»Birnbäume blühen weiß, nicht rosa«, behauptet Gerson. Sein Vater widerspricht, die älteren Brüder, die Zwillinge Klaas und Kees, flachsen, die Stimmung im Auto ist gut. Bis an der nächsten Kreuzung der Unfall passiert. Als Gerson aus dem Koma aufwacht, spielen Farben für ihn keine Rolle mehr. Er hat sein Augenlicht verloren, und nichts ist mehr, wie es war. Gerbrand Bakker, dessen grandioser Roman Oben ist es still (2008) mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, erzählt in Birnbäume blühen weiß die ungewöhnliche und berührende Familiengeschichte dreier Brüder - »eine literarische Entdeck ung« (Süddeutsche Zeitung).
Bewertungen & Erfahrungen
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5 Bewertungen
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Redaktion12.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein wunderschönes und sehr anschauliches Buch, das die Geschichte der Birnbäume und die Familientraditionen wunderbar wiedergibt. Ich war begeistert von der liebevollen Darstellung der Familiengeschichte!
Dieses Buch legt man vorsichtig beiseite, wenn man es gelesen hat. Man ist nachdenklich, möglicherweise holt man sich ein Taschentuch. Aber eines wird man nicht machen können. Dieses Buch als gelesen in ein Regal stellen. Dafür sind diese wenigen Seiten viel zu stark. Dieses Buch erinnert an „Oscar und die Dame in Rosa“ vom französischen Autor Schmitt.Bakker gelingt es, mit einer faszinierend minimalistischen Sprache nicht nur seine Figuren zu zeichnen, und so genau, dass man sie bildlich vor sich sieht. Nein, er erzählt auch noch eine Geschichte. Ohne Wenn und Aber und ohne Schnörkel. Da ist kein Buchstabe zu viel. Alles passt genau. Hier wird nicht mit Sprache geprotzt, hier wird Sprache benutzt, um auszudrücken. Das ist in der Literatur nicht immer der Fall. Aber hier eben umso mehr.Ein Vater lebt mit seinen drei Söhnen, den Zwillingen Klaas und Kess , sowie deren jüngeren Bruder Gerson, zusammen. Seine Frau hat die Familie verlassen und lebt nun in Italien. Allein diesen Umstand müssen die vier verdauen, was gerade den Kindern nicht leichtfällt. Auch mit zunehmendem Alter nicht. Den traditionellen Urlaub verbringen sie jedes Jahr in Südfrankreich, und einmal machen sie sich auf nach Italien, in der Hoffnung, die Mutter zu sehen, die so einfach aus ihrem Leben verschwand. Sie kehren zurück, jedoch ohne sie gesehen zu haben.Ein Autounfall zu Hause stellt das Leben aller auf den Kopf. Am Schlimmsten trifft es den Jüngsten, Gerson. Er erblindet. Im Krankenhaus kümmert sich der Pfleger Harald um Gerson. Für alle ist es eine ungewohnte Situation. Jeder muss lernen, sich in ihr zurechtzufinden. Doch das alles schildert der Autor, ohne um alles viel Aufhebens zu machen. Stück für Stück fügt er die Teile seiner Geschichte zusammen. Er umschifft sehr geschickt die Falle der Larmoyanz. Bei diesem Thema wäre das ein Leichtes, aber durch die knappen Sätze nimmt er ihnen das Wehleidige. Er zeigt die Schwächen, einen Vater, der sich die Schuld gibt an allem, den Zwillingen, die anfangs überfordert sind und nicht wissen, wie sie mit ihrem Bruder umgehen sollen. Und Gerson, der eine Last trägt, für die er sich zu jung und zu schwach fühlt. Auch wenn ihm alle helfen wollen und der Pfleger Harald für alle eine Hilfe ist.Es ist einfach schlicht und ergreifend, dieses Buch. Schwer in Worte zu fassen. Es ist ein Buch, das man sehr lange nicht vergessen wird. Und das neugierig auf weitere Werke dieses Autors macht. Unbedingt Lesen.
Meiner Ansicht nach ist dies kein Buch über Blindheit und sollte auch nicht als solches gelesen werden. Es ist ein Buch darüber, wie man dem Leben die Zähne zeigt, wenn es mehr aus einem heraus reißt, als ihm eigentlich zu steht. Und vor allem, wie jeder Mensch auf andere Weise die Zähne fletscht, wenn es zu hart auf hart kommt. Der 13jährige Gerson, sein Vater und seine Brüder sind bereits durch den Weggang der Mutter tief verletzt worden. Gersons schwere Verletzung durch einen Autounfall, den sein Vater verschuldet hat,ist ein weiterer Schlag, der eigentlich nicht mehr auszuhalten ist. Nicht einer von Bakkers Charakteren reagiert auf dieselbe Weise, trotzdem agieren sie gemeinsam und akzeptieren einander frag- und kommentarlos in ihren verschiedenen Reaktionen. Und das gilt nicht nur für die Hauptfiguren Gerson, seine Brüder KLaas und Kees und seinen Vater Gerard. Auch Harald der Krankenpfleger, Gersons Großeltern und selbst der kleine Terrier Daan tragen dazu bei, dem Leser zu zeigen, dass es eben nicht nur eine, "richtige" Art gibt, mit Schicksalsschlägen umzugehen. Genau darin liegt die ungeheure Stärke des Buches und der Grund dafür, dass es trotz des scheinbar fehlenden Happy Ends letztlich Hoffnung vermittelt und auch mit einem Aufbruch endet. Es gibt nicht den einen, der die richtige Antwort und Lebensregel parat hält, Bakker schlägt sich auf keine Seite, aber jeder kann etwas dazu beitragen, einem auf den ersten Blick grausam und sinnlos erscheinenden Leben einen Sinn zu geben. Wirklich jeder. Ein fantastisches Buch.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.