Die Verachtung der Massen: Versuch über Kulturkämpfe in der modernen Gesellschaft (edition suhrkamp)
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Die Verachtung der Massen: Versuch über Kulturkämpfe in der modernen Gesellschaft (edition suhrkamp)

Hersteller: Suhrkamp Verlag Ag  ·  MPN: 464948
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Zuletzt aktualisiert: 12.05.2026 10:22 Uhr
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Produktfakten auf einen Blick

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Produktbeschreibung

Das Phänomen Kulturkampf als solches ist der Streit, in dem über die Legitimität und Herkunft von Unterschieden überhaupt gerungen wird. Wie die religiöse Metaphysik von der Frage beunruhigt wurde, woher das Böse stamme, so die säkulare Gesellschaft von der Frage, woher sie ihre Unterschiede nehmen soll.

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 03.07.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine faszinierende und tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf und seiner Bedeutung. Ich war sehr begeistert von der Art und Weise, wie die Autorin dieses komplexe Thema beleuchtet.
Armin Reiser 14.03.2024 amazon.de
Zwar hat mir diese Arbeit von Herrn Sloterdijk nicht ganz so gut gefallen, wie sein »Streß und Freiheit«, ist jedoch auch nicht wirklich vergleichbar. Es fasziniert mich Sloterdijks scharfsinnig unbekümmerter Umgang mit relativ schwer zugänglichen Themenkreisen, unter Verwendung eines sprachlich schwungvollen Stils, der mir immer wieder ein Schmunzeln beim Lesen entlockt hat. Herr Sloterdijk ist für mich persönlich damit eine Art modernes Reinkarnationsgebilde jenes kleinen, mutigen Mädchens aus des Andersens »Des Kaisers neue Kleider«.
Michael Dienstbier 14.03.2024 amazon.de
Kein Sloterdijk-Beitrag ohne empörtes Aufschreien der Lordsiegelbewahrer des egalitären Zeitgeistes. Dass dies nicht erst der Fall, seit der Philosoph es gewagt hat, die neue Zivilreligion des "bunten" Deutschlands, die sogenannte Willkommenskultur, mit deutlichen Worten zu kritisieren, zeigt der im Jahr 2000 erschienene Essay "Die Verachtung der Massen: Versuch über Kulturkämpfe in der modernen Gesellschaft". Antidemokratisch sei sein Denken, schalmeite es von den Dächern – reaktionär, elitär, hier spreche einer, der das Rad der Zeit hinter die Errungenschaften der Aufklärung zurückdrehen wolle. Damals wie heute kann der sorgfältige Leser über solche Töne nur milde lächelnd den Kopf schütteln und sich fragen, warum im Deutschland des 21. Jahrhunderts totalitäres Denken stets im Gewand des vermeintlich Progressiven daherkommt.Es stimmt schon, "die Masse" ist für Sloterdijk nie der Träger von Ratio und Fortschritt gewesen, sondern sei immer "nie anders als im Zustand der Pseudoemanzipation und der Halbsubjektivität" (14) aufgetreten. Ein nur oberflächlicher Blick auf die Totalitarismen des 20. Jahrhunderts, die sich allesamt stets als Massenbewegungen definiert haben, belegt diese Diagnose. Die neue Masse, so Sloterdijk, komme nicht mehr so offensichtlich daher wie einst die Volksgemeinschaft oder die Arbeiterklasse. Die neue Masse sei vielmehr das Ergebnis eines Projektes sich selbst als progressiv erachtender Kreise, die im Namen von Fortschritt und Gerechtigkeit alle natürlichen Unterschiede zwischen den Menschen einzuebnen gedenkt: "Das demokratische Projekt beruht auf dem Entschluß, die Andersheit der Menschen anders zu deuten – und zwar so, daß die gefundenen Unterschiede zwischen ihnen verworfen und durch gemachte ersetzt werden" (76). Es gibt am Menschen nichts Natürlich-Essentielles mehr, so lautet das Credo der schönen neuen Welt, alle Unterschiede seien lediglich "soziale Konstrukte" (77), die es durch staatliche Alimentierungsmaßnahmen zu begradigen gelte. Geradezu verbittert klingt es, wenn Sloterdijk den herrschenden Zeitgeist wie folgt zusammenfasst: "Es gibt keine Herren, es gibt nur Unterwerfungsprozesse; es gibt kein Talent, es gibt nur Lernprozesse; es gibt kein Genie, es gibt nur Produktionsprozesse" (ebd.).Kulturkämpfe in unserer Zeit seien nichts anderes als der Streit über "Legitimität und Herkunft von Unterschieden überhaupt" (84), so Sloterdijk. Zwischen den Zeilen wird mehr als deutlich, dass er diese künstliche Abschaffung des Menschen in seiner Vielfalt als Mittel zur Realisierung eines sozialdemokratischen Utopias voller gleich begabter, gleich denkender und gleich handelnder Individuen als den neuen Totalitarismus des 21. Jahrhunderts betrachtet. Es ist totalitär, die Ungleichheit des Menschen aus ideologischen Gründen zu leugnen und mit staatlichen Zwangsmaßnahmen abschaffen zu wollen. Wahrhaft progressiv wäre es, den Menschen in seiner Verschiedenheit anzuerkennen und wirken zu lassen, um somit die Gemeinschaft als Ganzes voranzubringen. Auch die aktuelle Diskussion im Rahmen der sogenannten Flüchtlingskrise kann man als Fortsetzung dieses Kulturkampfes interpretieren.Fazit: Sloterdijk zu lesen, ist immer ein Gewinn. Sein Denken, seine Sprache sind angenehm unzeitgemäß und basieren auf den Erkenntnissen und Erfahrungen der abendländischen Tradition des Nachdenkens über den Menschen als Teil dieser Welt. Deutschland hat viel zu wenige Denker von Format, die es überhaupt noch wagen, sich in ihrer Interpretation der Gegenwart gegen den Zeitgeist zu stellen. Sloterdijk ist einer von ihnen.
kpoac 14.03.2024 amazon.de
Nimmt man ein Teeglas mit einigen Partikeln Tee, rührt den Tee und wartet. Die Bodenmitte wird schwarz von Tee. Dieser Sog zur Mitte und zur Tiefe hat Canetti bewogen, die Masse zu beschreiben: „Plötzlich ist alles schwarz von Menschen" und Sloterdijk greift dieses auf in seinem Essay und mäandert dieses mal durch die Windungen seines Gehirns und gebiert ein Fülle von Gedanken, anlässlich eines Vortrages in der bayerischen Akademie. Plötzlich schwarz assoziiert ein schwarzes Loch, was immer mehr Menschen anzieht und dann verschlingt zur Gleichheit oder Ununterscheidbarkeit. Wird nun Masse Subjekt nach Anlehnung an Hegel (Substanz und Subjekt) bleibt etymologisch erst recht die Unterordnung, (sub ...). Diese Unterordnung geschieht im Massen-Auflauf durch Reduzierung der Ich-Abstände und in den Entladungen werden Trennungen abgeworfen, also in der Tendenz Gleichheit geschaffen.Gleichzeitig gewinnt die Masse an Dynamik und Einfluss, ja sogar Stärke, da sie geballt auftritt. Die postmoderne Form der Masse jedoch verspielt diese Stärke, da sie nicht mehr geballt auftritt. Sie verkümmert, da singulär, virtuell und sprachlos der einzelne sich durch Träge-Routinen Orts stabil verhält und sich in die „organisierte Verlassenheit" (Arendt) begibt.Die französische Revolution setzte das Prinzip Gleichheit über alles. Dem Abschaffen von Ständen entspricht heute die Einebnung unterschiedlicher Intelligenzen zu einer verheerenden Reduzierung von Genies. Mittelmäßigkeit wird zum Kult, zur Kultur und unterstützt durch Imagetransfer die sich selbst zugeschriebenen aber nicht erbrachten Leistungen. Schmeichelei als Habitus beschreibt er als invertierte Verachtung. Denn die Öffentlichkeit wie jeder einzelne strebt nach Annerkennung. Verachtung als Affekt dagegen kann nur abgeschafft werden, wenn er nicht nur für die Minderwertigen gilt, die es ja im Sinne der Gleichheit auch schon nicht mehr geben kann. Verachtung setzt Ungleichheit voraus.Aufgehen in der Masse hat die Grenze, wo Selbsterhalt eine Rolle spielt. Damit dieser Gedanke nicht der sein wird, der den einzelnen von der Masse entfremdet, muss es ein Mehr geben, welches den Selbsterhalt torpediert, die Furcht vor dem Tod. Damit gewinnen nach Hobbes Feindschaften an Bedeutung, die durch Gleichheit an Fähigkeiten und Gleichheit an Hoffnungen entstehen. In der Modernen müssen daher Gleichgewichte der Bedrohung herhalten, die die möglichen Sterbespiele aus sicher Entfernung vor dem Tod zulassen. Letztendlich braucht diese Gesellschaft Menschen in der Masse, auf deren selbstsüchtige Motive Verlass ist. Begierden und Vorstellungen laut Spinoza sind Hemmnisse auf dem Weg zu einer Demokratisierung (Selbstregierung) der Masse.Auf dem Wege Sloterdijkschen Denkens begegnen uns weiter Marx, Nietzsche, Jaspers, Heidegger, Mann, und später Pascal (Gleichheit hat ihren Grund vor dem Zufall) und E.M. Cioran, der in der Bewunderung ein freiwilliges Leiden am nicht selbst geschafften vermutet. Sie ist die unverfügbar aber größte Differenz.Sloterdijk verzichtet nahezu auf Perspektive. Er gibt Denkmodelle, Ideen. Er animiert zum nachdenken, vielleicht mit der Absicht, doch Ungleichheiten zu erzeugen zwischen den Entschiedenen und Unentschiedenen, einer Kultur, wo die Masse sich gegen sich entscheidet mit dem Willen zur Differenz zum Besseren.Conclusio: ein Essay, dass sich lohnt zu lesen.
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