Man bezeichnete sie als >geborene Diebe und Lügner Gefährten des Satans unzähmbare Wilde schönen Zigeunerin Naturvolk Zigeuener
Bewertungen & Erfahrungen
4,3 von 5
4 Bewertungen
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4 ★3
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Redaktion11.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Das Buch bietet einen interessanten Einblick in die historische Wahrnehmung der Zigeuner, wenngleich der Tonfall sehr provokant ist. Die Darstellung ist historisch interessant, aber man sollte die Sprache kritisch hinterfragen.
Das Buch beschreibt auf sehr anschauliche und faszinierende Weise, wie die Ausgrenzung von Minderheiten vonstatten geht. Wie der Nationalstaat Volksgruppen, die durch ihre nomadische Lebensweise seinen Interessen zuwider läuft, dessen Rufmord, Marginalisierung, Diskriminierung, Kriminalsierung bis hin zum Genozid betreibt. Das vertieft das Verständnis dafür, wie in Zeiten, in denen der Nationalstaat in Europa gegen seine Auflösung in einem europäischen Bundesstaat der Regionen kämpft, der von der Globalisierung zusätzlich befeuert wird, abermals Minderheiten und sogenannte Fremde zum Sündenbock seiner Probleme und Existenzängste macht.
Man muss sich von Anfang an im Bewusstsein behalten, was der Autor mit "Zigeuner" hier meint (was nicht immer einfach war), daher eher eine Bild das geschaffen wurde und nicht eine Anzahl an Völkern bzw. ein Volk. Es gibt hin und wieder Informationen über Romvölker und ihre Situationen aber im weitesten geht es um die künstlichen, über Jahrhunderte geschaffenen Bilder.Es war meist auch sehr interessant und aufschlussreich was hier stand aber ich fand es auch eigenartig, dass es scheinbar behauptete Romvölker wären in Mitteleuropa niemals in Leibeigenschaft gewesen aber soweit ich weiß gab es das schon. Das Buch hatte mal kurz erwähnt wie einige einigermaßen sicher sein konnten wenn sie nützlich für die lokalen Herrscher waren, möglicherweise war das damit gemeint aber sicher bin ich mir nicht. Später gab es ein ähnliches Problem als es kurz erwähnte dass die Einstufungen nach Mischlingsgrad zu unterschiedlichen Behandlungen während des Nationalsozialismus geführt haben und ich mich fragte ob das dazu geführt hat dass es noch bis 1942 (teilweise bis 1943) Sinti in der Wehrmacht gab, aber leider gab es wieder keine Antwort, ich frage mich ob irgendjemand das jemals untersucht hat. Auch sagt es, dass es keine Hinweise auf die angeblichen Zigeunerjagden in den Jahrhunderten davor gibt; aber bei den ganzen Gesetzen kann man sich fragen wie überhaupt welche überlebten. Scheinbar scheint zu stimmen was kurz erwähnt wurde, dass die hohe Anzahl der Gesetze zeigt wie impotent sie waren; aber leider gab es auch da nicht mehr.Daneben gab es allerdings auch interessante Informationen zu den ersten Ansichten über Zigeuner und welche Namen sie bekommen hatten, so gab es z.B. die Ansichten sie seien ein Volk auf Bußwanderschaft, dabei wurden sie über die Jahre Pharaonen (z.B. in Süddeutschland) und Tatern (in Norddeutschland und den Baltikstaaten) genannt. Eine Zeit lang wurden sie sogar Mohren genannt und der Stereotyp des Kindesraubs begann wie es aussieht in Spanien. Und man merkt schnell, dass vieles was man hier liest typisch für viele Länder und Imperien ist: Mach es wie wir oder wir bringen dich um.Der Autor scheint es auch geschafft zu haben, zu zeigen wo die Geschichte anders hätte verlaufen können, z.B. als man herausfand das "Zigeuner" höchstwahrscheinlich indischen Ursprungs waren und damals als eine Art entfernte Verwandte hätten gelten müssen. Als das Buch allerdings vom 18 zum 19. Jahrhundert wechselte fragte ich mich was man denn genau hätte tun können/müssen, denn es klang doch sehr so als wäre es gar nicht anders möglich gewesen für "Zigeuner" als Vagabunden zu werden. Leider war ich bei der Information zur Literatur des 19. Jahrhunderts etwas enttäuscht. Der Autor hatte zwar die Figur der Esmeralda aus "Der Glöckner von Notre Dame" erwähnt aber er hat nur etwas dazu gesagt, das Esmeralda eine Zigeunerin ist die als Kind von solchen entführt wurde (und anders als bei anderen Fällen wurde ihre Abstammung hier kaum thematisiert) aber dass der "geborene Zigeuner" Quasimodo so extrem entstellt ist wird nicht wirklich behandelt. Er nannte die in dem Roman dargestellte "Zigeunergemeinschaft" als typisches Klischee des "Verbrecherreiches" von Westeuropa und es war im Buch nie so ganz klar welcher Raum mit "Westeuropa" gemeint war. Manchmal wurde von Mitteleuropa geredet und andermal schien es als wenn Europe hier nur in Ost- und Westeuropa aufgeteilt wurde.Und was man hier über die Ansichten und Politiken des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erfährt zeigt wie falsch es ist zu sagen die Ansichten der NS-Ideologie wären so neu gewesen. Sowohl die USA als auch Schweden hatten bereits vorher Massensterilisation; genauso hatten Österreich, die Schweiz, sowie die USA und die meisten europäischen Länder ähnlich rassistische Ansichten bereits vor dem 18. Jahrhundert. Der einzige Unterschied ist, dass in Deutschland die Macht zur Verfügung stand um genug Leute von den Rechtfertigungen dafür zu überzeugen. Und wenn man darüber nachdenkt, so sind Todesurteile und Ausschluss unerwünschter Elemente weit verbreitet und da ist es kein so großer Sprung mehr entsprechende Leute gleich umzubringen. Außerdem scheint es so dass auch die Bücher von Engelbert Wittich, welche ich wenn möglich noch lesen werde, nicht so vertrauenswürdig sind wie einst gedacht.Danach ging es zu den sozialistischen Osteuropäischen Staaten und es war immer noch recht interessant wie es dabei auf und ab ging und was gleich blieb. Und anders als im letzten Buch zu dem Thema war der Autor hier ehrlich genug um zu sagen, dass er keine klaren Lösungen für die bestehenden Probleme hat. Er sprach allerdings davon wie die Situation vieler Rom in Osteuropa heute der vieler Europäer des 19. Jahrhunderts gleicht und das es, da die Deportationen nicht bis nach England, Spanien und Schweden reichten, es dort keinen Drang gegeben hat die eigenen Vorurteile zu überdenken. Was das Buch über Sinti sagt passt zu dem was einige Sinti selber sagen und das klingt eher nach freiwilliger Absonderung im kulturellen und auch gesetzlichen Sinne und wie wollen sie da erwarten dass sich etwas an den Vorurteilen ihnen gegenüber enden wenn sie sich wie das Vorurteil des ewig sich abgrenzenden Zigeuners verhalten? Leider gehört dazu auch die traurige Tatsache, dass der Zentralrat der Sinti und Roma einige Interviews die von Überlebenden der Konzentrationslager selber und freiwillig gegeben wurden vernichtet haben, weil sie meinten es ließe die Opfer schlecht aussehen. Sprich, ob bewusst oder unbewusst haben sie gegen das Erinnern und die Aufarbeitung gearbeitet.Das Ende des Buches kam dann etwas schneller als erwartet und es war meist recht gut und ich denke ich werde einige der erwähnten Bücher auch lesen.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.