Lange hat es gedauert, bis diese Neuerscheinung endlich draußen war. Und ich Suchti schaffe es nicht, den Lesegenuss länger als einen Tag zu dehnen. Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen, was teils meinem akuten Elwenfels-Entzug geschuldet ist, aber hauptsächlich der rasanten Geschichte, die die Autoren in diesem 4. Band der Reihe erzählen. Ich hatte mir vieles ausgemalt, was im Anschluss an den Cliffhanger im 3. Band passieren kann. Aber das???Die Autoren starten die Geschichte nicht wie erhofft mit der zügigen Erklärung, warum der Elwenfelser Kirchturm plötzlich schief steht. Das Buch beginnt mit einem Tagebucheintrag aus dem Jahr 1939. Zwei Geschwister aus Berlin sind in einem geheimnisvollen Auftrag in Elwenfels, um etwas zu suchen, das immense Bedeutung haben soll. Später kommt dann heraus - es ist der sagenhafte Nibelungenschatz. Und in der Jetzt-Zeit hat es tatsächlich den Anschein, als würde genau der in den freigelegten Gewölben unter der Kirche auftauchen. Und eine unbekannte, erstaunlich konservierte Leiche.Da gibt es also wieder viel zu ermitteln für Carlos Herb, der eigentlich untertauchen müsste, weil er ja bundesweit gesucht wird, angeblich wegen Mordes. In Elwenfels kann er sich nur noch inkognito oder unterirdisch bewegen, weil überall Polizei, Presse und Landesdenkmalamt unterwegs ist.Ich muss sagen, dieser Band schlägt die drei Vorgänger um Längen. Die Autoren haben in jedem Bezug mehrere Schippen drauf gelegt. Sprachlich, spannungsmäßig, von der Zeichnung der Figuren her und fürs Zwerchfell.Da gibt es diese Terra X - Szene im Rathaus, in der ein fettiges Tischtuch plötzlich zum Turiner Grabtuch erklärt wird oder ein alter Hut zur Kopfbedeckung des Indiana Jones, bei der ich aus dem Lachen nicht mehr herauskam.Die Autoren spielen leichtfüßig und sprachlich überragend mit dem Thema Mythen der Menschheitsgeschichte, Archäologie und Geschichte. Auch das Thema Drittes Reich kommt diesmal zur Sprache und die Frage: Wie sind die freiheitsliebenden Elwenfelser mit diesem Kapitel der deutschen Geschichte umgegangen? Wie haben sie auf den Nationalsozialismus reagiert. Die Tagebucheinträge, die zwischen die Kapitel geschoben wurden, erzählen diesen Teil der Geschichte sensibel, berührend, aber ohne Pathos. Überhaupt durchzieht dieses Buch trotz brachialer Komik und scharfer Satire ein zarter, emotionaler Ton, der ein ganz neues erzählerisches Gleichgewicht erschafft, das in den anderen Bänden noch im Wachsen war, wie es scheint.Die Geschichte beschäftigt sich diesmal vorallem mit Cordula, der schönen und etwas sonderbaren Dessousladen-Besitzerin, die eine der Archäologinnen ins Herz schließt und offenbart, warum es keinen Mann an ihrer Seite geben kann.Das Buch ist einfach wunderbar unterhaltsam, spannend und facettenreich mit unerwarteten Plot-Wendungen und unendlich vielen liebevollen Details, die zum Schmunzeln und Nachdenken anregen. Ich liebe diese Reihe einfach! Bitte mehr davon!