Als Herausragend würde ich diese Einspielung der ersten Symphonie Mahlers, durch Rafael Kubelik und das Bayrische Rundfunksinfonie Orchester, bezeichnen. Sie wirkt in sich ausgesprochen stimmig und authentisch. Kubelik gelang es offensichtlich seines Landsmannes (Mahler und Kubelik stammten aus Böhmen) Intentionen zu treffen, somit vermittelt diese Aufnahme besonders starke emotionale Eindrücke. Angefangen beim ersten Satz der so naturnah wirkt, wie selten anderswo gehört, man sieht die Vöglein förmlich und das Aufstreben der Natur. Der dritte Satz gelingt grotesk, schockierend! Der vierte Satz abgrundtief, emotional aufwühlend und das Finale strahlend, fast schon heroisch - Ist schließlich der TitanKlangtechnisch ist diese Aufnahme aus den 70er-Jahren gut, aber nicht herausragend.
Rafael Kubelik war einer der Vorreiter der Mahler-Renaissance, die Ende der 1960er Jahre einsetzte und in der Folge geradezu eine Schwemme von Mahler-Einspielungen auslöste. Kubelik stammte wie Mahler aus Böhmen, und das mag mit ein Grund sein, weshalb seine Aufnahmen über die Jahre ihren Wert behalten haben. So auch Mahlers symphonischer Erstling, welcher der Gesamtaufnahme Kubeliks entnommen ist und von der DGG im Rahmen der Reihe "The Originals" wiederveröffentlicht wurde. Kubelik liegt mit dem Komponisten auf einer Wellenlänge, er stattet seine Musik mit zügigen Tempi aus, ohne aber je in Übertreibungen zu verfallen. Das Idiom von Mahlers Musik ist jedenfalls mit fast nachtwandlerischer Sicherheit getroffen. Auch die angeschlossenen "Lieder eines fahrenden Gesellen", gesungen von Dietrich Fischer-Dieskau, passen wunderbar in Kubeliks Gesamtkonzept. Fischer-Dieskau hatte bereits 1952 unter Wilhelm Furtwängler diesen Liederzyklus in London aufgenommen (EMI), damals mit noch jugendfrischerer Stimme, dafür gestaltet er unter Kubelik die Lieder gereifter, aber wiederum untadelig. Wer sich nicht zum Kauf des gesamten Zyklus, der übrigens als 10 CD-Box relativ preisgünstig von der DGG wieder aufgelegt wurde, entschließen kann, hat mit vorliegender CD eine gute Gelegenheit zum Einstieg in Mahlers Welten. Das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks, welches Kubelik zwei Jahrzehnte geleitet hat, ist hervorragend disponiert und geht auf die Intentionen seines Chefdirigenten mit großer Hingabe ein. Man spürt, daß harte Probenarbeit den Aufnahmen vorausgegangen ist.Die Klangqualität ist großartig, man merkt den Produktionen ihr Alter nicht an, obwohl die Symphonie 1968 und der Liederzyklus 1970 eingespielt wurde. Die Textbeilage ist von hoher Qualität. Sie enthält neben einer knappen Einführung des damaligen DGG-Produzenten Hans Weber auch einen fundierten Beitrag von Klaus Bennert in mehreren Sprachen. Auch sämtliche Liedertexte sind enthalten.