Der dritte Fall von Beatrice Kaspary hat es in sich. Dieses Mal geht es nicht um Geocaching oder Facebook wie in den beiden vorigen Fällen, sondern um Morde in einer psychiatrischen Klinik. Und da sie sehr bizarr wirken, könnte im Grunde jeder der Täter sein, zumindest jeder, der die Kraft und notwendige Skrupellosigkeit an den Tag legen könnte, Patienten ebenso wie medizinisches Personal. Es beginnt mit dem Mord an einem jungen Arzt, dem neben Genauigkeit nur gute Eigenschaften bescheinigt werden. Warum hat er sterben müssen? Und was bedeuten die seltsam angeordneten Utensilien auf seinem Körper?Bea Kaspary konzentriert sich hoch engagiert auf diesen Fall. Nichts lässt sie außer Acht und beweist wieder einmal eine gute Kombinationsgabe und Intuition. Privat hat sie nicht nur weiterhin mit ihrem Exmann zu kämpfen, der jetzt sogar das alleinige Sorgerecht einklagen will, es ändert sich auch etwas an der Freundschaft zu ihrem Kollegen Florin Wenniger – aber mehr verrate ich nicht ;)Ich ziehe den Hut vor der Autorin. Es hat sich gelohnt, zwei Jahre auf den nächsten Thriller von ihr zu warten, denn die Umsetzung der interessanten Idee ist ihr auf ganz hervorragende Weise gelungen. Bis zur Auflösung habe ich nicht gewusst, wer dahinter steckt, habe bei weitem nicht alle Fäden erkannt und war selbst ziemlich überrumpelt. Die Spannung ist von Anfang an greifbar und nimmt zu keiner Zeit ab, sondern eher noch in einem rasanten Tempo zu, so dass ich buchstäblich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und Anteil nahm am Geschehen und den Figuren.Handlungsort ist wiederum Salzburg, doch die Szenerie, da absolut fiktiv, könnte ebenso in jeder anderen Stadt spielen. Auch ihrem Schreibstil bleibt die Autorin treu, flüssig, auktorial und da häufiger aus Beas Sicht, personal. Durch den auf dem Cover dargestellten Vogel – diesmal durch die Fensterfront eines Klinikums – ist der rote Faden durch die drei Bücher auch optisch sehr gut dargestellt.Kurz: Ich bin begeistert und bringe das durch 11/10 Punkte zum Ausdruck :)
Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau ;-), die Vorgänger, FÜNF und BLINDE VÖGEL, waren hervorragend und stehen immer noch in meinem Bücherregal.Ich komme später zu dem, was mir hier nicht so gut gefiel. Lobend anmerken muss man auf jeden Fall die sorgfältige Recherche, die absolut kompetent und glaubhaft wirkt. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, weder übertrieben noch irgendwie reißerisch. Die Geschichte ist sehr gut, teilweise raffiniert erdacht (ich spreche von dem Unfall), hat allerdings einige, für mich gravierende Logiklöcher.Kommen wir zu dem, was ich kritisiere.Florin, Beas Kollege, tritt hier in erster Linie als Ritter in glänzender Rüstung auf, als Traumprinz, der fast zu gut ist, um wahr zu sein (und daher fast ein wenig langweilig.) Beruflich beschäftigt er sich hauptsächlich mit der Presse und ist auch ansonsten im Hintergrund: im Vordergrund steht hauptsächlich Bea, die sich auch meist allein mit Zeugen und Verdächtigen befasst (was bei der Polizei absolut unüblich ist.) Das fand ich schade, weil es die Figur des Florin sehr einengt und ihn blass erscheinen lässt, zumindest als Ermittler.Ein Verdächtiger wird zu einer Art Polizeiberater herangezogen – im wirklichen Leben völlig unmöglich!Bea führt private Gespräche mit einer Verdächtigen – ebenfalls unmöglich im realen Leben.Der eitle Arzt, der eher an seine wissenschaftliche Karriere als an seine Patienten denkt – ein allmählich zu Tode gerittenes Klischee.Enttäuscht hat mich aber vor allem die Auflösung. Das Verhalten des Täters ist bar jeglicher Logik und sein Motiv auch eher banal. Um nicht zu spoilern, werde ich das hier jetzt sehr vorsichtig ausdrücken: er tötet mehrere Menschen … aber warum verschont er einen? Antwort: weil es die Geschichte so will! Das ist schwach, ebenso am Ende die Geschehnisse im Haus. Eine solche Entwicklung liest man in zu vielen Thrillern (ich drücke mich immer noch vorsichtig und daher etwas schwammig aus.) Und ähnliches geschieht auch in den Vorgänger-Büchern .Allerdings beinhaltet das Ende auch eine unerwartete Wendung/Neuigkeit und einen raffinierten Plan (Stichwort Unfall), das muss auf jeden Fall lobend erwähnt werden. Ebenso die Darstellung des Psychogramms der Patientin und die allmähliche, phantasievolle Aufdeckung der Gegebenheiten.Alles in allem eine Geschichte, die zeitweise spannender hätte sein können, deren Spannung am Ende dann aber anzieht; eine Geschichte, die zu lesen Spaß gemacht und mich auch bei der Stange gehalten hat, deren Auflösung aber durchaus logischer, stringenter und vor allem glaubwürdiger hätte sein können.