Etwa drei Monate lang lebte Roger Willemsen in Bangkok verließ sein Zimmer allabendlich um 18 Uhr und kehrte im Morgengrauen zurück. In den Nächten durchstreifte er mit dem in Bangkok lebenden Fotografen Ralf Tooten die Stadt: die Nachtclubs Karaoke-Bars und Massage-Salons die Kickbox-Studios Nachtmärkte Tempel und Baustellen. Er besuchte Wahrsager Tätowierer und Aura-Fotografen den Amulett-Markt den Jahrmarkt der Gastarbeiter das Straßenkino. Er aß bei den Insektenverkäufern fand die geheimen Schlafplätze der Arbeitselefanten und campierte unter den Demonstranten. Er fand Zugang zu Nobel-Clubs aber ebenso zu den Glücksspielern aus den Armen-Wohnblocks.
Bewertungen & Erfahrungen
4,4 von 5
5 Bewertungen
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Redaktion09.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein faszinierendes und stimmungsvolles Buch über Roger Willemsen in Bangkok, das die Atmosphäre der Zeit sehr gut einfängt. Es ist eine gute Lektüre, auch wenn man vielleicht etwas mehr Tiefe in einigen Kapiteln hätte wünschen können.
Das kleine aber hochwertig gedruckte Büchlein fasst die Impressionen des Bangkoker Nachtleben von Roger Willemsen während eines dreimonatigen Thailand Aufenthaltes zusammen. Beeindruckt war ich von seiner tollen Beobachtungsgabe, mit der er Bangkok und sein sehr spezielles Nachtangebot eindrucksvoll beschreibt, ohne dabei zu moralisieren oder Partei zu ergreifen. Ein schönes Buch des leider viel zu früh verstorbenen Roger Willemsen.
Ich schreibe aus der Erfahrung von mehr als einhundert Reisen nach und langen, teils mehrjährigen Aufenthalten in Thailand. Das Buch ist in einer sehr blumigen, fast schwülstigen Sprache verfasst. Durch die Wahl von vielen Fremdwörtern ist es an manchen Stellen schwer verständlich. Willemsen hat an manchen Stellen nicht ordentlich recherchiert. So beschreibt er den Isaan, also den Nordosten, als eine einzige Provinz. In Wirklichkeit besteht dieser Landesteil aus insgesamt 20 Provinzen. Fein beobachtet hat er dagegen die Charaktere, vor allem der Frauen, hat die thailändische Mentalität feinfühlig beschrieben. Geradezu genial hat er in seinem letzten Abschnitt die Grundlagen thailändischen Seins erfasst und in zutreffende Worte gefasst.
Willemsen zeichnet in seinem typischen Stil ein Stimmungsbild der Stadt, begleitet durch großartige Fotos. Seine Sprache kann man mögen, muss aber nicht, es ist persönlicher Geschmack. Für jemanden der Bangkok kennt und diesen Stil mag, sind die Beschreibungen ein Genuss, er findet hier einige Aspekte seiner Stadt wieder. Die Kritik an einer gewissen Oberflächlichkeit mag berechtigt sein, aber mehr hat der Autor wohl nicht gewollt, als eine persönliche Empfindung wiederzugeben. Wer tiefer einsteigen möchte, die einzelne Facetten von Bangkok kennenlernen möchte, jenseits von westlichen Klischees, Denkschemen und moralischen Vorurteilen der möge zu „Stille Tage in Bangkok“ von Steve Casal greifen. Für mich die komplexeste und stilistisch gut gelungene romanhafte Beschreibung von Bangkok und dem hier vorzufindenden Lebensgefühl. Ich persönlich halte Bangkok Noir als gut gelungen, obwohl natürlich für manche Leser etwas zu anspruchsvoll. Beide Bücher, Bangkok Noir und Stille Tage in Bangkok, heben sich positiv von den oft primitiven Publikationen über Bangkok ab. Wer ein komplexeres Bild dieser Stadt haben möchte, mit all seinen widersprüchlichen Seiten und off the beaten track Orten dürfte bei Steve Casal besser aufgehoben sein. Ich persönlich mag beide Publikationen.
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