Gentleman müsste man sein, durch London flanieren und müßig gehen können. Für den armen Waisenjungen Pip aus einem Themse-Dorf ist solch ein Leben völlig außer Reichweite, bis ein unbekannter Gönner ihm genau dies ermöglicht. Und ihm damit den Fluch großer Erwartungen auflädt. Dieser atmosphärische Roman ist besiedelt von starken, geheimnisumwitterten Charakteren. Charles Dickens lotet hier die Untiefen der englischen Standesgesellschaft aus und treibt dabei ein fesselndes Spiel aus Schein und Sein.
Bewertungen & Erfahrungen
4,6 von 5
5 Bewertungen
5 ★3
4 ★2
3 ★0
2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion19.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein wahrer Klassiker und transportiert mich wunderbar in die Welt von Pip und seiner Erwartungen, es ist eine großartige Lektüre. Ich habe dieses Werk mit großer Begeisterung gelesen und kann es jedem empfehlen.
Redaktion19.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessanter Klassiker, der die Welt von Pip und seinem Wunsch nach mehr ist wunderbar einfängt. Allerdings ist die Sprache für manche Leser etwas anspruchsvoll.
Dieses Buch ist ein Beweis, dass Charles Dickens (1812-1870) nicht umsonst in dem Ruf steht, einer der besten Romanautoren des Realismus (bzw. des 19.Jahrhunderts) zu sein. Auf fast 600 Seiten entfaltet er darin in 59 Kapiteln eine ganz eigene Welt mit einem Dutzend Haupt- und circa 40 Nebenpersonen. Die Hauptperson der Hauptpersonen ist dabei der Ich-Erzähler mit dem einprägsamen Namen Pip. Der Roman ist ein Bildungsroman, also ein Roman über die Herausbildung der Persönlichkeit dieser Hauptperson, von ihr selbst erzählt. Pip beginnt mit seiner Kindheit als armer Waisenjunge, schildert dann seinen Aufstieg mit Hilfe eines anonymen Wohltäters und endet mit seinem Abstieg, nachdem sich der Wohltäter „geoutet“ hat. Diese Aufteilung entspricht den drei Abschnitten des Buches. (die Abschnitte werden nicht durch Überschriften ausgewiesen, nur im Text erwähnt)Die Kapitel des ersten Abschnittes haben ihren Schauplatz im Marschland östlich von London, „20 Meilen von der See entfernt“ (S.6). Sie spielen zum Teil in einem Dorf mit einer Schmiede, in der der Waisenjunge Pip aufwächst, zum Teil in einem Städtchen in der Nähe. Die Handlung spielt sich in einigen wenigen Häusern ab, die von Dickens inklusive des Lebens darin mit viel Lust am Detail beschrieben werden, so die Schmiede, eine brachliegende Brauerei in dem Städtchen und dann in den Kapiteln des 2.Abschnitts auch die Wohnsitze von Pip in London, zuerst Barnards Gasthof, dann eine Rechtsanwaltskanzlei in der Nähe des Gefängnisses Newgate, ein Haus in Hammersmith und schließlich sein späterer Wohnsitz im Temple.Die Örtlichkeiten könnten auf einer West-Ost-Achse entlang der Themse aufgetragen werden, beginnend am westlichen Rand von London und abschließend im Mündungsgebiet der Themse. Der geographische Raum, in dem dieses Buch spielt, ist also recht eng bemessen. Ein wenig „Hauch der großen weiten Welt“ kommt dadurch hinein, dass die Häftlingsverbannung nach Australien und der Schiffsverkehr nach Hamburg und Rotterdam eine kleine Rolle spielen. Der Roman hat einige Kapitel aufzuweisen, die spannende Abenteuer schildern, und noch viel mehr Kapitel, die eher die inneren und äußeren Beziehungen von Menschen untereinander beschreiben. Dickens zeigt dabei einen Sinn für Exzentrik und Humor, und er versteht es, immer genau dann abzubrechen, bevor er zu langatmig wird. Sein Roman ist eine Art Sittengemälde von London um 1850.Die Kapitel im 3.Abschnitt bieten ein Wechselbad der Gefühle (Liebe, Schuld, Hass und Angst). In diesem Teil fügen sich Figuren und ihre Beziehungen untereinander auf beinahe wundersame Art und Weise zusammen, so dass alles einen Sinn ergibt. Und wenn man sich am Ende fragt: „Was ist die Moral von der Geschicht‘?“, könnte die Antwort mit einem deutschen Sprichwort gegeben werden: „Ehrlich währt am längsten“. Nachdem Pip einen Reifeprozess durchgemacht hat, verdient er sein Geld bei der Firma Clarriker & Co., die wie folgt charakterisiert wird: „Wir waren kein großartiges Geschäft, hatten aber einen guten Namen, erzielten Gewinne und hatten unser gutes Auskommen.“ (S.592)Das klingt biederer als es ist. Dickens beschreibt die ganze Vielfalt des menschlichen Lebens und heftet sein Augenmerk dabei, wie in seinen anderen Werken auch, auf bestimmte soziale Mißstände, so auf das Schicksal von Waisenkindern oder die Exekution der Todesstrafe. Er geißelt kleinbürgerliche Verlogenheit, während er einige unvergesslich positive Charaktere „kleiner Leute“ auch in diesem Buch geschaffen hat.Die Nachwirkungen von Dickens sind gar nicht zu unterschätzen. Auch heute noch übt er Einfluss auf kreative Schreiber aus. Aufgefallen ist mir das besonders in T.C.Boyles Roman „Wassermusik“ (1980). Der Roman des neuseeländischen Autors Lloyd Jones (Jahrgang 1955) verweist schon in seinem Titel „Mr. Pip“ auf Dickens‘ Werk. Der australische Autor Peter Carey (Jahrgang 1943) hat "Große Erwartungen" mit den Mitteln der Postmoderne umgeschrieben: "Die geheimen Machenschaften des Jack Maggs" heißt sein erstmals 1997 erschienener Roman.Die Ausgabe aus dem Nickol-Verlag verwendet die Übersetzung von Margit Meier von 1977. Sie verfällt nicht in den Fehler, den Slang in einen deutschen Dialekt zu transferieren, sondern geht behutsam vor, beispielsweise wenn Silben verschluckt werden („vielleicht“ wird zu vleicht) oder die Grammatik „abgeschliffen“ wird.Es ist ein großes Buch, das ich mit 5 Sternen bewerte.
Great Expectations von Charles Dickens ist wohl ein Klassiker der Weltliteratur, ein großartiger Entwicklungsroman und eine sehr spannende, historische Abwicklung im London des Neunzehnten Jahrhunderts. Alleine auf die deutsche Übersetzung kommt es an! Darum möchte ich Sie darauf hinweisen, möglichst nicht nach der Übersetzung von Paul Heichen zu greifen. Diese hölzerne Übersetzung habe ich nach 140 Seiten beiseitegelegt, da mir ein sinnerfassendes Lesen zur der artige Plage wurde, dass die Freude am Lesen von Dickens verloren ging. Ich habe danach das englische Original zu Rate gezogen und zu einer anderen Übersetzung (Insel-TB 3538) gegriffen. Darum gilt meine Rezension nur dem Roman, nicht aber der Übersetzung.Denn der Roman ist zeitlos großartig. Philip Pirrip alias Pip ist ein Waisenjunge, der bei seiner Schwester, der zänkischen Mrs. Joe und ihrem Ehemann Joe Gargery in der Schmiede an den Marschen der Themsemündung aufwächst. Ganz in der Nähe ankern die Gefangenenschiffe, bereit zur Abfahrt nach Australien. Am Friedhof, an dem Pips Eltern begraben liegen, hilft der Junge einem der Gefangenen, einem grimmigen, unangenehmen Kerl. Doch der Sträfling wird gefasst und ausgeschifft. Von da an nehmen Pips eigenwilligen Begegnungen ihren Lauf. Schon bald wird er nach Haus Satis, einem verwahrlosten Herrenhaus mit Brauerei und verwildertem Garten zu Miss Havisham geschickt. In diesem absonderlichen Possentheater ranken sich Verwandet um das Erbe der in die Jahre gekommenen Dame. Die geisterhafte Alte hatte ihr Leben am Tage ihrer verschmähten Hochzeit gemeinsam mit den Uhren ihres Hauses vor Jahrzehnten um 08:40 angehalten. Sie empfängt jedoch außer Estella, ihre wunderschöne, aufblühende aber eiskalte Adoptivtochter nur den jungen, verspielten Pip. Estella und Miss Havisham reihen sich zu den besonderen Menschen in Pips Leben, ebenso Joe. Doch es wäre nicht Dickens würden wir nicht ebenso üblen Charakteren begegnen, die um den Jungen streifen. Als Pip plötzlich "Große Erwartungen" in Form von monatlichen Anweisungen, einer Ausbildung in London und ein Leben als vornehmer Herr versprochen werden, vermischen sich bald die Guten und die Schlechten."Es ist oft so im Leben, dass wir gewöhnlich unsere größten Charakterschwächen und Gemeinheiten um derjenigen willen zeigen, die wir am meisten verabscheuen." S276Das Leben in London steht Pip gut. Sein Sachwalter der Anwalt Mr. Jaggers ist ein typischer Dickens-Charakter und eine großartige Persönlichkeit. Sein Gehilfe, Mr. Wemmick, führt uns durch das Gefängnis in Newgate und wird als Privatmann Pip bei seiner Entwicklung unterstützen. Nicht zu vergessen Herbert Pocket, ein junger Mann, dem er im Haus Satis bereits über den Wege gelaufen war. Doch wer war der Gönner, der Mäzen, der Pip monatlich das viele Geld anweisen ließ und was führt er im Schilde?Und wäre es nicht Dickens, würden wir uns nicht an unzähligen Verstrickungen, unerwarteten Verwandtschaften, einer berührenden Liebesgeschichte, einer großartigen menschlichen Entwicklung, wohlwollender Gönner und vielen gruseligen Gesellen und Szenarien erfreuen. Doch am wärmsten sind die unbestechlichen, aufrichtigen, oft etwas einfachen Charaktere, wie Pip sie nach vielen Jahren immer noch in Joe trifft."...Wenn du’s nich schaffst, auf gradem Wege außergewöhnlich zu werden, wirst du es auf krummem erst recht nich. ..." S95Spannender, verstrickter und zeitloser Entwicklungsroman mit unverwechselbarer Charakterzeichnung!
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 10:22 Uhr.