Die Jahrhundertrilogie TÖCHTER EINER NEUEN ZEIT / ZEITEN DES AUFBRUCHS / ZEITENWENDE ist beste Unterhaltung, spannend, schön und traurig zu gleich. Spätestens ab der Hälfte des ersten Bandes ist man Teil der Freundesfamilie und die Frage, ob dieser Stoff auch was für Männer ist, kann man getrost mit Kurt Landmanns UNBEDINGT beantworten. Zu keiner Zeit langweilig oder langatmig, schön erzählt, ohne blumig oder kitschig zu werden, verfolgen wir die Geschichte der Freundesfamilie von Henny, Käthe, Ida und Lina. Die Geschichte ist eingewoben in die Realitäten der jeweiligen Zeit, Fakten mit Fiktion herrlich verbunden, sodass man nicht glauben mag, dass das Ganze keine autobiographischen Züge der eigenen Familiengeschichte hat.Ich bin froh, alle Bände nacheinander weggelesen zu haben, nicht auszudenken, wie die Wartezeit bis zum nächsten Band gewesen wäre :-) .... Soviel Freude und soviel Schmerz, ich habe den jeweiligen Band mehrfach weglegen müssen, weil mich die beschriebene Situation emotional so angefasst hat. Hammer! Habe ich so noch nie erlebt.Wenn überhaupt etwas zu kritisieren wäre, dann das, dass ich mir gewünscht hätte, dass verschiedene Erzählstränge des 2. und 3. Bandes noch stärker auserzählt werden. Die Zeitsprünge sind teilweise lang und was in der Zwischenzeit passiert, kommt hier etwas zu kurz. Aber wahrscheinlich ist hier der Wunsch der Vater des Gedanken, dass diese Geschichte nicht enden möge. Aber ich denke, Carmen Korn hätte sicher noch genügend Stof für einen vierten Band gehabt.Achtung SPOILER: Der erste Band fängt mit Henny an und der letzte hört mit Henny auf, sehr schön fand ich, dass Henny nicht auch noch stirbt mit ihren fast 100 Jahren .... das wäre zuviel der Heulerei gewesen.Man spricht über eine mögliche Verfilmung und ich freue mich darauf, habe aber auch Sorge, dass diese wunderschöne Geschichte filmisch nicht so umzusetzen ist, dass der Zauber bleibt. Wenn aber, dann bitte mit unverbrauchten Darstellern und nicht mit den altbekannten, die man schon aus 100 verschiedenen Rollen her kennt.Ich bin traurig, dass die Geschichte zu Ende ist, aber auch glücklich, dass ich sie gelesen habe. Danke Carmen Korn.
vorneweg: gelesen habe ich alle drei. Das dritte ist (naturgemäß?) das am wenigsten dramatische. Es setzt etliche Jahre nach dem letzten Krieg an, da ging es in Deutschland nicht mehr so um Leben und Tod. ES war zwar die "bleierne Zeit" in den Siebzigern, aber für die meisten Menschen war das Leben doch mittlerweile deutlich komfortabler, als in den Jahrzehnten zuvor. Und so werden die Hauptfiguren langsam und wendungsreich bis zu ihrem Ende geführt. Es gibt traurige und ernste Szenen, aber auch viel Hoffnungsvolles. Was mir besonders gefällt, ist zum einen die Unaufgeregtheit, zum anderen der liebevoll-distanzierte Blick auf die Figuren. Es wird geschildert, vorurteilsfrei, ohne Effekthascherei, ohne Dramatik - auch dramatische Szenen bleiben ruhig. Mir gefällt so etwas, ich empfinde es auch nicht als lieblos, wenn eine der Hauptfiguren sich das Leben nimmt und das ohne Pathos aber mit Empathie geschildert wird. Sachlich, ja - aber nicht gefühllos. Diese Art erdet mich, ich kann mir die Protagonisten gut vorstellen (also äußerlich) und an vielen Stellen verstehe ich ihr Handeln. An anderen nicht. Ich kann darüber nachdenken, es verfolgt mich aber nicht. Diese Distanz empfinde ich selber auch. Mal ist mir Henny am liebsten, mal Florentine oder Klaus. Andere bleiben blasser, sind aber trotzdem präsent. Unauffällig präsent sozusagen. Ich habe das Buch schon mehrfach gelesen - jetzt auch gerade wieder - und ich freue mich jedes Mal darauf.
Anfänglich hatte ich mit dem Stil der Autorin ein wenig meine Probleme. Die szenische Darbietung ohne Überleitungen machte es mir im ersten Teil, den ich gelesen habe, schwer, in die Geschichte hinein zu finden. Nach zwei kompletten Bänden gewöhnt man sich daran. Es entsteht ein Kaleidoskop aus verschiedenen kurzen Schlaglichtern und wie bei einem Mosaik wird langsam ein Bild daraus. Diese einzelnen Schicksale der handelnden Personen verwebt die Autorin geschickt zu einem Bild unserer Gesellschaft von der Jahrhundertwende 1900 bis zum Millenium.Die Figuren sind dabei authentisch und liebenswürdig. Sie erleben Höhen und Tiefen, die Schrecken zweier Weltkriege, die Entbehrungen der Nachkriegszeit und dann den raschen Aufschwung im Wirtschaftswunder. Dieser dritte Teil beleuchtet die späten Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Freundinnen sind alt geworden, langjährige Weggefährten mussten verabschiedet werden, eine neue Generation wächst heran, übernimmt das Ruder.Einen besonderen Stellenwert nimmt die fünfte, heimliche Protagonistin ein. Die liebevoll und unaufdringlich ständig präsente Stadt Hamburg. Als Süddeutsche habe ich mich mit Hilfe der Karte im Umschlag orientiert und nach drei Bänden das Gefühl bekommen, als würde ich die Straßen und Plätze in der Finkenau und an der Binnenalster wirklich kennen.Die Karte ist hilfreich, leider sind nicht alle Orte eingezeichnet, die im Buch eine zentrale Rolle spielen. Ebenso ist es mit dem Personenverzeichnis, es führt leider nicht alle Personen auf und ist deshalb als Orientierungshilfe eher ungeeignet. Da der gewöhnungsbedürftige Schreibstil diese Unterstützung gut brauchen könnte, ist das ein Manko, das sich auch in meiner Sternevergabe niederschlägt.Abschließend kann man über die Trilogie sagen: Es ist ein authentisches, sehr vielschichtiges Zeitportrait, bei dem die historischen und politischen Fakten nur am Rande anklingen, der Fokus liegt auf den Figuren und ihre Lebenswirklichkeit. Am stärksten ist vielleicht wirklich der 1. Band, aber ein umfassendes Bild entsteht erst durch die Folgebände. Die Autorin verzichtet auf allzu große Schicksalswirrungen, schlachtet auch persönliche Krisen ihrer Protagonisten nicht bis zum Erbrechen aus und erreicht gerade durch diese zurückgenommene Erzählweise eine ganz eigene Eindringlichkeit. Negativ aufgefallen sind mir in allen drei Bänden die perspektivischen Fehler. An die schlaglichtartige Erzählweise gewöhnt man sich, sie gibt den Romanen etwas Fragmentarisches, das gut zu der Geschichte passt, aber die handwerklichen Fehler kann das nicht ausgleichen. Das ist schade. Denn dadurch lässt sich die Trilogie viele Sympathiepunkte entgehen.