(2,5 Sterne (abgerundet auf 2))Nachdem dieses Buch hier bisher fast nur in den höchsten Tönen gelobt wurde, war ich überrascht wie schlecht ich es doch fand. Während der ersten 10-20% des Buches fing ich schon langsam an zu überlegen ob ich es zu Ende lesen sollte. Es beginnt mit der Flucht aus einem Inferno, doch da ich den Ausgang als vorhersehbar empfand als auch noch keine Bindung zu bzw. Identifikation mit den Charakteren hatte, langweilte ich mich durch diesen Abschnitt. Auch beim zweiten Handlungsstrang des Anfangs kam keine Begeisterung auf. Zwei Menschen gemeinsam unterwegs zu Missionen, mit einer verhinderten Liebesgeschichte. Und immer wieder drehen sich die Gedanken um dieses „Hach, ist sie nicht toll, wenn nur damals, vielleicht, aber nein, hasst sie mich?, liebt sie mich?, bla bla bla“ Es dauert eine ganze Weile, zu lange, bis die Figuren etwas komplexer werden. Aber selbst dann schrammen sie mir zu lange am klischeehaften entlang. Insbesondere eine der zwei zentralen Hauptcharaktere: Ein dicker Looser, der mit mehr Glück als Verstand durch die Handlung stolpert, natürlich dauernd ans Essen denkt und der zu oft in selbstmitleidige Klagelieder ob seiner Minderwertigkeitskomplexe verfällt.Aber nicht nur die Charakterzeichnung, auch die Weltenzeichnung empfand ich als unzureichend. Im Mittelteil des Buches hatte ich ob des Magiesystems, bei dem aus Licht einer bestimmten Farbe ein Luxin genanntes Material dieser Farbe erzeugt wird, je nach Farbe mit bestimmten Eigenschaften, häufiger das Gefühl durch eine 70er Jahre Plastikwelt zu laufen, insbesondere wenn Luxin in Gebäuden verarbeitet ist (Ich entschuldige mich beim Leser für diesen arg langen, arg verschachtelten Satz.). Im letzten Teil des Buches hatte ich überhaupt kein Gefühl mehr für die Welt. So sehr dreht sich alles um die Charaktere, ihre (inneren) Konflikte, ihre Aktionen, dass für mich die Atmosphäre der Umgebung auf der Strecke blieb. Und damit fehlte was. Ich kann gerade beim letzten Teil nicht sagen ob dieser während eines windigen Frühlings, eines heißen Sommers oder eines verregneten Herbstes spielte. Ich bin mir auch nicht sicher in welcher Klimazone er spielte, ob die Umgebung durch Wälder, Felder, Wiesen oder sonstwas gekennzeichnet war. Vermutlich wurde es irgendwo erwähnt, aber ein konsistentes Bild der Welt hat der Autor bei mir nicht erzeugt. Da merkte ich zum ersten mal wie wichtig sowas doch für ein Buch ist.Auch der Schreibstil war nicht so ganz meins. Zum Beispiel fand ich es störend, das gedankliche Rückblenden in der Regel (also noch nicht mal immer) aus der ersten Person Perspektive erzählt werden während der Hauptteil aus der dritten Person erzählt wird. Dazu kommen gerade im Mittelteil zu lange bzw. zu trockene Erklärungen des Magiesystems als auch zu lange Beschreibungen von Konstruktionen. So blieb mir zum Beispiel die Beschreibung eines Luxin-Bootsjetantriebs negativ in Erinnerung. Zumindest erkannte ich warum in Ikea Anleitungen Bildchen statt Texten verwendet werden. ;)Entweder ein Fehler in der Typografie seitens der Kindle Version oder krassester Fehltritt beim Schreibstil war Kapitel 72, bei dem sich von einem Absatz zum nächsten die Charaktere ändert aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird.Was bleibt ist die Handlung, und die große Rahmenhandlung entwickelt mit der Zeit durchaus ihren Reiz. Vielleicht etwas zu sehr, oder zumindest zu auffällig, konstruiert, aber durchaus mit Potential. Bei der direkten Handlung des Buches gibt es aber einen äußerst massiven Fehler (zumindest nach meinem Empfinden). Während der letzten (gefühlt) 40% des Buches findet eine Schlacht um eine Stadt statt und bei dieser fehlte mir wieder jede emotionale Bindung. Die Verteidiger reisen von außerhalb an, die Angreifer reisen an und die eigentlichen Bewohner (für die es um was geht) spielen keine große Rolle. Die Stadt ist nicht von überragender geopolitischer Bedeutung und arg runtergekommen, so dass der Ausgang der Schlacht die Welt nicht plötzlich auf den Kopf stellt und damit war es für mich halt nicht spannend wer wie gewinnt oder verliert. Es ist halt nur eine kleine Schlacht in einem Krieg der sich zusammenbraut. Und als Beiwerk zur Rahmenhandlung nimmt sie zu viel Platz ein.Ich gehe derzeit nicht davon aus, dass ich den zweiten Teil lesen werde. Der Fortgang der Rahmenhandlung würde mich schon interessieren, aber vermutlich würde mich das drum herum zu sehr ärgern oder langweilen.Insgesamt gebe ich dem Buch in Schulnoten eine 4 – befriedigend – man kann es mal lesen wenn nichts Besseres zur Hand ist. Die Grundidee ist gut, es liest sich auch ganz passabel, aber… naja, siehe oben.