebens; bei den Männern ist eher das Leben Teil des Fußballs!Frauenfußballspiele sind keine Kämpfe um Prestige und Ablösesummen, sondern Feste, Familienfeste, zu denen Kinder selbst gemalte Plakate mit ins Stadion bringen, wo weder Pyrotechnik noch Anfeindungen und Konflikte unter den Zuschauern für Gefahr sorgen und wo das Spiel an sich zählt. Da lebt noch ehrliche Begeisterung für den Sport, für den Fußball! Und von eben dieser Begeisterung hätte ich gerne mehr gelesen!Um es auf den Punkt zu bringen: der Titel passt eigentlich nicht zum Inhalt des Buches. „Der Frauenfußball, Begeisterung gestern, heute und morgen“ oder etwas Ähnliches wäre da treffender gewesen. Der gewählte Titel aber, der sicher auffälliger ist, sich interessanter liest und deshalb wahrscheinlich mehr Leser erreicht, passt nur anfangs.Inhaltlich interessant, ansprechend aufgemacht, in vielen Abschnitten unterhaltsam, ist es mir insgesamt auf Grund vieler Daten und Fakten und häufig wiederholt aufgegriffener Themen schlichtweg zu trocken. Und spielen die Frauen wirklich den besseren Fußball? Auch sie haben bei der WM die Vorrunde nicht überstanden! ;-(Mit einem passenderen Titel und der dann anderen Erwartungshaltung hätte das Buch von mir trotzdem volle 5 Sterne bekommen, so aber bekommt es 3,5 und somit auf 4 aufgerundete Sterne.