Die Geschichte ist, gleichwohl fiktiv, gut recherchiert sowohl was Nietzsche als auch Dr. Breuer bertraf, es gibt Einblicke in die Philosophie Nietzsches als auch Hysteriebehandlung und der damit zusammenhängenden Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse. Ich verstehe Nietzsches Philosophie des Übermenschen, der mit dem Hammer auf die Philosophie einschlägt, viel besser, nachdem ich etwas über Nietzsche und die Welt, in der er lebte, erfahren habe. Nietzsches Philosophie ist in ihrer Basis zunächst ja ausgesprochen "anti-orientiert" (ua antimoralisch, antidemokratisch, antisozialistisch, antiintellektuell, antifeministisch, antichristlich), man kann sagen er lehnt vorneweg, also a priori, "Überbauten", die dem Menschen als "gut" aufgedrückt werden und ihn vorformen sollen ab. Seine Befreiung des Menschen hat psychotherapeutische Züge, indem er sagt, zunächst ist das unverstellte Wesen des Menschen seine Selbstverwirklichung unter Einsatz dessen, was ihm natürlich gegeben ist, nämlich seines Willens und der Macht, die er hat. Erst wenn unter diesen Bedingungen der Mensch seinem Wesen nach innerlich frei ist, kann er selbst a posteriori, im Nachhinein, entscheiden, wie er zur Welt steht. Das ist ein durchaus psyvhotherapeutischer Ansatz, und wohl nicht zufällig in der Zeit entstanden, als auch die Grundlegung der Psychoanalyse begann.Auch Dr. Breuer wird als Mensch genau gezeichnet, er ist nicht bloß literarischer Sparringspartner von Nietzsche, hier gefällt mir besonders, wie herausgestellt wird, das der Patient auch für einen Internisten oder Allgemeinarzt mehr als nur ein Körper ist, sondern ein leibliches Wesen mit Körper und Geist. Zweitens, und fast noch wichtiger, kann Dr. Breuer anderen Menschen nur dann gut helfen und seine helfende ärztliche Arbeit (optimal) verrichten, wenn er selbst ein sicheres Fundament mit geistiger Gesundheit hat, mit sich und seiner Umgebung "im Reinen" ist, nicht selbst gravierende ungelöste Probleme mit sich herumschleppt.All diese Dinge sind heute genau bedeutsam wie damals, wer sich dafür interessiert, kann das Buch wärmstens empfohlen werden, zumal es sich unterhaltsam und kurzweilig liest.