Die Liebenden von Mantua: Roman
Gegenwartsliteratur EAN 9783835316836

Die Liebenden von Mantua: Roman

Hersteller: Wallstein Verlag Gmbh  ·  MPN: 1213742
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Produktbeschreibung

Ein großer Roman über eine neue Liebesutopie.Seit 6000 Jahren lagen sie sich in den Armen: Als 2007 die aus der Jungsteinzeit stammenden Skelette zweier junger Menschen bei der Stadt Mantua ausgegraben wurden, gingen die Bilder um die Welt. 'Romeo und Julia aus der Steinzeit' - so lautete die Sensationsmeldung. Dann kamen die Krise und der 'verfluchte Frühling', das Erdbeben im Mai 2012, die Renaissance-Stadt Mantua hatte andere Sorgen.In Ralph Dutlis Roman ist das berühmte Steinzeitpaar nach Untersuchungen in einem archäologischen Laboratorium plötzlich verschwunden, und so macht sich der Sch

Bewertungen & Erfahrungen

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Michael Collin 15.04.2024 amazon.de
Neulich habe ich ein Bändchen mit dem Titel „Where Stories dwell“ gelesen. Darin finden sich zahlreiche Anregungen, aus welchen Quellen Schriftsteller ihre Stoffe schöpfen können. Und natürlich gibt es überall äußere Anregungen, die sich zu Literatur verarbeiten lassen, zum Beispiel die beiden Skelette der eng umschlungenen "Liebende von Valdaro", eines Steinzeitpaares, das 2007 in Italien entdeckt wurde.Um sich von ihnen anregen zu lassen, fährt der Schriftsteller Manu nach Mantua, wo er zufällig nach Jahren seinen Freund Raffa trifft. Raffa ist im Vergleich zum poetisch aufgelegten Manu der Bodenständigere, der sich mit dem Erdbeben und der wirtschaftlichen Situation in der Region Mantua beschäftigt.Doch hier fangen die Unsicherheiten schon an. Kann man das überhaupt so sagen, wenn beim Lesen der Gespräche die beiden Figuren kaum auseinander zu halten sind und ich zunehmend das Gefühl hatte, mich auf ein poetisches Delirium einstellen zu müssen?Raffa schlägt Manu vor, einen Roman mit dem Titel "Die Liebenden von Mantua" zu schreiben. Aber bevor die beiden sich wieder treffen können, wird Manu auch schon vom Conte Ignoto zu keinem geringeren Zweck entführt als das Buch der Liebe unter dem Titel "Die Liebenden von Mantua" neu zu schreiben, um eine auf Liebe anstatt auf Schmerz gründende Nachfolgereligion zum Christentum zu gründen.In seiner Gefangenschaft halluziniert Manu ein Gespräch mit Raffa und spätestens hier wird klar, dass die ganze Romanhandlung mehr Wahn als Realität ist.Wo hausen hier also die Geschichten?Die Liebenden und das Erdbeben werden motivisch immer wieder herangezogen, ebenso Maler und Dichter der Renaissance und überhaupt der abendländische Bildungskanon, und das alles wird im Kopf des Erzählers zu einem Stream of Consciousness subjektiviert. An einer Stelle wird über ein Renaissance-Buch reflektiert:"(...) Hypnerotomachia Poliphili (...) das schönste gedruckte Buch der Renaissance (...) das Buch der Prüfungen durch die Liebe, angesiedelt zwischen Schlafträumen und Wachträumen, das Buch der Sehnsucht nach einer besseren, von Eros bestimmten Gegenwart" - - - angesiedelt zwischen Schlafträumen und Wachträumen, diese Beschreibung trifft auch auf DIE LIEBENDEN VON MANTUA zu.Poetische Wahrheit, Illusion, Spiel mit Traum und Wirklichkeit, Aufhebung der festen Grenzen zwischen den einzelnen Ichs des Romanpersonals, das könnte großartig sein. Aber Dutli verspielt die literarischen Möglichkeiten des Textes durch das selbstverliebt introvertierte Määandern durch Metaphern, Bildungsschnipsel und Sprachspielchen, so dass zum Beispiel die Gefangennahme des Protagonisten nicht das Mindeste an Spannung oder Beunruhigung bei mir hervorruft.Dann fallen die zahlreichen überdosierten poetischen Sprachbilder auf, bei denen ich mich sehr oft geschüttelt und gefragt habe, ob Dutli das ernst meint:„ Die Zeit an sich ist gegen sich selbst immun, sie ist ohnehin obdachlos, eine phänomenale unbehauste Landstreicherin" oder "Sonnenlicht beleckt mit kleinen feuchten Zungen seine müden Augenlider"; das sind nur zwei willkürlich ausgewählte Beispiele für Bilder, die zwischen poetischem Tiefsinn und schwatzhaftem Blödsinn oszillieren. Und keine Idee ist Dutli zu abseitig, um sie nicht in seinen Gobelin zu weben: "(...) man glaubt förmlich, auch ein Steinzeitidiom zu hören" (auf Malta nämlich).Die Grenze zwischen Tiefsinn und obskurem Tinnef verwischt:"Die Hauptsache sind die hypnotischen Sätze, die vergessen machen, wovon sie eigentlich handeln. Jeder Roman schafft seine eigene Magie, seine rätselhafte Euphorie, die keiner versteht und die jeden beschenkt, der sich ihr aussetzen will.""Ich war ohne die Daueridentität viel freier" bekennt Manu, und tatsächlich scheint mir der verlässlichere Protagonist in diesem Roman die Sprache selbst zu sein, die aber bewusst als "absichtlich dunkle Orakelsprüche" daher kommt (wie Manus SMS an Freunde) und als Teil des Deliriums instrumentalisiert wird.Aber wenn die Sprache zum eigentlichen Handlungsträger wird, dann ist es um so ärgerlicher, wenn ich bei jeder zweiten Metapher schmerzhaft zusammenzucke, weil sie mir überzogen bis falsch vorkommt, wenn die erzwungenen Lyrismen ("das Olivenbäumchen in seiner Trommel, in seinem Trog, in seiner Trauer"; "das lispelnde Konzert der Zitterpappeln") mit forciertem Humor korrelieren ("Manu tritt auf seine viel zu hohe Terrasse, die ihm jedesmal höhnisch Hals- und Beinbruch verspricht"); und wenn ich pedantische Bildungseinsprengsel verdauen muss, die mich belehren, aber nicht unterhalten: "laut Vergils Äneis, zehntes Buch, Vers einhundertneunundneunzig" - wie gut, dass Dutli darauf verzichtet, Zahlen ab Zwölf in Ziffern zu schreiben, wo es so doch viel beeindruckender ist!Wie ärgerlich, wenn so viele interessante Ideen, und diese gibt es durchaus!, untergehen in einer Sprache, die ich extrem manieriert und nervtötend finde.Ich habe die Lektüre zunehmend als Anstrengung empfunden und schließlich das Interesse daran verloren, wie dieser Roman wohl ausgeht.1 1/2 Sterne für einen Roman, der mit höchstem Anspruch doch scheitert.
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