Das Buch ist sehr spannend. Es regt zum Nachdenken an: Was bedeutet der Tourismus für die Venezianer. Welche Form des Tourismus ist nachhaltig? Aber auch: warum fahre ich nach Venedig? Was suche ich und was finde ich. Wer nicht soviel nachdenken will findet einen spannenden, unterhaltsamen und informativen Krimi. Ich persönlich habe die Antwort auf eine Frage gefunden, die mich schon lange immer wieder beschäftigt hat, seit ich den Krimi „Vaporetto 13“ von Robert Girardi 2013 gelesen habe. Denn ich glaube ich weiß jetzt, welche Insel Vaporetto 13 ansteuert.
Ein bisschen mystisch beginnt „Tödliche Lagune“. Das Leben in Venedig ist geprägt vom täglichen Kampf gegen den Zerfall. Ada Zulian bildet da keine Ausnahme. Sie wird von Geistern gepeinigt. Alle um sie herum haben Mitleid. Sie merkt das, mag es aber nicht. Zur gleichen Zeit steigt ein Mann aus einem Zug. Dem Zug aus Rom. Auf dem Bahnsteig von Venezia Santa Lucia – selbst der Name des Bahnhofes verspricht schon Fernweh – atmet er tief ein. Sieht aus wie einer, der nach Jahren der Verbannung wieder die Heimat in sich aufsaugen darf. Ja, so ist es auch. Aurelio Zen, der Polizist aus Rom, ist wieder in seiner Geburtsstadt. Doch nicht weil er Ferien machen will.Aurelio Zen hat sich – offiziell – vor den Karren von Ellen Durridge spannen lassen. Die reiche Amerikanerin wollte mit ihrem Gatten auf einer Insel ihren Lebensabend aufbauen und genießen. Doch daraus scheint nichts zu werden. Denn ihr Mann ist verschwunden.Inoffiziell ist Aurelio wegen einer ganz anderen Sache in heimatlichen Gefilden unterwegs. Ada ist das Ziel seiner Ermittlungen. Ada, die verrückte Ada! Doch keiner soll was davon erfahren. Nur Marco, der Freund auf Kindertagen weiß um den besonderen Auftrag Aurelio Zens. Gerissen, findet Marco. Doch so war Aurelio schon immer…Aurelio Zen merkt schnell, dass sich seit seinem Abwenden von Venedig sich hier einiges verändert hat, vieles jedoch gleich geblieben ist. Nur wem er trauen kann und wem nicht, muss er noch eruieren. Auch Marco darf und will er nicht alles erzählen. Der erzählt Aurelio alles, was er weiß. Zum Beispiel, das Ivan Durridge, bevor er vor einigen Monaten so mysteriös verschwand, gern ausufernde Parties geschmissen hat. Die Wassertaxibetreiber haben sich dabei eine goldene Nase verdient. Und: Dass die Entführung, wenn es denn eine gab, an wohl ungünstigsten Tag des Jahres stattgefunden haben muss. Denn das Niedrigwasser hatte zum angenommenen Entführungszeitpunkt seinem Name alle Ehre gemacht. Selbst Marco, der erfahrene Bootsführer steckte zu dieser Zeit fest, bei strömenden Regen. So ein flaches Boot hätte er auch gern gehabt, dachte er damals.Aurelio Zen hat genügend Informationen zusammen, um selbst einen Krimi zu schreiben. Es fehlt nur ein Puzzleteil: Das Verbindungsstück zwischen Ada Zulian und Ivan Durridge! Und was haben die politischen Aktivisten einer neuen Bewegung damit zu tun, die Aurelio unbedingt besuchen soll? Vielleicht ist ja das Skelett aus der Jauchegrube das gesuchte Puzzleteil…Michael Dibdin führt den Leser am Nasenring durch die Arena der Lagunenstadt. Mit Spannung erwartet der Leser, wann endlich die Handlungsstränge miteinander verwoben werden und das Geflecht aus Lügen, Intrigen, Drogenhandel, Mord und Kriegsverbrechen sich präsentiert. Wer dieses Buch einmal beiseitelegt, wird so lange von Neugier gepeinigt sein bis er weiterliest.
Wenn es nicht blutrünstig sein soll, jedoch Spannung mit Niveau, dann einfach lesen. Die Figur Aurelio Zen in seiner Heimatstadt Venedig.Viel Italianita, eine Prise Humor. Ich freue mich schon auf weitere Werke mit Aurelio Zen. Bleibtzu hoffen, dass der Unionsverlag die ganze Reihe neu herausbringen wird. Dibdin zu lesen, eine für mich unerwartete Entdeckung