Bin gerade fertig damit und nach fünf Minuten Heulpause kann ich die Rezension endlich verfassen. Ich habe das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen, weil ich nicht aufhören konnte. Die Liebe zwischen Jonas und Josephine wird so unglaublich schön „erarbeitet“, dass man niemals den Gedanken kommt, dass ein Klischee bedient wird. Alle Charaktere sind absolut „well rounded“ und haben ihre eigene Persönlichkeit, manche wirken unsympathisch und man lernt sie erst mit der Zeit kennen und manche bleiben unsympathisch:DManche sind bis ins letzte Detail liebenswert.Aber am allermeisten habe ich Jonas und Josephine für ihre Persönlichkeiten geliebt. Jonas als Teenie, der eigentlich gerne noch voller jugendlichem Leichtsinn wäre, aber schon so erwachsen wirkt und Josephine, die abweisend wirkt und Jonas dadurch wehtut und nicht merkt, dass sie damit genau das Gegenteil von dem bewirkt, was beide eigentlich wollen. Nämlich glücklich sein. Die Kritik der „derben Jugendsprache“ verstehe ich nicht. Der Protagnist, gleichzeitig Erzähler, ist Jugendlicher, also muss er auch so sprechen, um authentisch zu sein! Fand auch die Gefühlsebene unglaublich gut geschrieben, man konnte sich perfekt in die Personen hineinversetzen und manchmal auch in die ein oder andere verlieben ;)Ich bin auf alle nach diesem Buch verliebt in Jonas, Josephine, Rosa, in den Schreibstil, in die Autorin, in die Liebe und ein kleines bisschen in Berlin, wo man anscheinend noch von echter, intensiver, unschuldiger, bedingungsloser Liebe träumen darf.Danke für dieses Buch.
Zugegeben, das aufwendig gedruckte Cover ist Geschmacksache und nicht so mein Ding. Das ist für mich aber ohnehin nicht kaufentscheidend. Aber es lässt eine Liebesgeschichte erwarten und die bekommen wir auch, eine die sich fernab von Kitsch und Klischees bewegt.Jonas ist 16, lebt in Berlin und ist mir von Beginn an sympathisch. Er ist einfallsreich, loyal, (über)mutig und selten um einen Spruch verlegen. Das Leben macht es ihm nicht leicht und er übernimmt viele familiäre Aufgaben und Verantwortung. Er bleibt hartnäckig, wo er es für nötig hält und ist dabei auch mal etwas (oder ganz schön) daneben - ganz wie ich 16-jährige Jungs kenne. Aber niemand ist perfekt und schon gar nicht ist es Jonas und sein Leben.Aus seiner Sicht wird der größte Teil der Geschichte erzählt, seine Erlebnisse, Gedanken, Gefühle und Sorgen. Wie er sich verliebt und um das Mädchen kämpft und auch wie er verliert. Das wiederzugeben ist der Autorin absolut authentisch gelungen. Es ist spannend, sehr realistisch, manchmal traurig, auch mal romantisch und ziemlich oft sehr witzig.Er trifft in der Berliner S-Bahn ein Mädchen, das ihn so fasziniert, dass er mit ihr lange weiter fährt.Das unbekannte Mädchen ist skeptisch und stur und, auf Grund ihrer Situation, wütend auf alle und alles. Immer wieder kann man aber hinter ihrer Fassade die unglaublich coole, wunderbare, starke, ehrliche und schlagfertige Person erkennen.Wie es mit den beiden weitergeht, erfahren wir im zweiten Teil des Buches.Es ist nicht nur eine Liebesgeschichte, es ist gleichzeitig eine Geschichte vom Wiederaufstehen und Weitermachen und wie schwer das fallen kann; vom einander beistehen, auch wenn die Situation schwierig ist; von Dingen, die so nicht sein sollten, aber in der Realität nun mal immer wieder passieren.Das alles wird trotzdem locker, leicht und mit sehr viel Humor und Detailfreude erzählt.Ich liebe es, wie bodenständig die Protagonisten sind, wie liebevoll und persönlich auch die Nebencharaktere dargestellt werden und sich entwickeln können und wie nachvollziehbar und realistisch die Geschehnisse sind.Und vor allem finde ich die Idee den ersten Teil - das Kennenlernen - mit einer Fahrt auf dem Berliner S-Bahn-Ring zu erzählen, sehr genial und wunderbar geschrieben. Diese Fahrt schildert die Autorin in kurzen Kapiteln mit witzigen Dialogen und großartiger Beobachtung für die Details rundum. Wer öfters in der Ringbahn fährt, wird viel wiedererkennen. Wer es nicht kennt - willkommen in Berlin.