Die Kultur der Ambiguität: Eine andere Geschichte des Islam
Religionsgeschichte EAN 9783458710332

Die Kultur der Ambiguität: Eine andere Geschichte des Islam

Hersteller: Verlag Der Weltreligionen  ·  MPN: 1059419
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Produktbeschreibung

Eine andere Geschichte des Islam

Bewertungen & Erfahrungen

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Redaktion 26.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessantes Buch, das einen neuen Blick auf die Geschichte des Islam bietet, allerdings fand ich einige Passagen etwas zu dicht.
online-besteller 30.08.2023 amazon.de
Sehr gut geschrieben, vermittelt Hintergrundinformationen über den Islam, die das übliche Alltagsbild deutlich revidieren.
Fidel 30.08.2023 amazon.de
Die islamische Welt befindet sich unter medialem Dauerbeschuss. Oft melden sich Experten zu Wort, voller Selbstbewusstsein strotzend, die in wenigen Minuten „das Wesen des Islams“ erläutern möchten, obwohl sie selbst keinen einzigen arabischen Buchstaben lesen können. Auch die Anhänger der sogenannten „Wahren Religion“, diese IS-Muslime, zeigen nur ein Zerrbild des Islams. Und so zerren Beide Parteien an der Religion herum, ohne zu merken, dass ihr Bild vom Islam durch und durch islamisiert und voller Vorurteile ist.Wenn am Hindukusch der Alkohol und die Musik verboten werden, dann tönt es sogleich in den westlichen Medien: „Islamisten wollen die Scharīʿa einführen und leben wie im Mittelalter!“ Welch Hirngespinste der Redaktionen, da es in der Geschichte kein einziges Buch gab, welches das Wort “Scharīʿa” im Titel trug. Da der Bruch zwischen Antike und Mittelalter, wie ihn der Westen erlebte, im islamisch-arabischen Kulturraum nicht stattfand, wäre es sinnvoll, auch nicht davon zu sprechen. Der Westen weiß genauso wenig wie die IS-Muslime, wo der Islamismus endet und der Islam beginnt. Die Grenzen sind verwischt, doch seit wann? Islam ist Islamismus und umgekehrt. Als Kinder lernten wir das Sprechen. Wird es nun nicht an der Zeit, als Erwachsene das Zuhören zu lernen?Prof. Dr. Thomas Bauer erzählt in seinem Buch „Die Kultur der Ambiguität“ eine andere Geschichte des Islams. Der Autor beschreibt eine kulturelle Geschichte, welche diametral dem zuwider läuft, was die westliche Welt der islamischen vorwirft. Er wiederlegt in etwa 400 Seiten die Thesen der Orientalisten, welche alle Bereiche des kulturellen Lebens als „islamisch“ bezeichnen. Nicht nur den Wissenschaftler der Orientalistik wirft Thomas Bauer dies vor, sondern auch der wahhabitischen Strömung, welche ebenfalls die Augen vor der Vielfalt und Mehrdeutigkeit in der islamisch-arabischen Kultur verschließt. Thomas Bauer erzählt dem Westen eine unbekannte Geschichte des Islams. Eine Geschichte, welche einem Feuerwerk der Mehrdeutigkeit gleicht, die am Anfang des Islams begann und bis in das 19. Jahrhundert hinein reichte.„Im Laufe des 20. Jahrhunderts findet ein Prozess statt, der oft fälschlich als ‚Re-Islamisierung‘ bezeichnet worden ist, in Wahrheit aber die Neuschaffung des Islam als einer Ideologie ist, die die Strukturen westlicher Ideologien aufnimmt und nach dem Scheitern westlicher Ideologien in der islamischen Welt als die einzige ‚eigene‘ Alternative verstanden wird.“ (S.52, Z.4 ff)In den ersten Kapiteln führt Prof. Dr. Thomas Bauer einleitend an, was er unter kultureller Ambiguität versteht, da der Begriff der Ambiguität bislang nur in der Sprachwissenschaft Verwendung fand. Ob Gott mit Varianten spricht, dass ist die Frage, welche Thomas Bauer im dritten Kapitel beantworten möchte. Und wenn es um die Mehrdeutigkeit des Koran geht, dann ist diese Frage „definitiv zu bejahen“ (S.56). So führt der Autor „die unerschöpfliche Vielfalt der Lesearten“ (S.74) des Korans an, wovon mindestens zehn von den Gelehrten anerkannt wurden und stellt dieser Vielfältigkeit, in der mehrere Interpretationen nebeneinander bestehen können, die Einfältigkeit, welche eine deutliche Ambiguitätsintoleranz erkennen lässt, als eine „salafistische Geschichte“ (S.68) gegenüber. Im Bereich der Koranwissenschaft gelingt es dem Autor eine mannigfaltige Vielfalt darzulegen. Ähnlich verhält es sich mit der Hadithwissenschaft und den vier anerkannten Rechtsschulen, sowie ihren verschiedenen Lehrmeinungen.Im sechsten Kapitel plädiert Prof. Dr. Thomas Bauer dafür, dass der „islamischen Kultur keine prinzipiell höhere Religiosität zu unterstellen (ist) als anderen Kulturen“ (S.14). So sind z.B. weder die Medizin oder die Kunst als „islamisch“ zu titulieren. Es gab in der islamisch-arabischen Kultur keine kirchliche Definitionshoheit, die über Medizin, Recht, Politik, Literatur usw. herrschte. So skizziert der Autor ein Bild vom Islam, um dem Vorherrschenden entgegenzuwirken. In zahlreichen Beispielen demonstriert Thomas Bauer ein Bild von einem ambiguitätstoleranten Islam, welcher aber in den letzten 150 Jahren drastisch abnahm, da der Westen dazu neigt, seine ambiguitätsfeindlichen Ansichten anderen Völker aufzudrängen. Deutlich wird dies auch an der Diskurspluralität der Lust, Liebe und dem Sex, welcher sich das achte Kapitel widmet. Sexualität und jene Moralvorstellungen, die sich hinter diesem Begriff verbergen, galten bis in das 19. Jahrhundert hinein keineswegs als Sünde oder gar unnatürlich. Erst als die Kolonialmächte ihre prüde viktorianische Sexualmoral exportierten, wurde auch auf diesem Gebiet versucht, die Ambiguität auszumerzen.„Die antiken Vorstellungen von Liebe, Sex und Familie lebten jedoch nicht im Westen, sondern im Nahen Osten fort, wo sie bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts literarisch Ausdruck fanden, ehe sie durch westlichen Einfluss zum Schweigen gebracht wurden.“ (S.290)Das Buch „Die Kultur der Ambiguität – Eine andere Geschichte des Islams“ offenbart dem Leser eine traurige Historie des einstigen toleranten viel- und mehrdeutigen Islam, von welchem nur wenig übrig ist. Es ist ein Spiegelbild und eine bittere Wahrheit an unsere westliche Kultur. Prof. Dr. Thomas Bauer gelingt es, einen Islam zu charakterisieren, der über viele Jahrhunderte hinweg ambig und voller Vielfallt war. Gerade das sechste “Scharnierkapitel” macht deutlich, dass nicht nur im religiösen Diskurs eine Ambiguität vorherrschend war sondern auch im weltlichen Diskurs. Obwohl auf gesellschaftlichem Gebiet die Demokratie die größte westliche Errungenschaft in Sachen Ambiguitätstoleranz ist, wird sehr deutlich, dass der Westen an der Mehrdeutigkeitsfeindlichkeit nicht unbeteiligt war.
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