Inhalt: Der Engländer Sean landet in Frankreich, muss sich irgendwo verstecken. Da kommt von ungefähr ein recht merkwürdig wirkender Hof daher, der den Arnauds gehört: Papa Arnaud, ein zynischer komischer Kauz ohne jede Freundlichkeit in Person, die Töchter Mathilda und Gretchen, der Kleine Michel, Mathildas Sohn, und dann ein alter schräger Kerl, der sich um die Schweine kümmert. Eigentlich wollte Sean nicht auf diesem Hof landen. Aber er tappt in eine Falle von Papa Arnaud und wird notgedrungen und verletzt dort aufgenommen. Sean merkt, dass die Arnauds ‘ne Meise haben. Oder einfach jede Menge zu verbergen. Und auch er selbst hat so seine Geheimnisse. Kein guter Mix für die dramatische Hof-Zeit, wie er bald feststellen darf…Zum Buch: Soso, wo fängt man denn hier an? Vielleicht bei der Tatsache, dass „Der Hof“ ein sehr großes Vorfreude-Buch war? Wirklich, ich habe mich sehr drauf gefreut, weil so ziemlich alles zu stimmen schien: Autor, Inhalt, Cover. Top, top, top. Will ich lesen! Mit dieser Lese-Stimmung gings dann sogleich ins Buch hinein und die Erwartungen waren auch recht hoch. Im Nachhinein war das wohl nicht so eine gute Idee. Denn das Buch kann leider nicht ganz überzeugen.Aber noch mal von vorne: Es geht also um Sean, der auf einem seltsamen Hof strandet und sich so mit seiner Vergangenheit, die nach und nach aufgedröselt wird, und den abgedrehten Hof-Bewohnern herumschlagen muss. Nur… so ganz abgedreht war das ganze dann doch nicht. Also für meinen Geschmack viel zu wenig. Viel zu harmlos. Viel zu: mhhh, ja… interessant, aber DAS ist alles?Ich hatte geglaubt, dass da noch eine ganze Schippe mehr Wahnsinn kommt. Ansätze dessen sind ja durchaus vorhanden, aber am Ende wurde die Flamme, die man eben Wahnsinn hätte nennen können, doch recht klein gehalten. Warum nur? Es hätte so schön werden können! Ich hätte mich über Beklopptheiten, die der Autor bereits in anderen Büchern bewiesen hat, echt gefreut.Das Problem bei der Geschichte ist wohl einfach, dass sich nicht ran getraut wird. Alles bleibt irgendwie so oberflächlich. Selbst Sean, die Hauptfigur, die ich ja irgendwo mochte, hätte deutlich mehr von sich preisgeben können. Klar soll der Leser ihn geheimnisvoll finden und so, ist ja auch in Ordnung, allerdings waren die Geheimnisaufdeckereien um Mr Engländer-auf-dem-Hof dann doch zum Ende hin zu unspektakulär, um mitgerissen zu werden. Immerhin knallt der Autor mit der Auflösung der ein oder anderen Sache um die Arnauds rein. Das war das Fünkchen, das ich brauchte, um wirklich immer weiterzulesen. Weil ich wissen wollte, wie und warum und überhaupt. Mit allem kann man hier nicht ganz rechnen, das war gut!Schade war allerdings zudem, dass das Buch sich teilweise zog wie Kaugummi unter der Schuhsohle, das man langsam über den Asphalt verstreicht. Sean macht so dies und das. Repariert am Hof herum. Und dann… geht er einkaufen. Und dann… und hier… und so… Ja, Mensch. Da hätte Beckett doch wirklich mehr Pfeffer in die Hof-Suppe reinbringen können! Bin ich sogar ziemlich sicher. Der kann das doch!Damit will ich nicht sagen, dass „Der Hof“ super langweilig wäre. Nö, das nicht. Irgendwas hat das Buch. So eine dunkle Hintergrundstimmung, die ich sehr mochte. Auf eine Art macht das Buch durchgehend Spaß. Lässt sich auch gut lesen.Und es gibt ein paar gelungene Charaktere- nervige, welche, denen man nachts nicht im Dunkeln begegnen möchte, und solche, die man einzuschätzen versucht… was aber nicht gänzlich gelingt.„Der Hof“ hat was, wirklich. Dennoch auch so seine schwächelnden Momente, die mich wanken lassen. Lesen? Mh… kann man. Muss man aber nicht.