Augé, Marc: Lob des Fahrrads
Freizeit, Haus & Garten EAN 9783406690280

Augé, Marc: Lob des Fahrrads

Hersteller: Beck C. H.  ·  MPN: 1133269
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Radfahrer sind die neuen Flaneure, mit der Nase im Wind erfreuen sie sich am Duft der Kastanienbäume. Unbemerkt gleiten sie in eine poetische Geographie und stellen verwundert fest, dass die Stadt dazu da ist, angeschaut zu werden. Nicht nur in Kopenhagen und Amsterdam, auch in Frankfurt und Paris prägt das Fahrrad wieder das Straßenbild. Fasziniert beobachtet der Ethnologe Marc Augé die Auswirkungen dieser veritablen Fahrradrevolution. Er beschwört das freiheitstrunkene Glück des Kindes, das in die Pedale tretend die Kraft seines Körpers spürt. Wehmütig denkt er zurück an die heroischen Tage

Bewertungen & Erfahrungen

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Redaktion 24.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Poetisch!
Köhler trifft Buch 19.08.2024 amazon.de
Schon ein Jahr vor dem runden Geburtstag des Fahrrads, es wurde am 12. Juni 2017 200 Jahre alt, brachte der Verlag C.H.Beck das „Lob des Fahrrads“ des französischen Anthropologen Marc Augé heraus. Wenige Tage nach dem großen Fest und kurz vor dem Start der 104. Tour de France in Düsseldorf verdient das kleine Büchlein Augés daher noch einmal eine besondere Aufmerksamkeit, wie ich finde.Dem Begründer der Ethnologie des Nahen und langjährigen Präsidenten der renommierten Pariser École des Hautes Ètudes en Sciences Sociales geht es nicht um den technischen oder historischen Aspekt des Fahrrads, sondern um die Philosophie und die gesellschaftlichen Auswirkungen des Radfahrens. Augé stellt in seinem Buch „Lob des Fahrrads“ die Verbindung vom Rad zu uns selbst her, denn im Fahrrad entdecken wir uns wieder und erinnern uns an unsere eigene Kindheit. Das Rad vermittelt uns ein Gefühl der Freiheit, erwachsen aus der Eroberung des Raumes und der Überwindung der eigenen Grenzen. Für den Autor ist das Radfahren ein Mythos, der viel mit der Zeit zu tun hat, in der man Kind und Jugendlicher war. Neben diesem Mythos beschreibt er in Teil zwei seines Buches aber auch die Krise des Radfahrens sowie den Ausweg aus dieser Krise. Im dritten und letzten Abschnitt folgt dann seine Utopie.Der Mythos„Ein Mythos gewinnt an Stärke, wenn er in der Erfahrung derer, denen er erzählt wird, ein Echo findet.“ Dieser Satz Augés leuchtet uns spätestens dann ein, wenn wir uns an unsere eigenen ersten Erfolge auf dem Rad erinnern. Das Gefühl von Freiheit, als wir zum ersten Mal das Gleichgewicht auf dem Rad halten konnten und uns selbständig („autonom“) fortbewegten. Das Gefühl der Überwindung von Raum und Zeit, wenn wir unseren Tritt gefunden haben (Augé spricht vom „Gefühl“). Und die „Erfahrung von Ewigkeit“, die aus dem Wissen um die Dauer einer einzelnen Etappe als auch der zurückliegenden Jahre entstanden ist. Gestützt und verstärkt wird der Mythos für Augé durch die Helden unserer Kindheit und Jugend. Bei ihm waren das der Radrennfahrer Fausto Coppi und die Helden aus de Sicas Film „Fahrraddiebe“ und Tatis „Schützenfest“. Zum Mythos Fahrrad zählt für Augé aber auch die „Entdeckung der anderen“. Radfahren verbindet und ist kommunikativ. Zudem sieht der Autor in der solidarischen Gemeinschaft der Radfahrer ein heilsames Gegenmittel zur Smartphone-Kultur unserer Tage.Die KriseMarc Augé behandelt in seinem Buch aber auch die untrüglichen Zeichen der Krise des Fahrradfahrens, die er am systematischen Doping und der Kommerzialisierung festmacht. Der „jump“, d.h. die plötzliche, fast übermenschliche Leistungsexplosion von Radfahrern (bekannt wurde er durch Charly Gaul), erscheint seither in einem ganz anderen Licht und wird modernen Rennradfahrern im Zeitalter von Amphetamin- und Eigenblut-Doping erst recht nicht mehr abgenommen. Die Zweifel an der tatsächlichen Leistung der Radfahrer sind da und kratzten am Mythos vergangener Tage. Zudem hat der Kommerz den modernen Rennfahrer für Augé zu einem „Sandwich-Man“ degradiert, also zu einem „bloßen Werbeträger“. Zur Krise trägt für Augé aber auch die moderne Großstadt bei, „in der das Lokale das Äußere geworden ist“ – also in erster Linie zum gewollten Anziehungspunkt für Touristen und zum Verkehrsknotenpunkt für Stadtplaner.Die VisionIn seiner Vision zeichnet Augé schon einmal eine Stadt in der das Motto heißt: „Vélo liberté“, also Freiheit für das Fahrrad. Das sähe dann so aus, dass der Lieferverkehr zwischen 5 und 9 Uhr morgens erledigt sein müsse. Sonderfahrrechte gäbe es nur noch für die Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr sowie für Krankenwägen. Pendler von außen müssten ihre Autos in Parkhäusern an den Rändern der Städte abstellen. Auf der anderen Seite wären dann öffentliche Verleihsysteme wie das Vélib‘ in Paris genauso feste Bestandteile der Innenstädte wie zigtausende individuell gestaltete Privat-Bikes, Rikschas und E-Bikes. Außerdem werde von Avantgarde-Städten ein „Pedaleffekt“ ausgehen, d.h. ein Sog entstehen, in deren Folge immer mehr Metropolen dem Rad einen Vorrang vor dem Auto einräumen. Das Rad würde auch die „Beziehung vieler Menschen zu den Medien“ verändern und „der Amateursport an die Stelle der Telerealität treten“. Das käme wiederum dem Selbstbewusstsein und Identitätsgefühl der Bürger zugute – nach dem Motto: „Ich radle, also bin ich“.Ein Buch für mehr HumanitätIch habe das Buch „Lob des Fahrrads“ von Marc Augé mit großem Genuss gelesen und mich in vielen Schilderungen selbst wiederentdeckt. Gleich zu Beginn nimmt einen der Autor mit auf eine Zeitreise in die eigene Kindheit. Sein plastischer und kurzweiliger Erzählstil beschwört Bilder und Gefühle herauf, an die sich die meisten Leser noch erinnern dürften. Sein Buch ist ein wirkliches Plädoyer für mehr Selbstverantwortung, mehr Autonomie und mehr Freiheit. Wir müssen es einfach nur tun, d.h. das Rad aus dem Keller oder der Garage holen, aufsitzen und losfahren. Dann gewinnen wir wieder die eigene Realität zurück. Außerdem ist Radfahren natürlich das effizienteste, gesündeste (ein Aspekt, der in Augès Buch etwas zu kurz gekommen ist) und demokratischste Fortbewegungsmittel, das man sich nur vorstellen kann. Ich stimme Augé daher unbedingt zu, wenn er am Ende feststellt, dass das Radfahren ein Humanismus sei. Dem Autor und dem sehr schön gestalteten Buch aus dem Verlag C.H.Beck (gebunden, mit Schutzumschlag und mit 12 Illustrationen von Philip Waecher) wünsche ich sehr viele Leser, die sich vom Inhalt anstecken und motivieren lassen. Für jeden echten Radfahrer ist es auf jeden Fall eine tolle Geschenkidee!
Christoph Müller 19.08.2024 amazon.de
Marc Auge gehört zu den zeitgenössischen Denkern, die man eigentlich einmal persönlich kennenlernen möchte. Es ist nicht nur so, dass er heiter und wohlgesonnen auf die Phänomene des Alltags blicken kann. Dem Ethnologen und Philosophen Auge gelingt es, sehr fokussiert Erscheinungen zu beobachten und zu beschreiben, dass die Sicht auf die Welt stets von Optimismus geprägt ist.Was ist es, was den Publizisten Marc Auge auszeichnet ? Er hat die unglaubliche Fähigkeit, die Gegenwart zu beobachten und sie zu kommentieren. Er hat dass unfassbare Vermögen, das offensichtlich Alltägliche in eine Form zu gießen, wo dem Leser nichts anderes übrigbleibt als es als Lebenskultur oder gar Lebenskunst hinzunehmen.Mit dem Buch „Lob des Fahrrads“ ist es Auge wieder einmal gelungen. „Feinsinnig preist Auge eine ganz reale Utopie: den Humanismus des Radfahrens“, steht es auf dem Buchumschlag. So wird der Bogen deutlich, den Auge spannt. Das Banale bekommt eine tiefgründige intellektuelle Konnotation.Es ist eine Utopie, die Auge immer wieder in Spiel bringt. Radfahren bekommt etwas Politisches. Radfahren bekommt etwas, an dem offensichtlich wird, wie sehr sich die Gesellschaften verändern. So hält sich Auge nicht zurück, das Radfahren einer Pack-an-Mentalität näher zu rücken. „... aber sobald wir im Sattel sitzen, verändert sich alles und wir finden uns wieder, wir nehmen uns selbst wieder in die Hand“, schreibt Auge.In der urbanen Wirklichkeit ist man selber der Überzeugung, dass es doch Sinn macht, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen, einfach um es leichter zu haben, um vom Start zum Ziel zu kommen. Auge gibt dem Radfahren etwas Existentielles: „Ich radle, also bin ich.“Diesen Mut muss der zeitgenössische Mensch erst einmal gewinnen, um die eigene (Fort-)Bewegung mit einem solch klaren Bekenntnis zu verbinden.Auge zeigt in dem Buch auf, wie sehr sich die ideelle Geschichte einer großen Radtour wie der „Tour de France“ verändert hat und somit auch Folgen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung zur Folge hatte. Er illustriert, wie sich das Fahrradverleihen in einer Metropole wie Paris verändert hat. Und noch viel eindrucksvoller: wie es die Menschen und ihr Verhältnis zum Fahrrad angepasst hat. In die Zukunft schaut er gleichzeitig auch und gibt dem Leser Nachdenkliches mit auf den Weg durch die Straßen: „Dass der Gebrauch des Fahrrads die Gelegenheit bietet, diese Grenzen und Ränder neu zu zeichnen, bislang unbekannte Strecken zu erfinden und die reale Stadt – die der alltäglichen Nutzungsformen, Austauschprozesse und Begegnungen – neu zu konfigurieren, darin liegt die neue und überraschende Möglichkeit, die sich vorsichtig abzeichnet und uns die seltene Möglichkeit eröffnet, ohne Angst und Unbehagen Zukunftsvorstellungen zu entwickeln.“Denker und Schreiber wie den Ethnologen Marc Auge braucht die Zeit. Seine Rolle scheint es zu sein, am Rande einer Straße zu stehen und den Blick auf die Alltagsphänomene zu verändern. Man muss nur die Gelegenheit annehmen, die Trinkflasche während der eigenen Radtour anzunehmen und für die eigene geistige Erfrischung sorgen.
Volker Jentsch 19.08.2024 amazon.de
Schön und gut, aber sollte Marc Augé nicht doch wieder zur Erde zurückkommen? Etwas zu viel des Guten finde ich. Fahrradfahren im poetischen Raum? Die Poesie schreit auf, wenn sie das hört. Fühlt sich möglicherweise vergewaltigt und missverstanden. Denn wenn ich mich aufs Rad schwinge, um der Stadt zu entkommen, die im heftigen Widerspruch zum Autor nichts fürs Rad ist, jetzt nicht und auch nicht für die absehbare Zukunft, wenn ich dann rauf auf die Berge fahre, da verläßt mich regelmäßig die Lyrik, da erinnere ich mich eher an Churchills "Blut, Schweiß und Tränen". Klar, man kann aus dem Fahrrad etwas ganz anderes machen; aber dann redet man nicht mehr über das Fahrrad und dessen vielfältige Verwendung und achtbaren Nutzen, heute und morgen, sondern über die aufgemotzten Utopien des Herrn Augé. Doch wie sich zeigt, kann man ein Buch draus machen. Ein dünnes und leider zu teures, obendrein.
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