Die Vintage Gitarren haben mich schon länger interressiert. Sie haben einen guten Ruf und gelten in der Szene zur Zeit noch als Preis-/Leistungshammer. Vor allem der Sound der Vintage Modelle wird immer wieder gelobt. Letztendlich sind auch die Signature Modelle von Thomas Blug bekannter wie es dem Marktführer mit dem großen F vielleicht gefallen mag. Bisher hatte mich aber der Vintage Look abgeschreckt. Mir ist es eigentlich lieber die Dings und Dongs selbser zu produzieren, als die "vorgestylten Gebrauchtlookklampfen mit den Dongs von der Stange" zu kaufen. Schließlich kauft man einen Geländewagen auch im Neuzustand und nicht mit dem Dreck aus der Kiesgrube. Warum ich jetzt doch eine Vintage zuhause habe und wie sich das gute Stück spielt und anfühlt soll hier Thema sein.Auf der Suche nach einer wohlklingenden und bezahlbaren Strat kam ich immer wieder auf die Vintage Modelle zurück. Von Fenders Mexiko und US Strats hatte ich die Nase voll. Drei Stratocaster mit dann doch erheblichen Qualitätsmängeln habe ich wieder zurück geschickt. Die Squier Strats gefielen mir im Gegensatz zu den Classic Vibe Teles gar nicht. Yamahas Pacifia ist zwar ein gutes Instrument, aber gefallen hat sie mir ebenfalls nicht. Ich habe dann einfach eine Vintage bestellt und mir diese angesehen. Wohlgemerkt in Laguna Blue und nicht in Schwarz. Die Gitarren sind bis auf das Palisandergriffbrett der V6MRLB(Laguna Blue) identisch. Auch der Preis ist bei den verschiedenen Anbietern in etwa gleich. Wobei die Schwarze meist 10-20 Euronen teurer ist. Nun ist sie da die Babyblaue.Wie oben schon erwähnt ist der Gebrauchtlook, neudeutsch kurz "distressed" genannt, nicht mein Ding. Allerdings ist die V6 diesbezüglich gut gemacht. Intelligent daran ist: Wer vermag nun noch zu sagen was ist ein Verarbeitungsmangel und was ist Distressedlook? Haptisch ist sie klasse. Der Hals ist sehr smooth und flach und klasse zum bespielen. Das Palisandergriffbrett ist ohne Fehl und Tadel. Lack findet sich auf dem Ahornhals kaum noch. Ansonsten ist alles wie beim großen F. Zwei Regler für Ton und ein Lautstärkepoti. Das Schlagbrett, die Knöpfe und die Tonabnehmerhauben sind passend "gealtert", was einen schönen Kontrast zur babyblauen Vintage macht. Die Wilkinson Hardware mit dem Graphitsattel und die Wilkinson Pickups sind astrein. Die Mechaniken sind stimmstabil und fein genug für die genaue Justage. Die Intonation war nur minimal nachzustellen. Auch das finde ich sehr erfreulich.Die Vintage hat einen Pappelbody. Dieser ist angenehm leicht. Einmal umgehängt wird das schnell zum gewichtigen Argument für die Babyblaue. Mit knapp über drei Kilo ist sie eines der Leichtgewichte der Szene. Wer aber meint Pappel sei von Pappe, sieht sich schon beim trocken Anspielen getäuscht. Die V6 hat gute Resonanzqualitäten. Einmal an meinen Bugera V22 angestöpselt macht die Vintage mächtig Druck. Die Wilkinsons sind in dieser Preisklasse kaum zu überbieten. Das ist echter Stratsound. Die Blaue perlt wie eine Start eben klinegn muß. Der Sound ist sehr ausgewogen. Brummfrei ist die VR6 aber nicht. Das war aber auch nicht mein Kriterium. Ich sehe hier keinerlei Vorteile für die mexikanischen Einsteigermodelle des Branchenführers. Daß das Tremolo keine exzessiven Saitendehnungsaktionen verträgt muß nicht verwundern. Das ist halt in der Preisklasse so. Mir ist es egal, ich nutze das kaum. Ich habe zum Vergleich meine gute G&L herangezogen, bin aber beim Spielen immer wieder zur V6 zurückgekehrt. Die Blaue macht richtig Spass. Bei dem für das Instrument aufgerufenen Tarif ist das wirklich eine Überraschung. Wobei angemerkt werden muß, daß dieser deutlich unter der UVP liegt.Kurz und KnappPositives:+ Gewicht+ Bespielbarkeit+ Sound+ gute PickupsNeutral:o Verarbeitung, wers magNegative:- häufige Tremolonutzung macht schlechte StimmungMein Fazit: Ich habe sie behalten. Die Vintage ist ein tolles Instrument. Der Look überzeugt micht nicht, dafür der Sound umso mehr. Für knapp dreihundertfünfzig Euronen ein echter Geheimtipp.