Asta Scheib wurde 1939 in Bergneustadt/Rheinland geboren und ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie hat einige biographische Romane geschrieben. Heute lebt sie mit ihrer Familie in München.In diesem Roman (erschienen 2009) wird die Lebensgeschichte des "staatenlosen" Malers Giovanni Segantini erzählt. Im ersten Teil wird die schwere Kindheit von Segatini (den Buchstaben "n" fügt Giovanni selbst in seinem Namen später ein) aufgerollt, seine Beziehung zu seiner schwer kranken Mutter und zu seinem Vater, der nichts von ihm wissen wollte und ihn nach dem Tod der Mutter zu einer Tante nach Mailand brachte, die ihn aber auch ziemlich gefühlskalt behandelte. Insgesamt verbrachte Segatini seine Kindheit und Jugend in äußert ärmlichen Verhältnissen. Er verbrachte einige Jahre in einem Waisenheim und war immer auf sich selbst gestellt, ohne Liebe, zum Teil ohne Essen, ohne Geborgenheit. Sein Lebensgeist wurde erst von der Malerei entfacht. Als er zum Spaß zu malen begann erkannte jeder, der seine Bilder ansah, sein Talent und irgendwie schaffte er es sogar auf der Kunstakademie von Mailand zu studieren. Er konnte zwar kaum lesen und schreiben, das holte er später auf, aber durch seine Bilder wurde er bald bekannt. Er verliebte sich in jungen Jahren in die Schwester eines Studienkollegens, mit ihr blieb er bis zu seinem Tode liiert. Sie durften zwar nicht heiraten, weil er keine Staatsbürgerschaft hatte, trotzdem lebten Luigia Bugatti, eine bürgerliche, gebildete Frau und Giovanni zusammen, als wären sie verheiratet. Beide galten als große Idealisten, denn sobald sie etwas Geld hatten, gaben sie es sofort für Dinge aus, die sie nicht unbedingt zum Leben brauchten, sie luden zum Beispiel berühmte Maler, Politiker und Schriftsteller zum Essen ein, obwohl sie selbst vier Kinder hatten und nicht viel zu essen. Champagner, Blumen und Häuser wurden gekauft und man sorgte nicht vor. Segantini arbeitete trotzdem viel, malte hauptsächlich Porträts und Landschaften, stieg dafür oft auf dem Berg hinauf, und malte dort stundenlang unter den schlimmsten Wetterbedingungen. Die Familie wohnte hauptsächlich im Engandin, in der Schweiz, wobei Giovanni nur die italienische Sprache beherrschte.Asta Scheib hat mit diesem Buch eine sehr schöne, idyllische Geschichte geschrieben. Ein Künstlermilieu kommt zum Vorschein, der typisch für Maler und Künstler aller Art ist. Wichtig sind die Ideale und das Geistige und nicht so sehr das Materielle oder das Geld. Die Verschwendung, der Überfluss zählt mehr als die Notwendigkeit. Natürlich ist es der Familie Segantini hoch anzurechnen, dass sie trotzdem vier Kinder großgezogen hat.Stark betont werden im Buch immer wieder der Lebenswille dieses Malers und seine Liebe zu Luigia. Trotz seines schlechten Starts im Leben, oder gerade deshalb, gelingt es Segantini fast seine gesamten Träume in die Tat umzusetzen. Er ist ein Berufener und Begnadigter. Den Glauben an die Liebe, an Gott und an das Gute nimmt er nicht aus dem gewöhnlichen, allgemein anerkannten religiösen Glauben der katholischen Kirche. Im Gegenteil, er weigert sich in die Kirche zu gehen und jene Rituale mitzumachen, die damals - Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gerade in Dörfer - von höchster Wichtigkeit und Normalität waren. Segantinis Glaube kommt aus seinem ganzen Wesen, aus einem Inneren. Dieser Lebenswille gepaart mit der Liebe zu Luigia - seiner starken, liebevollen Frau - lässt das Leben von Segantini als vollkommenes Leben erscheinen.Der Titel "Das Schönste, was ich sah" ist ein Zitat von Friedrich Nietzsche, den Segantini im Engadin bald getroffen hätte, wenn Nietzsche nicht bereits krank gewesen wäre.Fazit: ein idyllischer Roman