Offen, bescheiden, sympathisch. Hier erzählt ein Autor von seinem Handwerk, ganz ohne Verklärung oder Dramatisierung. Dabei liest sich dieser authentische Einblick flüssig und vermittelt zahlreiche Tipps und Anregungen. Hundertprozentige Empfehlung, nicht nur für Murakami Fans!
Der Inhalt überrascht. Selbst dann, wenn man ohne Erwartung und nur mit Neugier daran herangeht. Der Autor schreibt über sich selbst. Das ist nichts grundlegend Neues. Das tun auch andere Autoren. Aber Herr Haruki Murakami hat über sich und über den Prozess des Schreibens gut nachgedacht und dabei Erstaunliches über sich selbst zutage gefördert. Was man damit anfangen kann? Ich weiß es nicht.Vielleicht lohnt es sich, weil es sich immer lohnt, klugen gedanekn kluger Köpfe zu lauschen. Vielleicht kommt man auch zu der Erkenntnis, dass es für einen Schriftsteller nicht das Schlechteste ist, etwas über sich selbst zu erfahren. Das wäre schon sehr viel. Vielleicht geht es einem auch so wie bei der Lektüre seiner Bücher. Man liest sie und beendet sie mit dem Gefühl, sie wohl nicht völlig verstanden zu haben. Und trotzdem bleibt man fasziniert zurück. Nun, dann liest man sie eben noch ein zweites Mal und wird erneut fasziniert sein. Ist das nicht großartig? Doppeltes Lesevergnügen für das man nur einmal zahlt? Großartig!
Als großer Murakami-Fan habe ich mich auf "Von Beruf Schriftsteller" sehr gefreut und 240 Seiten später bin ich nun im Großen und Ganzen zufrieden, wenn auch etwas verwundert. Der Titel dieses Buchs ist tatsächlich irritierend, denn Murakami gibt nicht allzu viele Einblicke in seinen Beruf bzw. sein Leben als Schriftsteller, sondern erzählt immer wieder drumherum. Am spannendsten fand ich den Abschnitt, in dem er chronologisch schildert, wie alles seinen Lauf genommen hat, wie sein Leben in seinen Zwanzigern verlief und welche Erfahrungen er am Anfang als Schriftsteller machen durfte und musste. Dieser Abschnitt liest sich wahnsinnig gut und unterhaltsam.Danach schweift Murakami immer wieder ab und sinniert auf eine repetitive Weise über Themen wie Literaturpreise, seine Lektoren, seine schulische Ausbildung usw. Dabei hat man das Gefühl, es würde ein roter Faden fehlen. Sicher, alles führt schon irgendwie in Richtung Schriftstellerdasein, aber zwischendurch liest man seitenlange Passagen, in denen Murakami weit ausholt, um am Ende doch nicht besonders viel zu sagen.Murakami reflektiert immer wieder über seinen Werdegang als Schriftsteller, gibt aber leider nur selten direkte Einblicke in sein Privatleben und schildert äußerst sporadisch konkrete Situationen. Ich kann daher gut nachvollziehen, wenn "Von Beruf Schriftsteller" manche Murakami-Fans enttäuscht zurücklässt. Die große Bühne sucht der japanische Autor auch in diesem Buch nicht. Das Meiste bleibt vage, ungreifbar und allgemein. Murakami begründet das mit seiner Bescheidenheit und seiner immer noch stattfinden Weiterentwicklung als Schriftsteller. Am Ende gibt es sogar ein zusätzliches Kapitel, in dem er darauf eingeht, dass diese Essay-Sammlung vielen persönlichen Wandeln, Stimmungsschwankungen und sonstigen Veränderungen unterlag und er daher sein Bestes versucht hat, alles unter ein Dach zu bringen. Tja, das Volatile merkt man diesem Buch an.Nichtsdestotrotz hatte ich großen Spaß mit "Von Beruf Schriftsteller". Es liest sich stellenweise so, als hätte Murakami einen Roman über sich selbst geschrieben. Die eine oder andere Anekdote bleibt zudem hängen und regt zum Nachdenken an. Es ist nun mal ein Buch für große Murakami-Fans - eine Art indirekte Kontaktaufnahme mit seinen Lesern. Ein Q&A in Buchform. Man sollte also genau wissen, was man hier kauft, sonst kann man schnell (negativ) überrascht werden.