ein Geniestreich ist dem Autor gelungen,! Ein Roman der sich mit einem Justizskandal beschäftigt und eine Geschichte darum baut, welche in der Zeit hin und her springt. So entstehen Verbindungen der Charaktere von den 40er über die 80er Jahre bis in unsere Zeit. Bilder im Kopf so klar und genau. Beim lesen wird man zum Zuschauer im Gerichtsaal und all den anderen Schauplätzen. Ein Wechselbad der Gefühle und spannend bis zum Ende.Dieser Roman passt genau in unsere Zeit. Unbedingt lesen, eine klare Empfehlung!
Zu dieser Erkenntnis kommt der Autor für seine Hauptfigur am Ende dieses Romans. Aber was bedeutet das? Sind Gesetze oder das Rechtssystem manchmal oder gar oft unmoralisch? Oder steht etwas über dem Gesetz? Was ist Moral und wer definiert sie? Wenn Moral gar Gesetze schlägt, sind wir dann noch in einem Rechtsstaat, in dem die geltenden Gesetze immer und von jedem einzuhalten sind? Und zwar völlig unabhängig von einer auslegbaren Moral.Nun, ganz so heftige verläuft die Diskussion in diesem Roman nicht. Doch die hinter der Handlung stehenden Fragen wirken dennoch nach. Lässt man den Roman ein paar Tage sacken, dann treten sie erst so richtig in den Vordergrund. Ein Anwalt ist zuerst seinem Mandanten verpflichtet und nicht der Wahrheit. Moralisten werden das nicht verstehen.Zunächst einmal stehen aber andere Fragen im Vordergrund, denn der Autor erzählt eine ziemlich komplizierte Geschichte von mehreren Enden aus, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen. Erst am Schluss kommen die lange zusammenhanglos wirkenden Handlungsstränge zueinander. Und erst dann entsteht das Gesamtbild mit einigen abstrakten Fragen, die vorher an verschiedenen Stellen in konkreten Fällen aufgeworfen wurden.Es würde dem Buch das Rätsel nehmen, käme man in einer Rezension zu wesentlichen Handlungspunkten. Nur so viel kann erzählt werden: Rechtsanwalt Jansen wird vom Chef einer alteingesessenen Hamburger Kanzlei beauftragt, einen Dessauer Polizeibeamten zu verteidigen, der einen Afrikaner in der Ausnüchterungszelle seines Revieres erst geschlagen und dann angezündet haben soll.Am anderen Ende der Handlung trauert Sophie um ihre in Zermatt verstorbene Mutter. Sie hat ihren Vater niemals kennengelernt und weiß auch nicht, wer er ist. In den Unterlagen der Mutter entdeckt sie Spuren, die sie verfolgen möchte. Dabei kreuzen sich in Berlin die Wege dieser beiden Menschen, und es entsteht eine Liebesbeziehung. Die Liebenden wissen jedoch noch nicht, dass sie früher festgelegte Verbindungen zueinander besitzen.Jansen muss einen Menschen verteidigen, von dessen Unschuld er nicht überzeugt sein kann. Und Sophie versteht nicht, warum ihr Vater sich einfach aus dem Staub machen konnte, vielleicht sogar mit Billigung der Mutter. Und schließlich ist da auch mittendrin noch eine Geschichte, die man lange nicht versteht. Zwischen zwei Brüdern, die beide vom Vater eine Schnapsbrennerei geerbt haben, entsteht im Dritten Reich ein heftiger Streit, bei dem der Ältere sich die Firma einverleibt indem er den Jüngeren ans Messer liefert, weil der eine Jüdin liebt. Diese Geschichte wirkt lange Zeit im Buch wie ein Fremdkörper. Man weiß zwar, dass sie nicht zufällig erzählt wird, aber mehr eben nicht. Erst recht spät enthüllen sich so langsam die Zusammenhänge zu den beiden Hauptfiguren.Man kann dem Buch sicher auch fünf Sterne geben. Wenn ich das nicht tue, dann liegt das an mehreren Kleinigkeiten. Mir hätte es zum Beispiel besser gefallen, wenn der Autor die im Hintergrund stehenden Fragen deutlicher akzentuiert hätte. An Moral und Gesetz gleichermaßen zu glauben, ist eine Phrase, deren Hohlheit man sofort zu spüren bekommt, wenn es konkret wird. So einfach kann man sich nicht davonstehlen. Ein Anwalt kann Moral nicht zum Gradmesser machen, denn damit untergräbt er das austarierte Rechtssystem. Auf weitreichendes Verständnis wird diese Auffassung allerdings vermutlich nicht treffen. Deshalb lehnt sich der Autor auch nicht allzu weit aus dem Fenster.Mich hat dieses Buch angenehm überrascht, weil ich zu Beginn nicht ahnte, welche Breite seine Handlung annehmen wird. Dass der Autor dabei sowohl die Geschichte als auch den tatsächlichen Hintergrund des anfänglichen Verfahrens etwas verbiegt, muss man ihm zugestehen. Immerhin steht am Ende des Buches dazu eine Erklärung.