Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind
Philosophie EAN 9783492273381

Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind

Hersteller: Piper  ·  MPN: 1061614
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PIPER
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Produktbeschreibung

Seit Charles Darwin wissen wir: Wir sind kaum mehr als »nackte Affen«. Und doch erklären wir uns moralisch gern zu höheren Wesen. Aber was wäre, wenn uns gerade die Unterscheidung in Gut und Böse ins Unglück stürzte? Wenn es uns ohne Moral besser ginge? Michael Schmidt-Salomon, streitbarer Kämpfer gegen den Geist unserer Zeit, entlarvt den freien Willen und die religiös verankerte Aufteilung in Gut und Böse als Illusionen. Ein provokatives Buch mit einer wahrhaft erlösenden Botschaft - die erstaunliche lebenspraktische und gesellschaftliche Folgen hat.

Bewertungen & Erfahrungen

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3 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 3 vorliegenden Einzelbewertungen.

Wir bündeln Bewertungen aus verschiedenen Quellen und geprüfte Nutzerbewertungen von testmonster.de, um dir ein ehrliches Gesamtbild zu geben.

Redaktion 28.05.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine faszinierende und tiefgründige Erkundung der menschlichen Moral und unseres Platzes im Universum, die mich absolut begeistert hat. Die Argumentation ist brillant und lässt viel Raum für nachdenkliche Reflexionen.
Reinhard Dowe 21.07.2023 amazon.de
[... zu den Büchern „Jenseits von Gut und Böse“ Michael Schmidt-Salomon und „Die Macht der Meme“ Susan Backmore ...]Morgen gehe er zur Landwirtschaftlichen Genossenschaft – wir nannten es „Kornhaus“ – Dünger, Saatgut und anderes einkaufen, dies hatte mein Vater nachmittags zu meiner Mutter gesagt. Pferd und Wagen könne er sich bei der Bäuerin Sieverding ausleihen. Der Witwe, die allein den Hof mit ihren heranwachsenden Kindern bewirtschaftete, war „der Mann im Kriege geblieben“ – wie es der allgemeine Sprachgebrauch abmildernd formulierte. Der unermüdlich schuftenden Frau kam jede zusätzliche Einnahme gelegen.Ihre Nachbarn hatten in den Nachkriegswirren ein herrenloses, umher-streunendes Pferd eingefangen und es ihr überlassen. Es musste wohl mit dem Treck aus dem Osten gekommen sein, so wurde gemunkelt. Ein Eigentümer war nicht aufzufinden gewesen und hatte sich bisher auch nicht gemeldet. Es war ein rotbrauner, stattlicher Hengst mit einer schwarzen Mähne und einem langen, schwarzen Schwanz. Stolz trug es den Kopf mit den stets wachen Augen auf dem mächtigen Hals – als stände es dauernd „unter Dampf“. Die gute Pflege war ihm anzusehen und er „stand gut im Hafer“ – was wohlgenährt bedeutete. Es war bekannt, dass es vor Dampfloks scheute.Mein Vater hatte sich schon des öfteren diesen Hengst ausgeliehen und wenn er ihn zurück brachte, dann erlaubte er mir ab und an, ihn auf dem breiten Pferderücken reitend auf dem Heimweg zum Stall zu begleiten, während er das Pferd am Zaume führte. Für mich war das jedes mal eine Sensation, während meiner Mutter darüber das Grauen packte, weil mein Vater aus dem Ersten Weltkrieg einen Gehörschaden davontrug, der dann zum totalen Gehörverlust führte. Während ich jetzt auf dem Pferd ritt, hätte mein Vater weder ein von hinten nahendes, hupendes Fahrzeug wahrgenommen, noch das Pfeifsignal eines herannahenden Zuges, der in etwa 200 Metern Entfernung in einem Geländeeinschnitt hinter unserem Hause über Coesfeld nach Münster fuhr.Heute war es ein herrlich warmer erster Frühlingstag in der zweiten Märzhälfte, als ich zusammen mit einigen meiner Schulkameraden am frühen Nachmittag auf dem Heimweg von der Schule gerade den beschrankten Bahnübergang überquert hatte, in die Seitenstraße einbog und nach einer leichten Kurve die Straße zu unserem Haus überblicken konnte. Das Haus stand etwa 400 Meter entfernt hinter einem Hügel, über den die Überland-Hochspannungsleitung führte. Ich traute meinen Augen nicht! Ich sah unter der Überlandleitung ein Pferdegespann den Hügel hinunterrasen, das direkt auf uns zu kam. Das Pferd hatte vor dem Pfeifsignal der Dampflok gescheut und war durchgebrannt, gerade als mein Vater die hintere Wagenklappe verriegeln wollte, was ihm aber nicht mehr gelang.Ich blieb wie angewurzelt mitten auf der Straße stehen und breite meine Arme aus. Das Pferd rast auf mich zu und der Karren dahinter springt, holpert, klappert, droht zu kippen. Das Gespann braust heran, kommt näher und näher – noch 10 Meter, fünf ... Genau weiß ich nicht, was passierte. Ich bekomme die Zügel zu fassen und stemme mich gegen die Brust des Pferdes, rede auf es ein und tätschele den triefenden, klatschnassen schaumigen Hals. Doch es drückt mich zurück – einige Meter, dann bleibt es stehen, schnaubend mit aufgeblähten Nüstern und – zitternd. Der Kopf des Pferdes ragt hoch über mich hinaus. Ich verharre an seinem Hals und versuche es weiter zu beruhigen. Meine linke Wange, ja die ganze Gesichtshälfte und meine Schulter sind pitschnass vom dampfenden Angstschweiß des Pferdes und es roch widerlich. Und doch bin ich glücklich in diesem Augenblick und das Pferd stellt die Ohren nach vorn. ...Jetzt trifft mein Vater in seinen Holzschuhen ein: „Mensch, Junge! Bist du wahnsinnig? Das hätte doch schiefgehen können!“ „Ja, hätte, ist aber nicht!“, ich weiß nicht, ob ich es gesagt oder nur gedacht habe – aber er hätte es ja ohnehin nicht gehört. Er übernimmt die Zügel, dreht das Gespann und geht den Weg zurück.Nun schaue ich mich um und sehe, wie meine Schulkameraden aus den Vorgärten, den Hauseingängen und hinter den Hecken hervorkommen. Ich weiß nur, dass ich allein da gestanden habe und alle hatten sich in Sicherheit gebracht! Ich weiß auch nicht, was sie gesagt haben oder ob sie überhaupt etwas sagten. Auch meine Mutter, die erst gar nichts davon mitbekommen hatte und erst durch meinen Vater davon erfuhr, als er bereits das Pferd mit dem Wagen zu der Bäuerin zurückgebracht hatte, war ganz entsetzt und riet mir, so etwas nie wieder zu wagen. Ich empfand es so, dass mein Handeln wohl nicht gerade lobenswert gewesen sei.Warum war ich eigentlich stehengeblieben? Warum hatte ich die Arme ausgebreitet? Warum habe ich nicht einfach das weite gesucht – wie meine Schulkameraden? Warum spürte ich keine Angst? War ich nicht normal?Diese Fragen haben mich ein Leben lang begleitet – und ich scheute mich dieses Geschehen preiszugeben und irgendwo zu erwähnen. Erst im letzten Sommer – als meine Tochter mich zu einem Besuch in den Reitstall, den sie des öfteren zum Reiten aufsucht, einlud, erzählte ich ihr davon. Aber auch sie verstand es wohl nicht.Nachdem ich nun das Buch „Jenseits von Gut und Böse“ von Michael Schmidt-Salomon und erst recht das Buch „Die Macht der Meme“ von Susan Blackmore gelesen habe, beginne ich zu begreifen, dass ich gar nicht anders handeln konnte, als ich gehandelt habe. Ich habe die gesamte Situation wie einen Film erlebt, der einfach ablief und der für mich gar nicht veränderbar war. Mein ganzes „Handeln“ war weder heldenhaft noch mutig und meine Schulkameraden waren auch gar nicht feige. Ich führte lediglich nur aus, was mir mein Gehirn vorgab – ich hatte gar keine Wahl, keine Entscheidungsfreiheit! Ich war schlicht nur ein „Ausführender“ gewesen und kein „bewusst Handelnder“!Über 60 Jahre haben mich all diese Fragen nicht losgelassen, ja, sie haben mich gequält. In diesen beiden Büchern habe ich endlich die für mich überzeugenden und mich zufriedenstellenden Antworten und Erklärungen gefunden. Ich fühle mich besser und kann der Verfasserin und dem Verfasser nur dankbar sein.Übrigens: Mein Vater hat sich nach diesem Vorfall das Gespann nicht noch einmal ausgeliehen.
Siggi 21.07.2023 amazon.de
... bleibe ich nach dem Lesen dieses Buches zurück.Sehr gut gefällt mir die Auseinandersetzung des Autors mit den Religionen, und der Vergleich des Korans mit der Bibel.Denn obwohl es der Satz im Glaubensbekenntnis der Christen war, mit dem sie sich am Ende der Gottesdienste gegen alleNichtchristen einschwören "... um zu richten alle Ungläubigen" der mich zum Austritt aus der Kirche trieb, wusste ich bishernoch nicht, dass die Bibel für die Ungläubigen noch wesentlich schlimmere Strafen vorsieht als der Koran, und zwar sogar das Neue Testament.Mit nur dem Unterschied, dass die Christen die Strafen nicht selbst vollstrecken dürfen sondern "die Strafe Gottes sein lassen" müssen."Da Du Deinen Feind nicht töten darfst, würge ihn betend" schrieb dazu mal eine große Geisteskraft im Scherz.Die Geisteshaltung - Gnadenlosigkeit, Schadenfreude, Rache, Bessermenschentum, Doppelmoral - ist dieselbe und kann keine Ethik fördern und keinen Frieden auf Erden schaffen.Meine Einstellung zur Religion deckte sich aber schon vorher mit der des deutschen Psychoanalytikers Wolfgang Schmidbauer in seinemWerk " Warum der Mensch sich Gott erschuf" , das ich bei Amazon bereits rezensierte und hier zusätzlich empfehle.Weiter haben mich die hier aufgezeigten Unterschiede zwischen Moral und Ethik, bzw. die vom Autor aus dieser Differenzierung gezogenen Konsequenzen sehr angesprochen.Auch in meinen Augen gehört die Moral nicht zur menschlichen Natur sondern ist ein sie überschreitendes und überforderndes Konstrukt, das als Keule installiert wurde und der Angstherrschaft dienen soll.Brechts Spruch: "Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral" begleiten mich eh schon lebenslang, und auch der kluge Volksmund mit seinem: " Was dem einen sein Gut ist dem anderen sein Böse"Ja, alle Menschen sind sich gleich darin, dass sie glücklich leben wollen; wobei aber nie übersehen werden darf, dass sie das meist auf Kosten des Glückes anderer durchzusetzen versuchen; dieser gemeinsame Wunsch also nicht friedlich macht sondern aggressiv.Abgesehen davon befand Arthur Schopenhauer - der in diesem Buch zu meiner Freude oft zitiert wird, wenn auch nicht mit dem Folgenden - dass der größte Irrtum des Menschen darin liege, einen Anspruch auf Glücklichsein auf Erden zu haben.Denn dieser ist ihm niemals erteilt worden.Nach meiner eigenen Empirie sind Moralisten ( heute auch Gutmenschen genannt) allesamt saure Gurken, die das sog. Gute wollen - besser: es zu wollen, wollen zu können glauben, ohne "Hand auf`s Herz" - und genau damit das sog. Schlechte schaffen.Moral verlangt - wie der Autor besagt - bedingungslos Übermenschliches.Und kann daher nur geheuchelt werden; was nur zusätzliche innere Konflikte, Versagensängste, Selbsthass und Trotz auslösen kann und sich daher meist eher destruktiv als konstruktiv auswirkt.Abgesehen davon, dass die Moral - so wie der Autor es beschreibt- fast notwendig immer nur als Doppelmoral auftritt.Ethik dagegen ist nach Schmidt-Salomon an der Natur des Menschen orientiert- Eigennutz, so auch Schopenhauer- spricht mehr den Verstand und die Gefühle an als den Glauben, lässt mehr innere Freiräume, macht sich nicht an dem Denken und Fühlen in "In-Groups . /. Out-Groups" fest , schafft keinen Überdruck und keinen Trotz, und führt schon allein deshalb zu sozialerem Verhalten, für das mensch nämlich entspannt sein muss.Restlos überzeugt hat mich das Buch aber nicht.Zum Beispiel halte ich es für keine gute Idee, aus dem Strafrecht das Merkmal Schuld raus zu nehmen; und damit dann auch dieMöglichkeit eines Freispruchs bei Schuldunfähigkeit.Die hinter dieser Idee steckenden Überlegungen teile ich zwar.Aber wenn jemand nur noch für seine Tat als solche zur Verantwortung gezogen wird, dann müssten auch die bestraft werden, die ohne Vorsatz handeln, z.B. bei einem Verkehrsunfall.Auch glaube ich nicht, dass man einen Menschen mit einem einfachen: "Du kannst nichts dafür" automatisch auf einen besseren Weg bringen kann.Dafür kenne ich viel zu viele Menschen, die sich auf einer solchen ihnen erteilten Absolution ausruhen und nur noch Nachsicht einfordern für ihr destruktives, selbst- und andere schädigendes Verhalten, ohne eigene Empathie.Seit z.B. der Alkoholismus als Krankheit gilt, halten sich viele Alkoholiker für Inhaber eines Freibriefes und oft sogar für Heilige.Auch ich selbst komme mit Selbstdisziplin und Strenge besser voran; dass ich sie nicht immer an den Tag legen - wollen- kann, ändert an diesem Grundsatz nichts.Das zum Einen.Zum Anderen frage ich mich, wie es denn zu erklären ist, dass Menschen unter Zwang - wenn sie mit etwas bedroht werden, was sie wirklich fürchten - doch gegen ihren eigenen Willen handeln können.Also doch etwas wollen können, was sie ihren eigenen Voraussetzungen nach - der These des Autors und wohl auch schon unseremMeister Schopenhauer nach, dessen Hauptwerk ja dem Studium des Willens galt - nicht wollen können und daher auch nicht wie befohlen handeln können dürften, denn auch der Handlung muss ja ein eigenes Wollen voraus gehen.Wobei ich an die sog. Bootscamps denken musste, die angeblich ja mehr Erfolge erzielen darin, destruktive Menschen zum besseren und glücklicheren Lebenswandel zu führen, als liebevolle Nachsicht, Respekt für Nicht-Wollen-Können-Wollen und endlose Geduld.Die die sog. alte schwarze Pädagogik wieder ausgegraben haben; allerdings nicht dieses vermaledeite Gut und Böse.Ich frage mich derzeit - fertig mit diesem Buch - ob das Befolgenkönnen von zwingenden Zwängen - nicht doch gegen die These spricht, dass es keine Willensfreiheit, besser gesagt Wollensfreiheit, gibt.Denn zum Wollen gezwungen werden kann mensch nachweislich sehr wohl.Okay, es kommt dabei ja noch eine neue Bedingung hinzu, die ihm das Wollenkönnen ermöglichen mag.Die neueren Erkenntnisse der Gehirnforschung - auf die der Autor sich bei seiner These maßgeblich stützt und sie dem Leser vorführt-sind sicher auch noch nicht das Ende von diesem Lied, das die Menschheit beschäftigt seit homo sapiens über sich selbst nachdenkt und sich allein deshalb nicht mehr bei den Tieren oder in die Natur einordnet, sondern über ihr schweben zu können glaubt, sich für die Krone einer geisthaften Schöpfung hält.Und irgendwann die Menschenrechte erfand, über die die Natur, der auch diese Krone unterworfen ist, sicher nur den Kopf schüttelt.Dennoch eine unbedingte Leseempfehlung von mir.
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