‚Einerseits die Mutter Jesu auf den Madonnenbildnissen der europäischen Kunst, andererseits Madonna mit ihren größtenteils sexuell konnotierten Inhalten. Madonna nimmt den Namen, füllt ihn neu und dekonstruiert damit die in vielen patriarchalischen Gesellschaften gängige Einteilung von Frauen in ‚Heilige‘ und ‚Hure‘. Und genau diese Assoziation führe ich mir regelmäßig vor Augen, allein schon des eigenen Empowerments wegen: für ein Viva la Madonna in uns!‘ (CD 2, Track 1)Lady Bitch Ray erzählt in ‚Madonna‘, dem sechsten Band der KiWi Musikbibliothek, von Migrationshintergrund, Vorurteilen, Sexismus, Erotik, Feminismus, ihrer eigenen Karriere und ihren Frustrationen, die sie im Laufe ihres Lebens erlebt hat.Dabei dreht sich das (Hör-) Buch tatsächlich vor allem um Lady Bitch Ray selbst, bisweilen um den Einfluss, den Madonna auf die Rapperin und promovierte Sprachwissenschaftlerin hatte, um bestimmte Madonna-Lieder und auch ein wenig um Madonnas Leben und deren Karriere.Auch wenn es hier vor allem um Lady Bitch Ray selbst und weniger um Madonna ging, hat mir das Hörbuch gefallen. Ich hatte mich bis dato noch gar nicht mit Lady Bitch Ray beschäftigt, kenne kein einziges ihrer Lieder, und ich bin auch kein erklärter Madonna-Fan, obwohl ich durchaus bestimmte Lieder der Künstlerin mag und sie durch ihre Präsenz in den Medien natürlich irgendwie eine feste Größe in meinem Leben ist, da sie einfach immer da war, immer irgendein Album veröffentlicht hat, ihre Lieder immer im Radio liefen.Mir fand das Hörbuch gelungen, weil es zum einen großartig von der Autorin selbst gelesen wird, weil es zum anderen spannende Einblicke in die Sexismus-Debatte bietet. Zudem ist es wirklich ein Vergnügen, Lady Bitch Ray lesend oder hörend zu folgen, denn ihr (Hör-) Buch ist unterhaltsam, amüsant und teilweise richtig lustig.
Ich hatte schon einiges über die Reihe gehört, unterschiedliche Kritiken zu unterschiedlichen Ausgaben gelesen. Aber mir gefällt das Konzept, dass einem Künstler von anderen Künstlern näher gebracht werden, deswegen habe ich es angefordert. Ich hatte mehr Tiefe und schöne Geschichten erwartet. Leider war das in diesem Fall nicht so.Meine MeinungIch habe von der Autorin bereits "Yalla, Feminismus" gelesen - das war die bessere Wahl. Denn dieses Werk hat neben viel Autobiografischem auch ein paar Fakten zu spannenden Themen innerhalb des "Feminismus". "Madonna" ist dagegen überwiegend eine Autobiografie. Oder: die Darstellung einer Frau, die vieles erlitten hat. Ich finde, dass Lady Bitch Ray eine interessante Künstlerin ist, die viel zu sagen hat, auch wenn ich das Mittel dazu nur teilweise verstehe. Aber ich denke, dass dahinter sehr viel steckt. Aber die Quintessenz dieses Buches ist: Sie wurde von allen ausgenutzt, ausgenommen, weder in der Musik- noch in der Medienwelt ernst genommen und immer nur auf ihre Provokation reduziert. Beispielsweise erzählt sie, dass sie sich Kostüme schneidern ließ, weil sie sich als "Künstlerin", nicht nur als Musikerin sieht. Anstatt zu erzählen, wie sie das empfindet, wie sie die Kostüme designt, wie die Zusammenarbeit ist etc., erklärt sie, dass sie auf - nicht nur diesen - Kosten sitzen blieb, weil ihr Manager nicht richtig gearbeitet hat. Oder dass sie für Auftritte nicht richtig bezahlt wurde. Oder dass manche denken, Lady Bitch Ray hätte viel Geld, nur, weil sie berühmt ist. Das Buch erzählt von sovielen Dinge, die sie nicht geschafft hat.Gut fand ich das Buch auf den letzten 30 Seiten. Denn dort kommt Rays Depression und ihre Zeit in einer Klinik zur Sprache. Das war bedrückend, weil sie gelitten hat und manchmal nicht telefonieren konnte, weil sie gerade eine Paniktattacke hatte. Es war umso trauriger, weil manche Patienten nicht zwischen der Kunstfigur Lady Bitch Ray und der kranken Reyhan Sahin unterscheiden konnten. Ich mochte den Teil, weil neue Infos drin waren und es persönlicher wirkte.Und weil sie sich endlich mit Madonna auseinandersetzt. Während sie in den Kapiteln zuvor ein bisschen anklang und Ray die Bedeutung einiger Songs und Videos für ihr Leben herausarbeitete, stellt sie nun die Kritik dar. Dass Madonna die Diversity-Community bewusst für ihre Auftritte benutzte, um zu provozieren. Dass die Tänzer keine finanzielle Sicherheit hatten usw. Und ob es ok ist, eine Künstlerin zu mögen, bei deren Auftritten man nicht weiß, ob sie Mittel zum Zweck oder echt sind. Ich hätte gern mehr davon gelesen!Ich habe mich manchmal gefragt, ob das Buch nich genau das macht, was Ray kritisiert: Es reduziert sie auf ihre Rolle als hingefallene Provokateurin.FazitIch hätte das Buch gern gemocht, aber es gibt nicht vieles, was ich mitnehme. Es gibt einige wenige Stellen, die Potential für mehr geboten hätten. Es war so schade, dass es nur in 15 % des Buches wirklich um Madonna geht.