Helge Schneider hat sich ja schon an die Parodie vieler literarischer Genres gewagt: Nach zahlreichen Krimis, Biographien und zuletzt seinem genialen "Expeditionsroman", nimmt sich Helge mit den "Memoiren des Rodriguez Faszanatas" nun einen im biographischen Duktus einer "Lebensbeichte" verfassten "Picaro"-Roman vor, also einen Text über einen (mal wieder) gesellschaftlichen Außenseiter, der diesmal aber ein Trickser, ein Betrüger ist, der sich windig und lustig zugleich zu einem exklusiven Lebensstil verhilft. Es handelt sich um Rodriguez Faszanatas, einen der größten Heiratsschwindler, dem es mit Charme und Selbstvertrauen immer wieder gelingt, die Herzen reicher, zumeist ältlicher Damen zu erobern, und diese dann nach allen Regeln der Kunst "auszuziehen"; aber nur finanziell, denn der Running-Gag von der sexuellen Abstinenz, der bereits den Expeditionsroman "Globus Dei" durchzogen hat, er findet sich hier wieder. Der Herr Faszanatas kriegt sie alle, und zwar ganz ohne Sex. Nur einmal wird er mit vorgehaltener Pistole zum Beischlaf gezwungen"; überdeutlich ist an dieser Stelle dem geneigten Helge-Leser, wie der Humor dieses Schriftstellers auch hier in gewohnter Weise funktioniert, ohne sich dabei je abzunutzen.Das schöne an dem Heiratsschwindlermotiv ist die Tatsache, dass es den Stärken des Schneiderschen Schreibens, nämlich dem episodenhaften Aneinanderreihen nur lose zusammenhängender, filmsequenzartiger Episoden voller Absurditäten und regelrechten sprachlichen Slapstickeinlagen enorm entgegenkommt. So erzählen die "Bekenntnisse eines Heiratsschwindlers", trotz des Einstiegs im Kindesalter es Ich-Erzählers, keine stringente Lebensgeschichte, sondern sie funktionieren als einzelne, zumeist voneinander isolierte "Bekenntnisse" all der Frauengeschichten, die dieser Rodriguez Faszanatas so auf dem Kasten hat. Der ganz spezielle Humor dieser Episoden speist sich aus verschiedenen Quellen: Erstens entwickeln sich bestimmte Motive zu regelrechten Running-Gags, auf die man beim Lesen/Hören geradezu wartet, um angesichts der Erwartbarkeit dieser Dinge dann doch umso überraschter zu sein, wenn der Text sie dann liefert; hierzu zählen das (angebliche) Einhalten sexueller Abstinenz bei den Verführungsaktionen, die (angebliche) Siegesgewissheit des Erzählenden bei all seinen Vorhaben und ähnliche charakteristische erzählerische Momente. Zweitens glänzen die Schilderungen all der schwer reichen, verwöhnten, teils naiven, teils kühl berechnenden Frauen, die Rodriguez Faszanatas zu seinem eigenen Vorteil aufs Kreuz legt, mit dieser großartigen Mischung aus totaler Überzeichnung und Karikierung auf der einen, sowie großer empfundener Realitätsnähe auf der anderen Seite. Auch wenn man selbst kein Heiratsschwindler ist, diese Frauen-"Typen" hat man alle so oder so ähnlich schon mal irgendwo gesehen oder getroffen. Drittens, und hier unterschätzen Helge Schneider viele aus einem Vorurteil heraus, ist das Ganze nicht immer nur albern, sondern an vielen Stellen auch nachdenklich, melancholisch und gedankenreich, wenn auch nie ohne das nötige Augenzwinkern. Die vielen Schicksalsschläge, die Rodriguez im Laufe seiner "Karriere" erleidet, sein immer wieder aufblitzendes schlechtes Gewissen gegenüber den Frauen, denen er übel mitspielt, sein Stolz, wenn er auf eine große Erfolgsaussicht aus persönlichem Ekel vor einer korrumpierten Frau verzichtet - all das enthält eben ein Maß an Ernsthaftigkeit, das man nicht vernachlässigen sollte, wenn man auch den humoristischen Faktor hier am höchsten zu werten hat.Alles in allem ist Helge Schneider mit den "Bekenntnissen eines Heiratsschwindler" ein weiterer seiner zahlreichen literarischen Geniestreiche gelungen; ein Picaro-Roman, eine Reihung witziger Episoden, ein Kaleidoskop absurd anmutender Erlebnisse und melancholisch-gedankenreicher Reflexionen über das Leben am Rande und mitten in der Gesellschaft. Und das alles ohne Sex! ;-)
Eine Rezension zu einem Helge-Schneider-Buch schreiben zu wollen, ist ganz sicher nicht das Einfachste - wenn nicht sogar unmöglich!In diesem Helge-Buch erwartet einen mal wieder hanebüchener Irrsinn, unfassbarer Klamauk gepaart mit unglaublicher, literarischer Raffinesse.Ein Lese-Ereignis besonderer Güte.Kurzum: Man muss Ihn schon mögen, den Helge-Humor, um diesen geistigen Ergüssen folgen zu können!Aber: Ich kann dieses Buch absolut empfehlen.
Mit den Memoiren des Rodriguez Faszanatas bringt Helge Schneider nun schon sein viertes (selbst verfasstes) Hörbuch auf den Markt. Die Handlung ist gewohnt wirr und sprunghaft wie bei all seinen Büchern, nur leider nicht mehr so genial absurd wie etwa in den ersten drei "Komissar Schneider"-Romanen - daher nur 4 Sterne. Wer wieder mal in die fantastische Fantasiewelt des Helge Schneiders eintauchen möchte, in der alles möglich, aber nichts real ist, liegt auch bei diesem Hörbuch genau richtig.