Dein ist das Reich: Roman | Ein ungewöhnlicher Familienroman über den deutschen Kolonialismus
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Gegenwartsliteratur EAN 9783548066844

Dein ist das Reich: Roman | Ein ungewöhnlicher Familienroman über den deutschen Kolonialismus

Hersteller: Ullstein Taschenbuch  ·  MPN: 1893887
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Zuletzt aktualisiert: 12.05.2026 06:27 Uhr
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Produktfakten auf einen Blick

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ULLSTEIN TASCHENBUCH
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9783548066844
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Gegenwartsliteratur
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Produktbeschreibung

' Dein ist das Reich wird die literarische Landkarte erneuern. Und sie um einen Ort, um einen Kontinent, auch eine Schuld erweitern.' Elke Schmitter, Der Spiegel 'Katharina Döblers Roman kommt zur richtigen Zeit, um der deutschen Kolonia- lismusdiskussion Anschauungsmaterial zu liefern.' Hans-Peter Kunisch , Die Zeit 'In ihrem glänzend recherchierten und geschriebenen Familienroman Dein ist das Reich fragt Döbler nach den harten historischen Fakten hinter den sentimentalen Familienlegenden vom verlorenen deutsch-christlichen Papua-Paradies.' Sigrid Löffler , Der Falter

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 02.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine wahre literarische Reise und hat mich absolut begeistert, die Welt und die Beziehungen innerhalb des Buches sind unglaublich spannend. Ich kann es jedem empfehlen, der gerne liest und sich für tiefgründige Geschichten interessiert.
Redaktion 02.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Toll,wunderbar!
Kristine Daniels 28.04.2024 amazon.de
Ich weiß nicht, ob dieses Buch jeden ansprechen wird. Meine eigene Familie ( meine Mutter und Großeltergeneration) sind selbst mit dem Neuendettelsauer Dunstkreis verwandt/ versippt/ verwoben. Diese Buch fasst für mich in Worte, was für mich lange ungreifbar war.Ich war auf der Autobahn im Dämnerschlaf, als im Deutschlandfunk dieses Buch vorgestellt wurde:"Neuendettelsau, Johann Hensold"- Zack da war ich wach. Bestellt, verschlungen und nicht bereut. Die Namen sind fiktiv und es war nicht meine Familie, hätte es aber gut sein können.
Tom Liehr 28.04.2024 amazon.de
Es ist den Menschen zu eigen, dass sie manchmal denken, glauben oder wenigstens vorgeben, Gutes zu tun, obwohl sie unterm Strich oder langfristig betrachtet das genaue Gegenteil praktizieren – oder sich erst im Nachhinein herausstellt, dass es so war, und dann entspinnt sich eine nicht immer erfreuliche Diskussion darüber, ob das schon zum Zeitpunkt des Handelns hätte klar sein müssen. Ein dunkles Kapitel der neueren Weltgeschichte, auf hiesigem Boden zwar erst vergleichsweise spät aufgeschlagen, zählt auf ganz besondere Weise zu diesen heiklen Themen, nämlich die Kolonialzeit, deren Auswirkungen nach wie vor allgegenwärtig sind. In Katharina Döblers mächtigem Roman trifft sie auf ein anderes und aus Sicht vieler nicht weniger unrühmliches Verhalten der westlichen Zivilisationen, nämlich auf die christliche Missionsarbeit.Im mittelfränkischen Neuendettelsau mit seiner großen Diakonissenanstalt hatten die Männer nach dem ersten Weltkrieg die Wahl, ob sie auf den Einödhöfen zu einem der vielen Helfer des ältesten männlichen Kindes wurden, das den Hof erben würde, oder ob sie sich der Missionsarbeit verschrieben, also als Laien zum Beispiel nach Neuguinea, ins wachsende Gottesreich des amtierenden Kaisers gingen. Rekrutiert von der Diakonie, betreut und kontrolliert von den örtlichen Geistlichen, traten sie dann, häufig zu Hause bereits einer Frau versprochen, die darüber nicht immer glücklich war und die oft erst Jahre später hinterherreisen würde, die lange Fahrt in Richtung Indischer Ozean an, um auf der Inselgruppe nördlich von Australien die „Eingeborenen“ dazu zu bringen, von ihrem heidnischen Tun abzulassen und stattdessen christliche Rituale zu praktizieren. Zu jenen, die nicht immer freiwillig diese Wahl trafen, gehörten Johann Hensolt und Heiner Mohr, die dort an ganz unterschiedlichen Orten arbeiteten, aber die Großväter der Ich-Erzählerin waren, die jetzt die komplexe und eigenwillige Familiengeschichte vor den Lesern ausbreitet, und zwar in der Hauptsache, aber nicht nur aus der Perspektive der Missionarsehefrauen.„Dein ist das Reich“ versucht nicht, die Bewertung aus Sicht der Jetztzeit zum Narrativ zu machen. Katharina Döbler reflektiert zwar intensiv; letztlich ist das der Grund dafür, warum man dieses mächtige, stark autobiografische Buch überhaupt lesen darf. Aber ihr Personal trägt das moralische Korsett seiner Zeit. Und es glaubt fest daran, in Gottes Namen zu handeln, also ohne jeden Zweifel Gutes zu tun.Der eine, Heiner Mohr, ist ein Gottesfürchtiger aus dem Bilderbuch, ein ernster, bestrebter, nicht gerade attraktiver Mann, und mit der nicht weniger strengen und gläubigen Marie, die ihm zur Seite gegeben wird, entsteht eine pragmatische, unfröhliche Beziehung, die sich auch vom schillerndbunten Südsee-Umfeld kaum beeinflussen lässt. Der andere, Johann Hensolt, ist ein offener, ungestümer, etwas wilderer Typ, der auch zunächst auf Abwege gerät und damit beinahe in Ungnade fällt, aber mit seiner – aus beider Sichten – Liebesheirat Linette einen Neuanfang findet. „Dein ist das Reich“ erzählt von der Zeit der Missionsgründung bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs.Das Buch umschifft die Probleme, die eine halbautobiografische Familiengeschichte mit sich bringt, ziemlich geschickt, und schmückt die an spektakulären Höhepunkten eher arme Story sensibel und anschaulich mit einer großen Detailmenge. Dabei versucht Katharina Döbler nie, eine Rechtfertigung für das Handeln ihrer Figuren zu finden, auch nicht, als die Tentakel der Naziherrschaft bis auf die andere Erdhalbkugel reichen und von einigen der Protagonisten des Buches freudig begrüßt werden. Die Autorin verlagert auch keine Rassismusdebatte in jene Zeit, in der solche Debatten nicht oder nicht auf die Weise stattgefunden haben, wie sie das heute tun, sondern sie zeigt, erläutert und bleibt ganz in ihren Figuren. Dass ohne Zweifel unfassbares Leid angerichtet wurde, dass Kulturgut und ganze Kulturen vernichtet wurden, dass die Grundlage für die Ungerechtigkeiten gelegt wurde, denen wir heute noch begegnen, all das wissen jetztzeitige Leser; es bedarf keiner Trigger oder Erläuterungen. Katharina Döbler erzählt davon, wie es war, und nicht davon, wie es hätte sein sollen, hätten ihre Ahnen schon damals gewusst, welche enormen Fehler sie aus Sicht der hundert Jahre später Geborenen machen. Das betrifft nicht nur Kolonialisierung, Missionierung und Rassismus, sondern Sozialisation ganz allgemein, das Frauenbild, Fragen der Kindererziehung, des Umgangs mit allen anderen Kulturen, Nationalismus, die Rolle der Kirchen und sehr vieles mehr. Anders als einige Autoren, die ambitionierte Helden mit Jetztzeitwissen in die Vergangenheiten senden, um sie dort gegen Misogynie, Xenophobie und andere Erscheinungsformen der Ungerechtigkeit antreten zu lassen, gibt Döbler ihrem Personal nur ein glaubhaftes Maß an Bedenken auf den Weg.„Dein ist das Reich“ ist nicht einfach zu lesen, ermüdet hin und wieder ein kleines bisschen, aber selten genug, um einen dennoch bei der Sache bleiben zu lassen. Dem Buch merkt man die ungeheuerliche Recherchearbeit an, ohne dass diese in aufdringlicher Weise zutageträte, und bietet einen spannenden, erhellenden Blick auf jene Zeit und ihre Menschen, vor allem diese Menschen, die in die Welt reisten und Schlimmes vollbrachten, während sie glaubten, Gutes zu tun. Ein Phänomen, das auch heutzutage noch längst nicht vom Tisch ist.
Literaturhexle 28.04.2024 amazon.de
Mit diesem Roman hat Katharina Döbler im Wesentlichen die Familiengeschichte ihrer Großeltern zu Papier gebracht. Ausgangspunkt sind die Erzählungen ihrer Großmutter Linette über ihre in „Kaiser-Wilhelms-Land“ verbrachten Jahre, das eine deutsche Kolonie in Neuguinea war: „Bis dahin war ich nie auf den Gedanken gekommen, ihre Erzählungen an irgendeiner Art von Wirklichkeit zu messen. Sie waren die Märchen meiner Kindheit, die auf dem langsamen Fluss ihrer hohen, leisen Stimme dahinzogen, unerklärlich, schrecklich und schön.“ (S. 8)Der Roman berichtet vorwiegend chronologisch über die Jahre 1913 bis 1948 und ist in vier Teile gegliedert. Im Mittelpunkt stehen vier junge Leute aus der fränkischen Provinz: Johann, Heiner, Marie und Linette. Die Depression hat ihren Familien vieles abverlangt, die Zeiten sind schwer, nachgeborene Kinder haben kaum Aussicht auf Erbschaft oder Berufsausbildung. Aus dieser Situation heraus erhoffen sich die Vier Perspektiven für ein besseres Leben.Die evangelische Diakonie in Neuendettelsau sucht Missionare zum Einsatz in den deutschen Kolonien in Neuguinea. Johann Hensolt und Heiner Mohr sehen das als Chance und lassen sich anwerben. Johann ist vom Idealismus getrieben, er möchte Gottes Wort als Missionar in die Welt tragen. Heiner hat eher pragmatische Gründe und sieht sein Talent für die Landwirtschaft. Beide reizen die Möglichkeiten in der Neuen Welt.Heiner geht als erster und erarbeitet sich den Posten als Verwalter einer Kokos-Plantage, er bringt den „Wilden“ deutsche Gründlichkeit und Effektivität bei. Johann reist über die Inseln, um die indigenen Völker zu christianisieren. Die Diakonie legt viel Wert darauf, dass die jungen Männer auch eine Gefährtin an ihrer Seite haben. Es wirkt unkonventionell, wie die beiden Männer zu ihren Ehefrauen kommen: Bei Heiner ist es ein Arrangement, bei Johann ist es Liebe und Gottvertrauen. Die Grenzen für Frauen in jenen Zeiten sind weit enger gesteckt als für Männer. Insofern ist es ernüchternd mitzuerleben, wie berechtigte weibliche Ambitionen durch Eheschließung durchkreuzt werden und sich die Frauen fremden Interessen beugen müssen.Der Roman beschreibt das Leben der beiden Familien Hensolt und Mohr in Neuguinea mit Höhen und Tiefen. Man erfährt sehr viel über das Leben in den Kolonien, über die Schwierigkeiten, die die Menschen vor Ort hatten. Das fremde Klima, unterschiedliche Volksstämme, Sprachbarrieren, Krankheiten, die dominante Reichskolonialverwaltung – über allem der Glaube an Gottes Wort, an die Missionierung der Ungläubigen und an die weiße Herrenrasse… Es ist herausfordernd, sich mit der abstrusen Denkungsart der damaligen Kolonialherren auseinanderzusetzen, die im krassen Gegensatz zum heutigen Selbstverständnis steht.Die Autorin zeigt bewusst anhand verschiedener Charaktere die Ausprägungen des Kolonialismus, die die historischen Tatsachen möglichst realistisch wedergeben sollen: Es gibt Rassismus, Ausbeutung, Vorurteile und Mythen über Kannibalismus; aber auch Freundschaft, Akzeptanz, Respekt sowie gutgemeinte Unterstützung. Döbler zeigt die Gewissenskonflikte der Protagonisten ebenso wie zeitkritische eigene Reflexionen. Der Leser bekommt ein gutes Gespür dafür, was die Kolonialisierung alles in Unordnung gebracht hat und wie stark die bleibenden Folgen sind. Das geht weit über Glaubensfragen hinaus. Wirtschaftliche Interessen spielen eine wichtige Rolle, die Gier der Kolonialverwaltungen wächst, Gott scheint vielfach nur Fassade für das Streben nach Reichtum zu sein. Die Überheblichkeit der Weißen ist beispiellos: „Dass er und die anderen Weißen dort Gäste waren, kam ihm gar nicht in den Sinn. Wie die meisten Missionare hatte er kaum einen Begriff von den Sitten, gegen die sie andauernd verstießen. Sie hielten sich an die göttlichen Gebote, da konnte nichts falsch sein.“ (S. 95) Zudem tummeln sich neben den Deutschen auch Holländer und Briten auf den Inseln – mit jeweils unterschiedlichen Zielen. Die indigene Bevölkerung ordnet sich zwar überwiegend dem mächtigen Anutu (Gott)und seinen Helfershelfern unter, es kommt aber auch zu Widerstand und Gewalt.Die Jahre in den Kolonien wirken in der Familie der Schriftstellerin generationenübergreifend nach, sie haben auch der nachfolgenden Generation Trennung, Schmerz und Traumata beschert, unter denen sie leiden: „Neuguinea war für mich ein mythologischer Ort im Bett meiner Mutter. Es war das Paradies, das bekanntlich im Jenseits liegt, der Garten Eden, den man nicht betreten konnte, weil ein bewaffneter Engel davorstand. Aber meine Mutter stahl sich heimlich hinein, im Nebel mit schlechtem Gewissen. Wenn sie abtauchte in ihr Neuguinea, mussten wir Kinder sagen, sie ist krank, sie ist gerade nicht bei Kräften, sie braucht Schonung, sie ruht sich aus…“ (S. 55) Man kann nur ahnen, welche Folgen das für die Erzählerin selbst hatte.Über Jahre muss die Autorin an diesem Buch gearbeitet und akribisch recherchiert haben. Neben überlieferten Anekdoten und Geschichten („Überlieferungen, das weiß ich heute, bestehen zum großen Teil aus Verschwiegenem.“ (S. 12)) hat sie Erinnerungsstücke, Briefe, Dokumente und Fotografien zusammengetragen, die sie in den Roman eingliedert. Diese Einschübe machen deutlich, dass hier wahre Begebenheiten im Mittelpunkt stehen, die fiktional aufgearbeitet wurden. Alles wird zusammengetragen und in den Kontext zur Weltgeschichte gestellt. Der Erzählstil lässt Erlebnisse und Figuren sehr authentisch wirken. Die Ich-Erzählerin ergänzt das Vergangene und erläutert ihre Quellen. Das ist ungemein fesselnd.„Dein ist das Reich“ ist kein reiner Unterhaltungsroman. Katharina Döbler verfolgt aus meiner Sicht einen literarisch-biografischen Ansatz. Das Buch erfordert ein aufmerksames Lesen.Mich hat der Roman fasziniert, ich habe viel über den Kolonialismus aus der persönlichen Perspektive der Protagonisten erfahren. Das Buch regt zu weiteren themenbezogenen Recherchen an. Gelungen ist auch die haptische Ausstattung des Verlages mit augenfälligem Cover, einer Landkarte als Vorsatzblatt und dem hilfreichen Familienstammbaum.Ein sehr lesenswerter Roman!
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