,,, denn es ist Effis Hochzeitstag. Es ist so ähnlich wie bei Sissi. Ein 17jähriges Landmädel, das gerade noch mit den Freundinnen im Garten herumtollte und die Schaukel benutzte, ist plötzlich in ein Korsett von Regeln und Zwängen eingeschnürt, in dem sie nur noch die Frau Baronin sein soll.Kernsatz: "Jeder ist der Richtige, er muss nur von Adel sein, eine Stellung haben und gut aussehen".Pikant: der Herr Baron wollte ursprünglich einmal die Mutter heiraten, die wies ihn ab, weil Briest "mehr darstellte" - jetzt heiratet er die Tochter. In den ersten Wochen ist alles berauschend und neu, aber dann wird Effi von ihrem Ehemann, dem karrierebewussten Landrat Innstetten, in das Ostseekaff Kessin verfrachtet, in dem es ausser den berühmten 3 Häusern und 4 Spitzbuben kaum etwas gibt. Auch im düsteren Wohnhaus ihres Mannes. in dem sie weniger wie eine Ehepartnerin, sondern wie ein wertvolles Besitztum gehalten wird, fühlt sie sich nicht wohl, langweilt sich bereits nach mehreren Tagen und beklagt ihren Ehemann als „Erzieher“. Die Atmosphäre ist schaurig, außerdem hat die verängstigte Effi den Eindruck, dass es im Haus spukt. Sie hat außer Repräsentieren nichts zu tun, die Hausarbeit erledigen die Dienstboten. Immer öfter sehnt Effi sich nach ihrer unbeschwerten und freien Jugend auf dem Landsitz Hohen-Cremmen ihrer Eltern zurück. Die Geburt der Tochter Anna ändert an diesen Umständen nicht viel.Da lernt sie den lebensfrohen Major Crampas kennen und beginnt mit ihm eine Affaire. Sie liebt ihn nicht, aber er ist ihr täglicher Ausbruch aus der gähnenden Langeweile und Sinnleere. Da kommt die rettende Versetzung ihres Mannes nach Berlin, und endlich ist ihr Leben einigermaßen so, wie sie es sich gewünscht hat: abwechslungsreicher. Aber innerlich entfernt sie sich trotzdem immer mehr von ihrem Mann.Durch einen dummen Zufall findet Innstetten Jahre später ein Päckchen aufgehobener Liebesbriefchen aus diesem Lebensabschnitt. Der Ministerialrat von altem Schrot und Korn, der nun in den 50ern ist, meint, das Problem auf konventionelle Weise anzugehen und erschießt den Liebhaber im Duell. Die Scheidung wird eingeleitet, Effi hat keinen Zugang mehr zu Haus und Kind, sie sieht es jahrelang nicht wieder. Auch ihre Eltern geben ihr zwar Geld, um in Berlin ein wenn auch karges Leben bestreiten zu können, ansonsten aber wenden sie sich von ihr ab: Sie bekommt einen Abschiedsbrief mit Banknoten darin. Es zieht Effi den Boden unter den Füßen weg und ihre sowieso schon zarte Gesundheit kippt um. Eine letzte Begegnung mit ihrem Kind Anna nimmt ihr den restlichen Lebensmut.Erst nach 3 weiteren Jahren haben die Eltern ein Einsehen und holen Effi zurück nach Hohen-Cremmen. Es ist zu spät. Ein Lungenleiden ist zu weit fortgeschritten und Effi stirbt mit noch nicht einmal 30 Jahren. Die Eltern fragen sich im letzten Abschnitt tatsächlich, ob ihre Tochter nicht mit 17 Jahren für ein solches Leben doch zu jung war. Eine Ehefrau, egal welchen Alters aus besseren Kreisen, war in dieser Zeit nunmal eine schön zurechtgemachte Schaufensterpuppe, keine Partnerin auf Augenhöhe, die meisten Adels-Ehen arrangiert. Wer sich als Ehefrau „vergaß“, war persona non grata. Wurde mehrmals verfilmt und oft im Deutschunterricht eingesetzt. Kleinere Schulkinder vergessen oft, dass es damals keinen Fernseher und kein Internet gab - ein isoliertes Leben, das stickend im Wohnzimmer abgesessen wird, können sie sich heute nur sehr schwer vorstellen. Auch wir haben den Stoff "durchgekaut", und auch wir haben uns buchstäblich mit zu Tode gelangweilt und die enthaltene Gesellschaftskritik Fontanes gar nicht gesehen.
"Effi Briest" von Theodor Fontane ist ein zeitloser Klassiker der deutschen Literatur, der auch heute noch fasziniert und berührt.Die Geschichte von Effi Briest, einer jungen Frau aus der preußischen Oberschicht des 19. Jahrhunderts, ist eine fesselnde Darstellung von Liebe, Ehe und gesellschaftlichen Konventionen. Fontanes feinfühlige Charakterzeichnungen und seine präzise Beobachtungsgabe machen die Figuren lebendig und greifbar.Besonders beeindruckend ist Fontanes Fähigkeit, die Stimmung und Atmosphäre der Zeit einzufangen. Die Beschreibungen der Landschaften und Orte verleihen dem Roman eine besondere Tiefe und machen ihn zu einem atmosphärischen Leseerlebnis."Effi Briest" behandelt zeitlose Themen wie die Einsamkeit der Protagonistin, die Zwänge der Gesellschaft und die Macht der Moral. Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt und lange nach der Lektüre in Erinnerung bleibt.Insgesamt kann ich "Effi Briest" allen Literaturliebhabern wärmstens empfehlen. Es ist ein Meisterwerk der deutschen Literatur, das auch nach über hundert Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat.
Fontane hat damals bestimmt ein Buch veröffentlicht, dass viel Aufsehen erregte. Schließlich ist Effi Briest weder heroisierend noch typisch für das späte 19. Jahrhundert. Dafür ist es wohl insgesamt ein sehr schönes Buch, das bestimmt das beste aus der Epoche des Realismus in unserem Raum hier ist.Allerdings ist es nicht einfach, Effi Briest zu lesen.Wer "Irrungen, Wirrungen" kennt, ein Buch mit ganz ähnlichem Hintergrund, nur etwas älter und nicht ganz so vielschichtig, sollte sich mal mit der Materie dahinter beschäftigen. Beispielsweise zeigen die ersten drei Kapitel in Fontanes Büchern (soweit ich das nun weiß) immer schon repräsentativ die Entwicklung des ganzes buches auf. Fontane zwängt die Geschichte in einen gewissen Rhythmus, den wir für "Irrungen, Wirrungen" mal unter die Lupe genommen haben. Bei Effi Briest ist es ähnlich, das Buch gibt also "zwischen den Zeilen" viel mehr her, als man ahnt. Alles was passiert hat eine Bedeutung für Fontane, man kann ständig Metaphern für das Geschehen und die Zukunft entdecken, man muss sich nur daran gewöhnen, Ausschau nach solchen Zeichen zu halten.Effi Briest ist meiner Meinung nach daher kein einfaches Buch. Ich habe es "einfach so" gelesen, in etwa drei Wochen Abends, da es Fontanes Sprache nicht einfach macht über die Zeilen zu fliegen, ein wenig Aufmerksamkeit verlangt er schon. Noch mehr als das wäre allerdings nötig, um das buch wirklich zu würdigen. Wer daran keinen Spaß hat, der kann Effi Briest natürlich bei einem Schleuderpreis wie diesem gerne ausprobieren, aber es ist eben nicht unbedingt jedermanns Sache, dass Fontane über eine Seite hinweg den Garten der Briests beschreibt und versucht die Szenen so Detailgetreu wie möglich wiederzugeben.Ein wenig erinnerte mich das an ein Hörspiel, der Erzähler, wie Joachim Kerzel beispielsweise mit einer beruhigenden alten Stimme, schien manche Teile so schön auszuschmücken, dass ich gar nicht weiter auf die Handlung geachtet habe. Die steht nämlich nicht immer unmittelbar im Vordergrund, Fontane scheint vielmehr alles als Gesamtwerk wiedergeben zu wollen.Wer Spaß an all sowas hat und mal ne Stunde Zeit für Recherche opfern möchte an einem Wintersonntag oder so, der sei angehalten sich Effi Briest zuzulegen. Mit ein bisschen Mühe lässt sich da so einiges rausholen. In ein paar Jahren nehme ich mir das auch noch mal vor. Mal sehen, was sich mir dann so eröffnet