Die Geschichte von Elena und Lila ist mir per Zufall begegnet, auf einer Bestenliste der New York Times für das Jahr 2015. Ich lese gerne Bücher, in denen ich in eine fremde Welt eintauchen kann, eine Welt voller fremder Farben, Gerüche und Bräuche. Nach dem Lesen der Beschreibung hoffte ich auf genau so ein Buch. Ich wurde nicht enttäuscht.Die Geschichte beginnt mit ihrem Ende, Lila verschwindet und ihr erwachsener, aber scheinbar unfähiger Sohn ruft bei Elena an, da er denkt, sie könne wissen, wo Lila ist. Eigentlich möchte er aber nur bei ihr Unterschlupf finden, scheinbar ist ihm das tägliche Leben zu viel, er kommt alleine nicht zurecht. Elena, von Lila nur Lenù gennant, wiegelt ihn ab, denn sie weiß wirklich nicht wo Lila steckt und das Letzte, was sie möchte, ist, diesen lebensunfähigen erwachsenen Mann in ihrer Wohnung zu haben. Lenù nimmt diesen Anruf jedoch zum Anlass, die Geschichte ihrer Freundschaft mit Lila zu erzählen.Lenù findet Lila von Anfang an faszinierend, die beiden nähern sich zögerlich einander an. Lila ist extrovertiert, hat einen starken eigenen Willen, begegnet dem Leben schon als Kind mit herausgestrecktem Kinn. Lenù ist eher ruhig, ordnet sich Lila unter, profitiert viel von deren geistiger Brillianz. Doch Lenù hat einen stillen inneren Ehrgeiz, Lila ist ihr Vorbild und sie versucht, mit ihr gleichzuziehen.Im ersten Kapitel des Romans, das den Zeitraum der Kindheit abdeckt (ca. 60 Seiten), geht es auch um entsprechende Probleme. Eine verschwundene Puppe, ein böser Nachbar, die Gefahren und Herausforderungen der ersten bewussten Schritte in einer rauen Welt. Ich fand dieses Kapitel zwar interessant, teilweise faszinierend, aber war noch nicht restlos begeistert. Zudem war es nicht einfach, den Überblick über die vielen Personen und Familien zu behalten, die bereits am Anfang eine Rolle spielen. Zum Glück gibt es ein Personenverzeichnis zu Beginn des Romans.Das zweite Kapitel in diesem ersten Band der Reihe dreht sich um den Zeitraum der Jugendjahre (ca. 240 Seiten). Je älter Lila und Lenù wurden, desto mehr wurde ich in den Roman hineingezogen. Es war unglaublich fesselnd, die verschiedenen Personen heranwachsen zu sehen, mitzubekommen, wie sich Lila und Lenù immer stärker anfreunden, obwohl ihre jeweiligen Lebenswege sich immer weiter voneinander unterscheiden.Ich hatte das Gefühl, mitten in diesem vor Leben nur so pulsierenden Viertel in Neapel zu sein, in diesem Vorort der weitestgehend armen und hart arbeitenden Menschen, deren Welt aus diesen Häusern, aus diesen Straßen besteht, aus diesem Netzwerk aus Freundschaften, Verpflichtungen, Feindschaften, Liebe, Hass und Ehre. Ferrante schafft es, diese Menschen lebendig werden zu lassen. Man spürt, dass jede kleine Handlung, jeder kleine Gegenstand eine Bedeutung über sich selbst hinaus hat, einen Platz in diesem Geflecht aus Abhängigkeiten einnimmt, das man erst nach und nach zu verstehen beginnt. Das Ende hat mich einfach umgehauen und ich kann es kaum erwarten, bald den zweiten Teil zu lesen.Mein Empfinden beim Lesen war, dass dieses Buch zunehmend Fahrt aufgenommen hat, mehr Energie entwickelt hat. Zum Ende hin habe ich alles um mich herum vergessen und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Die letzten 150 Seiten habe ich in einem Rutsch gelesen, (fast) ohne Pause. Wenn das zweite Buch da weitermacht, wo das erste aufgehört hat, ist dies eine der besten Buchreihen, die ich bisher gelesen habe!
Elena Ferrante erzählt in diesem wunderschönen nostalgischen Buch die Geschichte einer langjährigen Freundschaft zwischen zwei Frauen, die im Kindesalter beginnt. Die Sprache ist sehr poetisch und die Beschreibung des Alltags in Neapel in den 50er Jahren faszinierend.Allerdings haben so viele Bekannte in meinem Umkreis von dieser Autorin geschwärmt, dass ich dieses Buch mit sehr hohen Erwartungen gelesen habe, die leider nicht ganz erfüllt wurden. Mehr fehlte der gewisse "Sog", den einen manchmal bei Familiensagas dieser Art ergreift... Und der das Bedürfnis weckt, sofort (!) alle anderen Bücher der Autorin zu kaufen. Das war hier leider nicht der Fall, daher auch nur 4 Sterne.