Das Reich Akbar, 40 Jahre vor den Ereignissen des 1. Zyklus. Bragon lebt unzufrieden auf dem väterlichen Bauernhof. Da der Vater verstorben ist, muss der junge Mann doppelt so viele Pflichten übernehmen. Doch steht ihm der Sinn nach Abenteuern.Als er ein Tier zum Decken auf den Nachbarhof bringen soll, ist klar, wohin seine Zukunft laut seiner Ungebung hinführen soll. Die Nachbarstochter macht ihm schöne Augen. Da taucht der Reisende Javin auf, der genau das Leben führt, das Bragon begehrt. Er möchte in dieGefilde der Nebelschleier reisen. Da hilft auch nicht die Schönheit auf seinem Hof, ihn umzustimmen. In einer Nacht- und Nebelaktion folgt er Javin.Er findet ihn schnell wieder. Denn wie er gerät auch Bragon in die Fänge einer Sekte, dem sogenannten Orden des Mals, die sich immer weiter ausbreitet und die Prinzessin Mara töten will. Deren Vater hat nun die schwere Aufgabe, sich und seine Tochter dank eines Zauberbuches darauf vorzubereiten, die Sekte daran zu hindern den Gefangenen Gott Ramor zu befreien...- Der Band enthält die Vorgeschichte zum 1. Zyklus. Wer also den Band überlebt kann nicht allzu überraschend sein und auch diverse Handlungsstränge sind nicht schwer zu erraten. Wir wissen also, dass Bragon ein Ritter wird. Wir erfahren allerdings einiges mehr über Hintergründe und die Figuren. Auch Bulrog, der vom Fan zum übereifrigen Knappen mutiert, ist hier bereits in die Handlung verwoben. Diese erstreckt sich über einige Jahre, in der sich Charaktere und Handlungen glaubhaft weiterentwickeln.Enthalten sind die Bände 5 bis 8. Es steht zu erwarten, dass die Bände 9 bis 12 ebenfalls einen Sammelband erhalten. Nur kann das einige Zeit dauern. Denn mittlerweile ist seit Ende Januar 23 erst Album 11 erhältlich und wurde lange erwartet. Die Bände sind teils in erheblichen (!) Abständen erschienen, die letzten sechs in einem zeitlichen Abstand von zwei bis vier Jahren. Entweder wartet man so lange auf den Sammelband oder muss die Einzelalben kaufen. Soweit ich weiß, ist der Zyklus noch nicht beendet.Die Fantasy-Geschichte ist nichts für Kinder. Es gibt zwar fantasievolle Kreaturen bei denen man sich nicht fragen darf warum einige wie Trolle aussehen, andere mit blauen, grauen oder roten Gesicht ausgestattet sind und ansonsten Menschen dabei sind, die alle einen Überbiss haben. Scheinbar scheint man untereinander kompatibel zu sein. Aber diese Typen killen sich. Die Umgebung ist gefährlich und so kann jeder auf jede erdenkliche Art und - grausame - Weise sterben. Das ist mitunter gorig.
Irgendwann ist der Superlativ dann halt auch mal wahr: Als „großartigste Comicserie der Heroic Fantasy“ preist der Klappentext den Vierteiler „Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit“ vollmundig an. Und was soll man sagen – es stimmt halt. „Schatten über Akbar“ (1983), „Der Tempel des Vergessens“ (1984), „Grauwolfs letzter Kampf“ (1985) und „Das Ei der Finsternis“ (1987) setzten die bis heute gültige Maßstäbe für die frankobelgische Variante des Genres und stehen aufgrund ihrer Qualität und Vielschichtigkeit noch immer für sich.Das war Autor Serge Le Tendre (*1956) und Zeichner Regis Loisel (*1951) sicherlich auch nicht verborgen geblieben. Kaum dass Loisels zweitens Herzensprojekt, eine intensive Neuinterpretation vom J.M. Barries „Peter Pan“ (1990-2004) zu Stocken begann, taten sich die beiden wieder zusammen und entwarfen eine Vorgeschichte ihres Klassikers. Man schrieb damals das Jahr 1998 und befand sich somit in einer Zeit, in der man Prequels noch durchaus für eine gute Idee hielt.Inzwischen werden diese Alben unter dem Überschrift „Vor der Suche“ geführt und übertreffen ihr Original zumindest in punkto Umfang. 2023 erschien jüngst der siebte Teil, der zweite Band der Gesamtausgabe (der erste umfasst den ursprünglichen Zyklus) versammelt aber zunächst einmal nur „Javin“ (1998, mit Dominique Lidwine), „Das Buch der Götter“ (2007, mit Mohamed Aouamri), „Grauwolf“ (2010, mit Vincent Mallié) und „Ritter Bragon“ (2013, mit Vincent Mallié).Es ist bemerkenswert, wie wenig die Brüche hier auffallen: Die lange Pause zwischen den ersten beiden Bänden dürfte darauf zurückzuführen sein, dass „Peter Pan“ wieder Fahrt aufnahm, ab 2006 widmete sich Loisel dann mit „Das Nest“ einer neuen Serie. Trotzdem wirkt der Zyklus rückblickend wie aus einem Guss. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass andere Zeichner in das Projekt eingebunden wurden, zunächst unterstützend, ab 2007 aber federführend nach Loisels Vorgaben.Natürlich war der Erstkontakt mit sowohl „Javin“ als auch „Das Buch der Götter“ seinerzeit nicht erfüllend – und wahrscheinlich ist er das auch heute noch nicht. In vier Alben hatte Le Tendre eigentlich alles gesagt, der Versuch nun auszubuchstabieren, was damals als angedeutete Hintergrundgeschichte umso intensivere Wirkung entfaltete, läuft schnell Gefahr in reiner Pflichterfüllung zu versumpfen. Doch nimmt man die Prequels heute ein zweites Mal zur Hand, ist es durchaus begeisternd, wie dir Architekten der Serie tiefer in ihre Welt vordringen. Qualität und Notwendigkeit sind ja durchaus zwei verschiedene Paar Schuhe und sollten auch als solche getragen werden.Das Herzstück und der Höhepunkt des Bandes ist zweifelsohne die „Grauwolf“-Episode, wie im Original und dritter Stelle platziert. Wirkten „Javin“ und „Das Buch der Götter“ durch den Fokus auf eine neue Figur und die lose Anbindung an die späteren Ereignisse noch etwas wahllos, gewinnt die Handlung hier einen endlich einen eigenen Rhythmus, der nicht so dicht erzählt wie Mitte der 1980er, aber einen vergleichbaren Sog entwickelt und die Melancholie verströmt, die man so lange vermisst hatte. Wer hier angekommen war wusste schließlich: Es würde mit Grauwolf kein gutes Ende nehmen.Es ist Moment der Kontemplation, indem der zweite Zyklus zu sich findet. Man erhält hier ein Gefühl, wie klar die Hintergrundgeschichte von Bragon und Grauwolf schon damals definiert gewesen sein muss, so stimmig fügt sich hier alles zusammen. Ob Gewissheit der eigenen Vorstellungskraft vorzuziehen ist, ist die Frage die hier im Raum steht. Dass es faszinierend ist, zuzusehen, wie sie Gestalt annimmt, dürfte aber niemand bezweifeln. Nicht zuletzt aufgrund der wiederentdeckten visuellen Meisterschaft, die in einem Duell auf Leben und Tod inmitten unzähliger aufsteigender Schmetterlinge ihren Höhepunkt findet.WEITERLESEN: Prequels, für die man sich nicht schämen mussFrank Miller/David Mazzucchelli: BATMAN – YEAR ONE (1987): Mitte der 1980er Jahre wurden die amerikanischen Superhelden derart grunderneuert, dass man es durchaus für notwendig hielt, auch ihre Ursprungsgeschichten noch einmal zu renovieren. Dabei ging der dunkle Ritter – wie eigentlich fast immer – mit gutem Beispiel voran.Tome/Janry: DER KLEINE SPIROU (1987): Eigentlich war es denkbar abwegig, die Biografie des fehl- und tadellosen Pagen um eine flegelhafte Kindheit in Form einer unendlichen Aneinanderreihung präpubertären Streiche zu erweitern. Die Qualität gab dem Konzept, das die Hauptserie bald an Popularität übertraf, aber schnell Recht.Buronson/Tetsuo Hara: FIST OF THE BLUE SKY (2001): Im Manga blickt man gerne in die Zukunft – vielleicht hat das Prequel hier deshalb einen deutlich geringeren Stellenwert. Eine Ausnahme stellt diese Vorgeschichte zu „Fist of the North Star“ dar, die im Shanghai der 1930er Jahre verortet ist.