SpannendThemen:KinderlosigkeitBezug zur NachkommenschaftAllgemeiner Weltverdruss, ohne diesen bei Namen zu nennen, trotz Bewusstsein der LageCharaktereJonas SchrekerGerlinde Kämmerling, Unternehmenseignerinderen EnkelSilvia Cantelli, OperndivaNilsMargo SebaldEin spannender Roman! Die Spannung ergibt sich nicht nur aus der Tatsache, dass ein hundertfacher Mord verhindert werden muss, sondern aus der besonderen Tragik von einigen Personen, von der alternden Unternehmenseignerin Gerlinde Kämmerling, die nicht loslassen kann, wobei man bis zum Schluss nicht weiß, ob ihr Loslassen für das Unternehmen gut wäre, von ihrem Enkel, lebenslustig, äußerst intelligent, bereit für die Firma da zu sein, aber vielleicht zu risikofreudig, von der gewesenen Operndiva, jetzt dick und unansehnlich, der vielleicht eine kleine Rache gelingt, und von ihren Manager, der sie ausgebeutet hat und von seiner vernachlässigten Frau fürchterlich bestraft wird, Nils, der sich die Schuld am Tod seiner Frau gibt, und Jonas Schreker, selbst ein vom Vater ignoriertes Kind, belastet mit seinen Forderungen seinen Sohn nun unverhältnismäßig und treibt ihn damit in den Tod; Nils und Jonas wollen in ihrem allgemeinen Weltverdruss, ausgedrückt in Sorge um die Umwelt, das Schiff als Zeichen in die Luft sprengen, obwohl sie sich ihrer individuellen Problematik bewusst sind.Eingeflochten wird die Problematik von Kinderlosigkeit, wobei sich die Frage stellt, wie sinnvoll es ist, ein Kind in die Welt zu setzen, nur um einen Nachfolger für das Unternehmen zu haben.Und wenn der Nachfolger nicht tut, wie man will, bringt man ihn dann um?
Wie schon im Vorgänger "MS Mord" gerät Margo in kriminelle Machenschaften. Diesmal kommt sie einem Öko-Aktivisten in die Quere. Aber das ist ja (ebenfalls wie im Vorgänger-Roman) längst nicht alles. Episodisch werden hier Traumata und Differenzen unter den Passagieren psychologisch fein austariert beschrieben und auf die Spitze getrieben. So liegt der Schwerpunkt eindeutig auf der Charakterzeichnung. Das ist spannend und macht es verschmerzbar, wenn am Ende manche Episode nicht wirklich überrascht.