Carl Poulsen hat es geschafft, mit seinem Geschäftspartner und Technikchef Eric hat er ein revolutionäres Gerät, den „Mirror“ entwickelt, das einen digitalen Spiegel seines Nutzers erschafft und alles tun wird, diesen zu unterstützen und glücklich zu machen. Selbstoptimierung auf ganz hohem Level. Anhand einiger speziell ausgewählter Protagonisten folgen wir deren Lebensverlauf unter Beeinflussung der völlig faszinierend neuen Mirrorwelt. Eine Welt voller berauschender neuer Erfahrungen, voller Hoffnungen, doch es lauern auch Gefahren…..Mit seinem beängstigendem Zukunfts-Szenario in „Mirror“, ist dem Autor Karl Olsberg ein beeindruckende und überzeugend vorstellbare Handlung gelungen. Der Schritt geht in eine kuschelig-einfache Sorglos-Welt, in der eine künstliche Intelligenz, dir die Welt erklärt und dir deine Probleme, Handicaps und Entscheidungen abnehmen kann. Das scheint schon jetzt nicht mehr fern zu sein und ist daher auch sehr gut vorstellbar! Olsberg beschreibt daher eine Situation, die schon morgen möglich sein könnte, mit erschreckender Deutlichkeit und zeigt uns gekonnt die Vor- und Nachteile auf. Die Vorstellung das der „Mirror“ mit seinem großen Datenabgleich und all dem persönlichen Input gute Empfehlungen abgeben kann ist nett, gar keine Frage, durch Gesichtserkennung Gefühle des Gegenübers deuten praktisch und Blinde sicher durch die reale Welt zu manövrieren, machen ihn uns sympathisch. Doch sobald der Mirror etwas falsch interpretieren sollte, in unsere Gefühlswelt hinenpfuscht, uns manipuliert, oder gar bedroht, wendet sich das Blatt und wird zur wahren Horrorvorstellung.Mich als begeisterten Technik Anhänger hat das Buch sehr fasziniert, es hat Möglichkeiten gezeigt die verlocken, aber auch die Gefahren und Auswirkungen der Technik auf den Einzelnen aufgezeigt, die lauern und über die sich im vorher niemand Gedanken macht. Dieser sorglose Umgang ist leider auch schon mit unserer vergangenen Technisierung erfolgt und daher so real, erst heutzutage werden uns die Auswirkungen bewusst, wie beispielsweise Manipulation, Mobbing und Kriminalität im Internet, die Auswirkung der Industrialisierung auf das Klima oder unser Umgang mit Plastik, zukünftig werden sogar Menschen zu schwer entsorgbaren Sondermüll (Implantate) werden. Wie viele Menschen sind schon durch falsche Navigation an den unmöglichsten Orten gelandet, da ihr Vertrauen in die Technik größer war als die Schilder und Gegebenheiten ihrer Umwelt….selbstständiges Denken sollte eben trotz Technik und Fortschritt immer Priorität haben, auch wenn "Neuerungen" noch so attraktiver daher kommen;) Nachdenken über die Auswirkung des eigenen Handelns wird gerade in unserer modernen Welt immer wichtiger!Mit den Worten des Autors gesagt: „Nicht die Technik ist unser Problem, sondern die Art, wie wir damit Umgehen.“
Rezensionen gelingen mir nie so, wie ich das gerne ausgedrückt hätte. Ich hätte am liebsten die Überschrift von Silke Schröder, sowie weite Passagen ihrer Rezension abgeschrieben, weil ich dem zustimme.Karl Olsberg ist mal wieder ein Buch gelungen, das auf eine einmalige Weise Science-Fiction alltagstauglich macht, dabei spannend, unterhaltsam und lehrreich ist.Ich habe mich in dem Buch "irgendwie wohlgefühlt", weil alles ausgezeichnet recherchiert, logisch und „möglich“ beschrieben ist. Ich fühle mich bei dem Buch nicht als distanzierter Beobachter, sondern stecke mitten drin! Dafür springen die Romanfiguren wie lebendig aus dem Buch heraus.Als Technikfreak habe ich sowohl beruflich als auch im Hobby Computer und Internet praktisch von der Erfindung bis heute „begleitet“. Das ist wohl der Hauptgrund, warum ich zunächst mal alles für möglich halte, was es heute noch nicht gibt. Dann gibt es das eben morgen und ich wüsste auch nicht, wie man das verhindern kann.Viele Leserinnen und Leser wird das Buch sicher ein klein wenig nachdenklich machen, dass wir den Mirror in seiner untersten Stufe schon haben. Smartphones und die entsprechenden Apps haben viele Menschen schon voll im Griff. Wir werden heute schon geführt, verführt und manipuliert. Ich bin sicher, dass weitere „Stufen“ folgen, und wer sich darauf vorbereiten will, sollte Mirror von Karl Olsberg lesen! Wer sich nicht vorbereiten will, hat aber wie alle anderen einen spannenden und unterhaltsamen Thriller, in dem nichts "unmöglich" ist.
Karl Olsberg greift in seinem Thriller „Mirror“ ein für die Zukunft der Menschheit sehr wichtiges Thema auf: die Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz.Die Idee für den Plot der Handlung ist ausgezeichnet und insgesamt auch gut umgesetzt. Die Qualität der sprachlichen Gestaltung schmälert den Lesegenuss leicht, auch die Charaktere sind Olsberg in seinen Krimis um Hauptkommissar Eisenberg etwas besser gelungen.Die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz sind enorm. Verschiedene Menschen besitzen in Olsbergs Thriller bereits persönliche digitale Assistenten, Mirror genannt, die ihnen in allen möglichen Lebenssituationen für sie passende Handlungsempfehlungen einflüstern. Diese werden auf Basis des bisherigen Verhaltens des Mirror-Besitzers und der Analyse der aktuellen Situation ermittelt. Die Mirror Systeme lernen über neuronale Netzwerke ihren Besitzer immer besser kennen. Dadurch behaupten sich Menschen mit Mirror im Leben besser, sei es im Kontakt mit anderen Menschen, im Beruf oder beim Lernen, sie verfolgen auch ihre persönlichen Ziele konsequenter. Die Mirror Systeme helfen jedem zur Steigerung der individuellen Möglichkeiten weiter. Insbesondere Menschen mit Handicap wie Blinde, Autisten oder intellektuell Minderbegabte können deutlich bessere Lebenschancen erhalten.Im Krimi zeigt Olsberg, der über künstliche Intelligenz promoviert hat, aber auch die die großen Risiken und Gefahren, die für den einzelnen und die Menschheit insgesamt durch die Anwendung der künstlichen Intelligenz entstehen können. Um Spoiler zu vermeiden hier nur der Hinweis, dass sich im Thriller Komplikationen ergeben aus der Tatsache, dass die Mirror der einzelnen Personen über das sogenannte MirrorNet auch untereinander vernetzt sind und so voneinander lernen können. Dies kann zum Autonomieverlust von Personen führen, die den Mirror-Empfehlungen kritiklos folgen.Man fühlt sich beim Lesen des Thrillers an den Zauberlehrling aus Goethes bekannter Ballade erinnert. Aktuelle Warnungen vor den Gefahren der künstlichen Intelligenz haben sogar technophile Persönlichkeiten wie S. Hawkings und Elon Musk geäußert. Das Thema ist auch in verschiedenen Sachbüchern und Filmen bereits aufgegriffen worden.Karl Olsberg hat keinen Sciencefiction Roman geschrieben, der in der fernen Zukunft spielt. Die technologischen Voraussetzungen sind bereits fast vollständig vorhanden. Beispielsweise werden neuronale Netzwerke bereits erfolgreich genutzt, wir müssen nicht auf die Massenproduktion von Quantencomputern warten! Eine solche Entwicklung wie im Buch dargestellt, könnte sich – sicherlich weniger dramaturgisch erhöht als im Thriller - in circa zehn bis zwanzig Jahren abspielen. Produkte wie Cortana, Siri, … als Vorläufer solcher persönlichen Assistenten existieren bereits heute.Olsberg deutet bereits im Thriller und auch im Epilog Möglichkeiten für den Umgang mit diesen Gefahren an. So sollten vergleichbare Produkte mit weitreichenden Folgen für die Menschheit nicht in der Hand von gewinnorientierten Unternehmen liegen, sondern als Open Source besser kontrollierbar bleiben. Die Entwicklung von digitalen Systemen, wie sie im Buch dargestellt werden, wird sicherlich weitergehen. Der einzelne Mensch wird diese elektronischen Helfer nutzen müssen, um in Beruf und Alltag gut bestehen zu können. Umso wichtiger ist es für jeden, sich eine gewisse digitale Bildung zum mündigen Umgang damit anzueignen. Dazu müssen vermehrt auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen beitragen.Wer erwägt, dieses Buch zu lesen, kann zuvor noch den kostenlosen elektronischen E-Book Trailer „MirrorWelt: Prequel“ lesen, der in Kurzgeschichten die Funktionsweise der Mirror-Familie erläutert und gut an den Thriller heranführt.Wegen der oben ausgeführten Abstriche gebe ich Olsbergs Thriller vier von fünf Sternen, insgesamt kann ich den Thriller sehr empfehlen.